Genuss für Gaumen und Gemüt

Die Region um das charmante Cascais an Portugals Atlantikküste zieht Gourmets wie Liebhaber des Mondänen an. Selbst James-Bond-Fans kommen auf ihre Kosten.

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Wie einer fantasievollen Kinderzeichnung entsprungen: So sieht Cascais aus. Im Küstenstädtchen am Atlantik drängen sich imposante Festungsbauten, verspielte Villen und romantische Herrenhäuser, während sich das Zentrum den Charme des portugiesischen Fischerstädtchens bewahrt hat, das Cascais einmal war. Im 19. Jahrhundert wählte die portugiesische Königsfamilie den nur 25 Kilometer von Lissabon entfernten Ort als Sommerresidenz. Ihr folgten Adlige und Reiche, Cascais wurde zum mondänen Ferienziel.

Während die alten Bauten den Reichtum stolz zur Schau stellen, verstecken sich die neuen Häuser der Reichen hinter Mauern und Zäunen. Auch das Gasthaus The Charm Of Cascais ist blickdicht umzäunt – wem sich das Tor öffnet, fühlt sich auserwählt: Ein schöner Garten umgibt das Haus mit acht Gästezimmern. Tritt der Ankömmling ein, hält er inne; es ist, als ob man irrtümlicherweise ein privates Wohnzimmer betreten hätte. Unsicher geht der Besucher weiter, bis er von Besitzer Ruy Figueiredo herzlich begrüsst wird. Der Chef bietet einen Portwein an und beginnt zu erzählen. «Gäste sollen sich hier fühlen, als ob sie zu Besuch bei Freunden wären.»

Video: Das Geheimnis des perfekten Oktopus

Die Jungköchin Tatiana Simões arbeitet im Restaurant Polvo Vadio im portugiesischen Cascais. Video: Jan Derrer

Das ist nicht bloss Marketinggeschwätz. Mit seiner Frau Su­sana schafft er es, dass sich die Gäste hier zu Hause fühlen. Der 66-Jährige war ein Berufsleben lang im Tourismus tätig, heute verbindet er in seinem Haus Professionalität mit einer persönlichen Note. «Als die Algarve immer mehr von Touristen überschwemmt wurde, suchten manche neue Orte. So wurde Cas­cais in den vergangenen zehn Jahren immer beliebter», sagt Ruy. «Cascais und der Nachbarort Estoril setzen auf Qualitätstourismus, es gibt zahlreiche Fünfsternhotels. Und immer mehr luxu­riöse Gasthäuser.» Entscheidend für die Beliebtheit sei auch die lokale Küche: «Das Essen ist simpel, entscheidend sind die guten Zutaten.»Wer das Fischrestaurant O Pes­cador im Zentrum besucht, muss Ruy Figueiredo recht geben: Die einfachen Gerichte überzeugen. Zu einer Seezunge, zwei Kilometer vor der Küste Cascais’ gefangen, werden Kartoffeln und Stangenbohnen serviert. Zur Vorspeise gibt es fünf Sorten Brot, Krabbenpaste und Oliven. Die Kellner haben das Talent, die Gäste zurückhaltend zu umsorgen. Im richtigen Moment wechseln sie ein paar Worte und helfen bei der Auswahl.

Öl und Tiefkühler sind entscheidend

Auf Tintenfisch spezialisiert ist das Polvo Vadio. Das Lokal hat nur 15 Plätze. Die 22-jährige Köchin Tatiana Simões bereitet vor den Augen der Kundschaft in der Kochecke Tintenfische in unzähligen Varianten zu. Wer sich durch den Anblick der Tentakel abgestossen fühlt, wird für immer bekehrt, sobald ein Stück im Mund gelandet ist: Bissen um Bissen wächst das Vergnügen. Was ist das Geheimnis? Tatiana Simões: «Die Qualität des Olivenöls; ich verwende Pres­sungen aus der Region Alentejo.» Damit die Fasern weich werden, müsse der frische Tintenfisch zudem vor dem Kochen tiefgekühlt werden. Als Beilage kocht Simões Bodenständiges wie Süsskartoffeln, Kartoffelpüree mit Chorizowurst, Ofengemüse oder hausgemachte Kartoffelchips.

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Neben unzähligen Restaurants hat Cascais auch ein grosses Freizeitangebot. In der Region finden sich fünf Golfplätze sowie gute Bade- und Surfstrände, an denen morgens wie abends die Jogger unterwegs sind. Die Küste lässt sich zu Fuss oder mit dem Mietvelo entdecken. Ein kleines Museumsviertel offenbart die kulturelle Seite von Cascais. In einem auffälligen rostroten Bau mit zwei kegelförmigen Türmen untergebracht ist das Museum Casa das Historias Paula Rego. Die Wechselausstellungen zeigen Werke der portu­giesischen Malerin und Grafikerin Paula Rego. Daneben steht das Museu do Mar Rei D Carlos, das einen Überblick bietet über die Geschichte der lokalen Fischerei, Seefahrt und der Meeresbiologie. Die Besucher erfahren, wie der Atlantik Kultur und Wirtschaft von Cas­cais prägte. Die Ausstellung ist aber nur in Portugiesisch und Englisch beschriftet.

An der Quelle von Ian Flemings «Casino Royale»

Cascais ist ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen. Den Nachbarort Estoril erreicht man nach einem 40-minütigen Strandspaziergang. Ein Casino, das in einem hässlichen Gebäude untergebracht ist, dominiert den Ort. Das Gamblerparadies zieht vor allem Spanier und Chinesen an. Erfreulicher ist der Anblick des benachbarten Hotels Palacio. In der 1930 erbauten Herberge wohnten während des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Spione – darunter auch der britische Verbindungsoffizier und spätere Schriftsteller Ian Fleming, der als Schöpfer von James Bond bekannt wurde. Estoril soll ihn zu seinem Buch «Casino Royale» inspi­riert haben.

Etwas länger als nach Estoril dauert die Reise nach Sintra – eine halbe Stunde mit dem Mietauto. Das Städtchen gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und wird von Besuchern überschwemmt. Die Attraktion: Im historischen Teil wimmelt es von Palästen und Herrschaftshäusern, erbaut im Lauf der Jahrhunderte von Königen, Aristo­kraten sowie Exzentrikern und reichen Unternehmern. Sie würfelten die unterschiedlichsten Bau­stile wild durcheinander. Das wunderliche Universum besteht un­ter anderem aus arabischen, indischen und gotischen Bauten. Zumindest etwas portugiesisch wirkt der manuelinische Stil, der freilich spanische, italienische und flämische Elemente kombiniert.

Spaziergang durch die Altstadt lohnt sich

Etwas abseits vom Trubel liegt der Palast von Monserrate. Die Architektur vereinigt orientalische und neugotische Einflüsse. Die Parkanlage wirkt auf den ersten Blick natürlich, bei näherem Hinsehen aber wird klar, dass alles komponiert ist. Sogar künstliche Ruinen wurden angelegt. Verantwortlich für die romantische Pracht sind zwei Briten: Der vermögende Romanautor und Kunstsammler William Thomas Beckford legte den hügeligen Park im 18. Jahrhundert an. Im 19. Jahrhundert hat Textilunternehmer Francis Cook das Ensemble erweitert. Heute ist der Palast ein Museum, das vor allem Cooks Leben thematisiert.

Nach der Ruhe in Monserrate wirkt der Touristentrubel in Sintra fast grossstädtisch. Ein kurzer Spaziergang durch die verwin­kelte Altstadt lohnt sich trotzdem. Zumindest bis zur Konditorei Piri­quita. Hier werden Queijadas, Käseküchlein mit Zimt, gereicht, und Travesseiros, ein Gebäck aus Eiern und Mandeln. Das perfekte Dessert nach einer überraschenden Sightseeing-Tour an der Atlantikküste.

Anreise:
Die TAP Air Portugal fliegt dreimal täglich von Zürich nach Lissabon, www.flytap.com

Unterkünfte:
The Charm of Cascais
Hotel Londres***, Estoril
Hotel Palacio Garden*****, Estoril

Essen:
O Pescador, Cascais
Polvo Vadio, Cascais

Allgemeine Informationen:
www.visitcascais.com
www.visitportugal.com

Die Reise wurde unterstützt von Visit Cascais und TAP Air Portugal. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 21.05.2018, 20:54 Uhr

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