Im Tal der Oasen

Obwohl das südkalifornische Coachella Valley mitten in der Wüste liegt, leben dort 450'000 Menschen.

Ein Eldorado für Golfer – und für Wanderer: Die Umgebung von Palm Springs. Bild: Getty Images

Ein Eldorado für Golfer – und für Wanderer: Die Umgebung von Palm Springs. Bild: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sachte schlängelt sich die Strasse nach oben. Kurve um Kurve windet sich der Pines to Palms Highway hoch. Links massive Felswände der San-Bernardino-Bergkette, rechts schier unendliche Weiten der Colorado-Wüste, in der zwar auch typische Wüstenvegetation wie der Smoketree wächst, die aber auf den ersten Blick vor allem durch ein Merkmal auffällt: Sand. Doch nach einer weiteren Kurve ist alles anders – und die Verblüffung gross. Vor den Augen öffnet sich das Coachella Valley, das in neun Städten circa 450'000 Leuten ein Zuhause bietet. Es ist heiss, fast 40 Grad. Und doch sind die Wohnhäuser umsäumt von Grün. 

Es ist wie ein Farbtupfer auf einem monochromen Kunstwerk. Doch wie ist das möglich? Das Coachella Valley liegt am San-Andreas-Graben, dort also, wo die Pazifische Erdplatte an der Nordamerikanischen vorbeigleitet. Dies ist nicht nur die Ursache von teils zerstörerischen Erdbeben, sondern auch der Grund dafür, dass im Coachella Valley überhaupt Leben existieren kann. Die Ersten, die das Gebiet besiedelten, waren die Cahuilla-Indianer. Heute gibt es neun Reservate, die Heimat dieser Stämme sind. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich durch die plattentektonischen Bewegungen zwölf Oasen gebildet. «Es leben hier nicht nur 450 000 Menschen, sondern etwa genauso viele Skorpione», sagt der 66-jährige, pensionierte Anwalt Mike, der Besuchern das Leben in der Wüste näherbringt. 

An rund 100 Tagen ist es über 40 Grad heiss

Er habe Roger Federer hier schon einige Male spielen sehen, erzählt er sichtlich stolz, als er mit seinem Jeep an der Tennisanlage von Indian Wells vorbeifährt. Insgesamt 29 Hartplätze gehören dazu, und mit einem Fassungsvermögen für 16 100 Zuschauer ist der Hauptplatz das zweitgrösste Tennisstadion der Welt.

Doch das Coachella Valley hat mehr zu bieten als Tennis. Wer beim Sport bleiben will, kann sich auf einem der über 100 Golfanlagen versuchen. Vor allem aber bietet die Region auch unzählige Möglichkeiten zum Wandern durch die pittoresken Landschaften. Die Palm Springs Aerial Tramway, die weltweit grösste sich drehende Luftseilbahn, bringt einen beispielsweise in zehn Minuten entlang des Chino Canyon in den Mount San Jacinto State Park auf 2595 Meter Höhe. Von da er­öffnet sich einem nicht nur ein atemberaubender Blick auf das Coachella Valley, sondern auch die Möglichkeit, das Tal auf rund 80 Kilometer Wanderwegen selber zu erkunden.

Es sei auch schon vorgekommen, dass auf dieser Höhe Schnee gelegen sei, sagt Mike, was in der brütenden Hitze für den Moment nur schwer vorstellbar ist. Denn im Coachella Valley scheint an etwa 360 Tagen im Jahr die Sonne, an rund 100 ist es weit über 40 Grad heiss. Deshalb gibt Mike, den es vor über 40 Jahren von Oregon in die kalifornische Wüste zog, den ultimativen Tipp für Wüstenabenteurer, während er Wasser und ein eisgekühltes Handtuch verteilt: «Nie alleine reisen und immer jemandem sagen, wohin man geht.» 

Auf dem Walk of Stars begegnet man Hollywood-Grössen

Das warme Wetter hat Palm Springs und den anderen Städten des Coachella Valley den Ruf eingebracht, vorab ein Rückzugsort für Pensionäre zu sein und Leute aus dem Norden der USA, die dem kalten Winter entfliehen wollen. Die Nähe zu Los Angeles, das gerade einmal zwei Stunden entfernt liegt, machte es schon in den 1920er-Jahren zum attraktiven Ferienort für die Stars aus L.A. Und in gewisser Weise eifert man in Palm Springs der Glamourwelt Hollywoods nach: In Downtown sind die Trottoirs auf dem Walk of Stars nämlich seit 1992 mit Namen berühmter Persönlichkeiten gesäumt, die in der Stadt gewohnt haben. Marlene Dietrich, Frank Sinatra und Marilyn Monroe haben neben vielen anderen ihren eigenen Stern in Palm Springs.

Eine lokale Berühmtheit hat es nicht auf den Asphalt geschafft: die Dattel. 95 Prozent der gesamten Dattelproduktion der USA kämen aus dem Coachella Valley, sagt Mike. Entsprechend ist es im Shields Date Garden ein Leichtes, Datteln in zahlreichen Verarbeitungsformen zu finden, ob getrocknet, geröstet oder als Backzusatz zum Pulver verarbeitet. Eine Spezialität sollte man probieren: den Dattel-Shake. Süss und erfrischend, liefert er einem die nötige Energie für weitere Entdeckungstouren durch die Wüste.

Die Reise wurde unterstützt von Edelweiss Air sowie den Tourismusbüros von San Diego, Greater Palm Springs und Las Vegas. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.11.2018, 17:30 Uhr

Artikel zum Thema

Von der Piste in die Therme

Als der Pizol noch Piz Sol hiess, gehörte er zu den Giganten im Schweizer Wintertourismus. Das Skigebiet von Bad Ragaz ist nach wie vor grossartig. Mehr...

Land des Unerwarteten

Der Kannibalismus ist Geschichte, trotzdem trauen sich nicht alle Kreuzfahrtpassagiere von Bord: Papua-Neuguinea funktioniert fern vom Gewohnten und ist ein Terrain für Abenteurer. Mehr...

Schweizer haben weniger Lust auf Trumpland

Die Zahl der USA-Reisen bricht ein. Experten glauben, dass der Rückgang an der Rhetorik von Donald Trump liegen könnte. Mehr...

Erst fliegen, dann fahren

Anreise: Direktflüge nach Palm Springs aus der Schweiz gibt es keine. Edelweiss fliegt ab Zürich nach San Diego (Mai bis Sept., Di und Fr) und Las Vegas (April bis Okt., Mo und Do); www.flyedelweiss.com. Von dort mit dem Auto in 2 bis 4 Stunden ins Coachella Valley.

Übernachten: Indian Wells Resort Hotel. www.indianwellsresort.com

Allgemeine Infos: www.visitgreaterpalmsprings.com

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst
Politblog So reden Verlierer

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...