Malbec, Mate und Mumien

Alles andere als Pampa: Am Fuss der Anden brilliert Argentinien mit landschaftlicher und kultureller Vielfalt. Ein Besuch im Weinmekka Mendoza und in der Kolonialstadt Salta.

Traumziel zwischen Wein und Bergen: Die Landschaft um Mendoza. Foto: Getty Images

Traumziel zwischen Wein und Bergen: Die Landschaft um Mendoza. Foto: Getty Images

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Es ist eng im Stadtzentrum von Mendoza. Und laut. Ein Sicherheitsbeamter bläst vor dem Luxushotel im Kolonialstil in seine Trillerpfeife und fordert die Automobilisten auf, rasch weiterzufahren, weil sonst Rückstau droht.

Handwerker bauen ein Podium auf, Arbeiter befestigen Plakate, auf denen junge Frauen strahlen. Es ist nicht etwa ein politischer Wahlkampf, nein, in ­wenigen Tagen wird die «Weinkönigin» gekürt. 18 Kandidatinnen – aus jedem Bezirk eine – haben sich in den Ausscheidungen durchgesetzt. «Die meisten Mädchen der Region träumen davon, diesen Titel einmal zu gewinnen», sagt Reiseleiter Nicolas. Die Wahl ist der Höhepunkt der «Fiesta Nacional de la Vendimia», sie findet immer Anfang März im grössten Amphitheater des Landes statt. Es fasst 20'000 Personen.

Dem Wein huldigen in dieser Landesgegend fast alle: 70 Prozent der Produktion des Landes werden im Grossraum hergestellt, mit 320 Sonnentagen pro Jahr ist das Klima ausgesucht günstig. Rund 1200 Weinberge bestellen die Winzer hier, der grösste Teil der Produktion entfällt auf den Malbec.

Degustieren auf argentinisch

Touristen besichtigen die verschiedenen Rebberge vorzugsweise auf einer Velotour. Auf das Auto zu verzichten, ist empfehlenswert: Degustieren wird in Argentinien anders verstanden als bei uns – die Gläser werden grosszügig gefüllt. Immer wieder. Dazu reichen die Veranstalter Fleisch in allen Variationen, es ist der zweite Grundbestandteil der argentinischen Kulinarik. Weder beim Wein noch beim Fleisch fehlt es an Quantität oder Qualität. Bei einem Asado wird pro erwachsene Person ein Kilo Fleisch veranschlagt.

Wer es ganz privat mag, der bucht seine eigene Weintour, Voranmeldung ist erwünscht. Zum Beispiel bei den «Viñas Don Martin», dem Weingut, das der Schweizer Martin Altorfer 2004 gegründet hat. Der Deutsche Andreas Vollmer, seit 2013 Leiter des Unternehmens, holt uns auf der Landstrasse ab und lotst uns die letzten Meter auf dem staubigen Feldweg. Mitten in den Rebbergen ist ein ­improvisiertes Quartier errichtet, samt Lounge und einem Hochsitz. Wir degustieren Malbec, Cabernet Sauvignon, ­Petit Verdot sowie Cabernet franc. Und natürlich auch jenen Tropfen, der jüngst von «Falstaff» zur «Nummer 1 in Lateinamerika in der Kategorie Preis-Leistung» gekürt wurde. «Schweizer Präzision trifft auf argentinische Leidenschaft» lautet das Motto der «Viñas Don Martin». Kein Wunder, vergehen die Stunden wie im Flug; das anschliessende Dinner streichen wir ersatzlos.

Einen Teil der Kalorien können wir auf einer Runde im hauseigenen Fitnessparcours des Entre Cielos abtrainieren. 16 grosszügige Unterkünfte umfasst das luxuriöse Resort, das zu den «Small Leading Hotels of the World» gehört, vom klassischen Doppelzimmer bis zur Luxussuite. Weinliebhaber oder verliebte Paare können den «Limited Edition Vineyard Loft» buchen, ein Zimmer direkt über dem Weinberg, auf Stelzen errichtet, mit der besten Sicht auf Anden, hauseigene Malbec-Reben und den Nacht­himmel.

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Als Mitbesitzerin ist Cécile Adam mitverantwortlich für den Mix aus Wein, Architektur und Design – die Bernerin suchte einst mit Freunden eine zweite Heimat. Die Bordeaux-Region und eben Argentinien standen zur Auswahl: «Hier haben wir unser Paradies gefunden.»

Viele der ehemals mit Adam Ausgewanderten sind wieder in Europa – das argentinische Schulsystem «war noch nicht so richtig entwickelt». Zu dritt sind sie geblieben, gemeinsam führen sie das Bijou. Bei einem Drink am Pool lassen sich die Spitzen der fernen, schneebedeckten Anden fast greifen, und mit dem Teleskop können in klaren Nächten die Sternenbilder genau beobachtet werden.

In Salta, der auf 1200 Metern gele­genen Hauptstadt der gleichnamigen ­Provinz im Nordwesten, geniessen wir dagegen einen Mate-Tee, das zweite Nationalgetränk. Wer Musse hat, kann das achtgrösste Land der Erde im Bus durchstreifen, der eineinhalbstündige Flug eignet sich, wenn es schnell gehen soll.

Die Baukunst der spanischen Kolo­nialherren, die die Stadt 1582 gegründet haben, ist speziell um die Plaza 9 de Julio unverkennbar. Besuchen sollte man dabei die prächtige Kathedrale und das Museo de Alta Montaña. Vor allem wegen der sehr gut erhaltenen Mumien der drei Inkakinder vom Mount Llullaillaco. Die «Momias de Llullaillaco» waren eine Opfergabe und wurden, nachdem sie mit Maisschnaps betäubt worden waren, lebendig in drei Erdlöchern begraben. Gefunden wurden sie 1999 bei Ausgrabungen. «Ihr Schicksal bewegt die Menschen heute noch weitherum», erklärte eine Museumsführerin.

Essen und musizieren

Die Studentenstadt Salta vibriert rund um die Uhr. In der «Casona los Molinos», einer alten Villa, geniessen wir hervorragende Asado und Empanadas sowie Gratiskonzerte. Auch unter der Woche bringen hier um 2 Uhr morgens gleichzeitig drei Bands die Leute in Stimmung. Um 23 Uhr war das Lokal fast leer gewesen. «Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin in ein paar Stunden an meinem Arbeitsplatz», sagt Jorge und lacht. «Wir Argentinier haben einen anderen Rhythmus. Ich komme fast jede Woche hierher, es ist wie ein intimes Open Air.»

Für vieles hat der Kurztrip nicht gereicht: Für eine Fahrt mit dem «tren a las nubes» beispielsweise, einem heute nur noch touristischen Zug, der bis auf mehr als 4000 Meter über Meer führt. Aber das Motto von Salta heisst: «Tan linda que enamora.» Ich habe mich verliebt, ich werde wiederkommen.

Die Reise wurde unterstützt von Edelweiss Air und der argentinischen Tourismus­behörde Instituto Nacional de Promoción Turística Inprotur. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2018, 18:53 Uhr

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Tipps und Infos

Wohnen wie die Gauchos

Anreise: Ab 7. November fliegt Edelweiss (Airbus A340-300) mittwochs und sonntags nonstop von Zürich nach Buenos Aires. Preis Economy ab 946 Fr., Aufpreis für Economy Max empfehlenswert. Weiterflug nach Men- ­ doza und Salta mit Aerolineas Argentinas.

Unterkunft: In Mendoza das Park Hyatt im Kolonialstil (mendoza.park.hyatt.com) und Entre Cielos (entrecielos.com), ein luxuriöses Boutiquehotel unter Schweizer Führung. In Salta das noble Alejandro 1 (alejandro1hotel.com.ar), das Solar de la Plaza im Kolonialstil (solardelaplaza.com.ar) und mit Gaucho-Flair die Finca Santa Anita (santaanita.com.ar).

Allgemeine Infos: www.argentina.travel

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