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Luxus ahoi!

Das Kreuzfahrtschiff Europa 2 ist nach einer Schönheitskur wieder auf See. Für die Passagiere bleibt nur das Beste gut genug.

Nicht nur über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos: Kreuzfahrtschiff Europa 2. Foto: Michael Wolf
Nicht nur über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos: Kreuzfahrtschiff Europa 2. Foto: Michael Wolf

Dem Reporter unterläuft zum Start ein Fauxpas. Auf der Brücke der Europa 2 wird ihm die Ehre zuteil, das Kreuzfahrtschiff von der Elbphilharmonie zu verabschieden. Dreimal sechs Sekunden müsste der Zeigefinger der rechten Hand auf der Taste ruhen, welche die Schiffssirene aktiviert. Aber schon beim ersten Signal rutscht der Finger weg, nach kläglichen drei Sekunden versagt das Horn. Immerhin gelingen Versuche Nummer 2 und 3, und bald schnarrt aus dem Funkgerät in der Kommandozentrale der Kapitän der Hafenbarkasse St. Pauli: «Wir wünschen der Europa 2 eine gute Fahrt.» Bis das luxuriöseste Kreuzfahrtschiff der Welt fünf Tage später nach Hamburg zurückkehren wird, wiederholt sich das akustische ­Ritual von Gruss und Abschied noch unzählige Male – auf der Elbe, im Hafen von Oslo direkt unter der Festung Akershus, zwischen den Schären Göteborgs und besonders auf dem Nord-Ostsee-Kanal, wo fast jeder Schiffsoffizier einen Kumpel am Ufer bei Laune halten muss und entgegenkommende Frachter freudig tuten.

Das Herrenzimmer heisst neu Collins

Dass die nautische Crew der Europa 2 so freigiebig die Umgebung beschallt, ist Ausdruck der Erleichterung. Das Schiff und die gesamte Besatzung kommen von einem anstrengenden zweiwöchigen Werftaufenthalt. Im Hamburger Hafen arbeiteten 550 Fachkräfte von 50 Firmen einen 5000-Punkte-Plan ab und unterzogen das Kreuzfahrtschiff einer gründlichen Schönheitskur. Die Truppe im Blaumann wurde an Bord verköstigt – und die Männer hatten mächtig Kohldampf, wie Alain Spira berichtet. Der 22-jährige Koch aus dem Freiamt und seine 55 Küchenkollegen hatten alle Hände voll zu tun, um die Handwerker satt zu kriegen. Die Europa 2 lief zwar erst 2013 vom Stapel und besuchte vor zwei Jahren schon einmal routinemässig die Werft, trotzdem bestand Hapag-Lloyd Cruises auf eine ­Generalüberholung. «Wir sind es unserer Kundschaft schuldig, nur das Beste zu bieten», sagt Reedereichef Karl J. Pojer. «Kein noch so geringer Flecken darf die Teppiche verunzieren.» Gesagt, getan: In der Werft wurden 4000 Quadratmeter Teppich verlegt und 5000 Liter Farbe verpinselt. Während in den Suiten, wie die sehr geräumigen Kabinen auf dem Luxusschiff heissen, wenig geschah und auch das Layout der sechs Restaurants unangetastet blieb, wurde im Interesse der Damen das Herrenzimmer politisch korrekt in Collins umbenannt und von der schweren maskulinen Note befreit. Die auf drei Seiten verglaste Belvedere-Lounge am Bug ist neu ein geschickt unterteiltes Wohnzimmer mit Kaffeebar, Kuchenbuffet und Bibliothek. Dienstbare Geister reichen hier «Darjeeling-Tee, im Sommer oder im Frühling gepflückt». Der Passagier bezahlt auf der Europa 2 im Schnitt 600 Euro pro Tag und erwartet dafür bis ins Detail ausgefeilten Luxus. Deshalb wohl sind die Saunen in der umgestalteten Wellnesszone mit Einzel­sitzen ausgerüstet, auf dass man sich schwitzend nicht mehr in die Quere kommt.

Rindsfilet zum Frühstück

Das Vorzeigeschiff der auf ­Luxus und Expeditionen fokussierten Hapag-Lloyd begünstigt einen unkonventionellen Stil der Kreuzfahrt – ohne Dresscode und Schichtbetrieb beim Abendessen. Schon zum Zmorge delektiert sich der verwöhnte Passagier an Gänseleberterrine mit Orangenkonfit oder Rumpsteak mit Schmorzwiebeln. Im Weltmeere zieren etwa «Sepia-Nudeln mit sonnengetrockneten Tomaten und gebackener Königskrabbenschere» sowie «Tranchen vom zartgereiften piemontesischen Rinderfilet auf ­Ragout vom Ochsenschwanz» die Abendkarte. Der Seetag vor der Rückkehr nach Hamburg ist Kaviartag, und im italienischen Spezialitätenrestaurant hobelt die Kellnerin ungerührt Trüffel über die Pasta.

Keine Schlachten an ausgeweideten Buffets

Alles Essen ist im Preis inbegriffen, enervierende Schlachten an ausgeweideten Buffets entfallen auf der Europa 2. Aber man fragt sich zuweilen, wo diese Menschen, die zu Hause ja auch nicht darben, den ganzen Stoff hinpacken: Sie greifen munter zu am nachmittäglichen Kuchenbuffet oder beim Waffelbäcker auf dem Pooldeck und lassen nicht mal die Currywurst aus, die zur Geisterstunde in der Sansibar lockt. Mit 500 Passagieren und 380 Crewmitgliedern auf 10 Decks bleibt die Europa 2 übersichtlich und ­bewahrt trotz rarer maritimer Dekoration den Schiffscharakter. Im Bordkino läuft ein Film, der neben vier Berufskollegen Europa-2-Kommandant Ulf Wolter porträtiert. Als der Kapitän auf der Leinwand gerade bei seiner Mutter zum Kaffeeplausch eintrifft, meldet er sich leibhaftig über Bordlautsprecher: «Steuerbord in 16 Seemeilen Entfernung liegt die Küste von Jütland. Es herrscht eine frische Brise aus Ost-Südost. Geniessen Sie die Freiheit der Meere.»

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Die Reise wurde unterstützt von Hapag-Lloyd Cruises. Die Europa 2 ist derzeit unterwegs auf dem Atlantik, dann an der Ostküste Nordamerikas, in der Karibik und rund um Südamerika. Infos und Buchung Zum Beispiel bei Kuoni, TUI Suisse oder MCCM, www.hl-cruises.de

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