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Die Promenade rutscht nach unten

Megaliner versprechen das Revival der tiefliegenden Decks für mehr Nähe zum Meer. Und sie werden umweltfreundlicher.

MSC Seaside: Aussen gelegene Promenade mit Pool und Restaurant. Zeichnung: MSC
MSC Seaside: Aussen gelegene Promenade mit Pool und Restaurant. Zeichnung: MSC

In den Werften herrscht Hochbetrieb: Über 70 neue Kreuzfahrtschiffe stehen derzeit in den Auftragsbüchern. Sie werden über die nächsten Jahre die weltweite Flotte von aktuell 450 ozeantauglichen Kreuzfahrtschiffen massiv erweitern.

Bis zu einer Milliarde US-Dollar kostet ein Megaliner für 5000 bis 6000 Passagiere, kleinere Einheiten etwa die Hälfte. Der Treiber für die gewaltigen Investitionen der Reedereien ist klar: Das Geschäft brummt, die Nachfrage nach Kreuzfahrten wächst global und wird dieses Jahr die 25-Millio­nen-Passagiere-Grenze sprengen. Vor zehn Jahren waren noch 15 Millionen Kreuzfahrer unterwegs. Aufstrebende neue Märkte wie China motivieren die Reedereien, die Flotten auszubauen.

Investiert wird einerseits in kleinere, oft luxuriöse oder eisverstärkte Schiffe, die mit Stil und Eleganz die gehobene Art der Seereise ermöglichen. Zum anderen in Mega- und Gigaliner, die mit einer kaum überblickbaren Angebotsvielfalt, neuen Attraktionen und Spektakel das Konzept des schwimmenden Ferienresorts weiterentwickeln. Lange Wasserrutschbahnen, Surf- und Flugsimulatoren an Deck, eine Eisbahn oder eine hoch in die Luft schwenkbare Aussichtskugel gehören bereits zum Programm. Nun sorgt die neue Norwegian Joy mit einer über zwei Decks angelegten Gokartbahn für Aufsehen – ein Ende der Fun-Höhenflüge ist nicht abzusehen.

Noch spannender ist eine Schiffsbauentwicklung, die die neue MSC Seaside gegen Ende Jahr vorstellen wird: Mit grossen, tiefliegenden Aussenpromenaden und -flächen setzt der Neubau auf einen Trend, der heute immer mehr Cruiseliner, die in warmen Gefilden unterwegs sind, charakterisiert: mehr Nähe zum Meer.

Die ökologisch beste Alternative heisst Flüssiggas

Eine aussen gelegene Promenade, die nicht nur als Zustieg für die Rettungsboote gedacht ist, kennt man noch von älteren Schiffen oder Unikaten wie der Queen Mary 2. Auf modernen Cruiselinern konzen­triert sich das Tagesleben zunehmend auf die obersten Pool-, Sport- und Sonnendecks. Vor wenigen Jahren sorgte Norwegian Cruise Line erstmals mit einer Waterfront für Beachtung, offene Promenaden mit Ablegern von Bars und Restaurants. Ein ähnliches Konzept tauchte inzwischen auch auf der Costa Diadema und weiteren Schiffen der Carnival-Gruppe auf.

Nun setzt die MSC Seaside mit ihren weiten, unteren Outdoor-Flächen inklusive Pool am Heck und Restaurants, in denen man draussen essen kann, noch einen drauf. Auf kleineren Schiffen wie der Seven Seas Explorer oder jenen von Viking Ocean wird mehr Nähe zum Meer mit Infinity-Pools am Heck gesucht.

Aber auch hinter den Kulissen zeichnet sich eine Revolution ab: Seit Jahren werden Kreuzfahrtschiffe, die beim Verbrennen von Schweröl Schadstoffe wie Schwefel, Stickoxide und Feinstaub ­ausstossen, als Dreckschleudern gebrandmarkt. Internationale Abkommen haben inzwischen Höchstwerte und spezielle Schutzregionen definiert, die für die Reedereien verbindlich sind.

Bei existierenden Schiffen werden nun Filter und Waschanlagen in­stalliert, doch die ökologisch beste Alternative heisst Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG). Bei diesem Antrieb fallen kaum Schadstoffe an, LNG ist zudem günstiger als herkömmlicher Brennstoff.

In diesem Frühjahr hat Aida Cruises den Bau eines ersten von zwei mit LNG betriebenen Kreuzfahrtschiffen aufgenommen. Auch Costa, Carnival, P&O, Royal Caribbean, Norwegian und MSC setzen bei der nächsten Generation von Neubauten auf diese Technologie – ein neuer (Umwelt-)Standard nimmt nun endlich Fahrt auf.

Der Haken dabei: Noch ist LNG weltweit längst nicht überall verfügbar – die Hafenbetreiber sind dringend gefordert.

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