Kaufen muss man Grönland nicht, aber besuchen unbedingt

Von wegen strategisch gute Lage: Die Insel im hohen Norden wartet zuallererst mit atemberaubenden Naturschönheiten auf.

Magische Stimmung: Das Fischerdorf Aappilattoq in Süd-Grönland. Foto: Getty Images

Magische Stimmung: Das Fischerdorf Aappilattoq in Süd-Grönland. Foto: Getty Images

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Die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump mit dem Gedanken spielt, Grönland zu kaufen, verbreitete sich Ende August wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt. Während Dänemark und Grönland Trumps Idee umgehend eine Absage erteilten, freute sich Julia Pars, die Chefin von Grönland Tourismus, über das erhöhte internationale Interesse. Sie gab bekannt, dass man die Aufmerksamkeit nutzen wolle, um mehr Touristen nach Grönland zu holen.

Donald Trump war wahrscheinlich primär an den Bodenschätzen und der strategisch guten Lage nördlich des Polarkreises interessiert, den wahren Reichtum Grönlands hatte der amerikanische Präsident wahrscheinlich nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. Es sind die unglaublichen Naturschönheiten, die der grössten Insel der Welt einen Spitzenplatz auf vielen Bucket Lists sichern.

Wir zeigen, warum Sie das «grüne Land» vielleicht nicht unbedingt kaufen, aber zumindest einmal besuchen sollten.

Das grosse Eis

Eis, so weit das Auge reicht und noch weiter. Foto: Getty Images

Weiss in grosser Weite: Fast 85 Prozent der Insel sind von Eis überzogen – eine Fläche grösser noch als Grossbritannien. Aber was für ein Eis! Es bedeckt Grönland schon seit 18 Millionen Jahren. Noch ist die Schicht bis zu drei Kilometer dick. Diese Eismassen machen etwa zehn Prozent des gesamten Süsswasserreservoirs der Erde aus. An einigen Stellen kann man sogar bis zu 100'000 Jahre altes Eis finden. Bevor der Schnee sich in Eis verwandelte, hat er Sauerstoff gespeichert, welcher jetzt beim Schmelzen wieder abgegeben wird. Er ist Jahrtausende alt und frei von von Menschen verursachten Verschmutzungen.

Die Rieseninsel

Mit seinen 2'175'600 Quadratkilometern ist Grönland mit Abstand die grösste Insel der Welt. Viel Platz für Abenteuer! Nur an seinen Rändern ist das Terrain eisfrei und grün. Deshalb nannte Erik der Rote, der Wikinger, der für die Besiedlung der Insel aus dem europäischen Raum sorgte, das Eiland «Grünes Land» – Greenland oder Grönland. Immer wieder gibt es Wissenschaftler, die behaupten, es würde eigentlich aus drei unterschiedlichen Inseln bestehen. Sie wären allerdings unter der dicken Eisschicht verborgen. Für diese These gibt es aber keine Beweise.

Ein gigantisches Fjordsystem

Wie ein Labyrinth und weit verzweigt: der Scoresby Sund. Mit einer Länge von insgesamt 350 Kilometern ist es das grösste Fjordsystem unseres Planeten. Es erstreckt sich über die gigantische Fläche von 38'000 Quadratkilometern. Die Landschaft wird bestimmt von Bergen, die teilweise steil in den Himmel ragen und oft 2000 Meter hoch sind. Eine ziemlich einsame Region: Nur knapp 600 Menschen leben hier.

Der Theaterhimmel

Film ab: Das Himmelszelt als riesige Leinwand. Foto: Pixabay

Ganz grosses Kino am Himmel: Wie Schleier, die sich im Wind bewegen, zieht das Nordlicht übers Firmament, changiert in seinen Farben von meist Grün und Gelb und inszeniert das Himmelszelt als grosse Leinwand. Hier oben gibt es eigentlich keine Region, über der sich die Aurora borealis nicht zeigt. Man sollte jederzeit mit dem magischen Polarlicht rechnen, nicht nur in den Wintermonaten. Beste Zeit: September bis April.

Die faszinierende Tierwelt

Ein Eisbär im kalten Polarmeer. Foto: Unsplash

Eisbär und Polarfuchs, Rentier und Schneehase, Moschusochse und der arktische Wolf – Grönland hat sie alle, und das gleich in freier Wildbahn. Sie leben vor allem im Norden und im Nordost-Grönland-Nationalpark, mit 972'000 Quadratkilometern der grösste der Welt. Das Inlandeis, das dem Menschen Grenzen setzt, bedeutet für sie kein Hindernis. Es gehört zu ihrem Lebensraum. Bei (geführten) Wanderungen ergibt sich die sonst sehr seltene Gelegenheit, diesen raren Tieren mit gebührendem Abstand zu begegnen.

Walbeobachtung

Wer den grössten Säugetieren der Welt ganz nah sein will, kommt im Sommer nach Grönland. Da lassen sich Buckel-, Finn- und Minkwale – zwischen Juli und September sogar regelmässig – beobachten. Im Frühjahr mit etwas Glück auch Narwale, Belugas und Grönlandwale. Gleich 17 verschiedene Arten sind in den Gewässern rund um die Insel zu Hause. Besonders interessant fürs Whalewatching sind der Süden und der Westen. Im Norden Grönlands trifft man auf die geheimnisvollsten Meeresbewohner.

Expeditionsreisen

Mit kleinen Schiffen lässt es sich bestens in unbekannte Gefilde vordringen. Foto: Unsplash

Eine der besten Möglichkeiten, die faszinierende Natur Grönlands zu entdecken, ist eine Reise mit einem Expeditionsschiff (zum Beispiel der Hurtigruten). Eine Art von kluger Kreuzfahrt auf kleineren, eisgängigen Schiffen, die in die weitverzweigten Fjorde vordringen und durchs Packeis navigieren können. Mit Zodiaks – wendigen Schlauchbooten – kommt man den kalbenden Gletschern, schwimmenden Eisbergen, Walen und Walrossen ganz nah. Kundige Guides führen ausgedehnte Wanderungen über grossartige Naturlandschaften und der Kontakt zu den Inuit-Grönländern wird leicht hergestellt. Interessante Vorträge über Fauna und Flora, Kultur und Geologie, Meeresbiologie oder Geschichte der Polarinsel bereichern die Reise. (Travelcontent)

Erstellt: 27.09.2019, 15:31 Uhr

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