Reisen wie Greta Thunberg

Das Angebot an nachhaltigen Ferienformeln ist breit – und nur ein paar Klicks entfernt.

Anstelle von Kurztrips lohnen sich längere, gut vorbereitete Reisen – etwa in den ­Regenwald. Foto: Getty Images

Anstelle von Kurztrips lohnen sich längere, gut vorbereitete Reisen – etwa in den ­Regenwald. Foto: Getty Images

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Die Bilder der 16-jährigen Greta Thunberg mit Rucksack und Schild «Schulstreik für das Klima» gingen um die Welt. Die Aktivistin fuhr konsequenterweise mit der Bahn zum WEF. 24 Stunden und 8 Minuten mit viermaligem Umsteigen errechnen die SBB auf der ­Internetseite als schnellste Verbindung von Stockholm nach Davos-Platz.

Fliegen ist schneller als Bahn- oder Busfahren, für den Touristen oft billiger. Das Ticket lässt sich mit ein paar Klicks leicht buchen. ­Klima, Umwelt, Lärm. Wen interessierts? Zum Glück doch nicht so wenige. Und zwar jene Menschen, die auch in den Ferien möglichst wenig Schaden anrichten möchten. Allmählich kommt die Branche auf den Geschmack: Immer mehr Reiseveranstalter, Hotels, Destinationen und Transportun­ternehmen werben mit der Nachhaltigkeit ihrer Angebote.

In Deutschland haben sich zum Beispiel 140 Reiseveranstalter zum «Forum Anders reisen» zusammengeschlossen. In einem Kriterienkatalog verpflichten sie sich, mit den angebotenen Reisen die Umwelt und das Leben der Einheimischen in den Zielgebieten möglichst wenig zu belasten. Die Gäste wohnen in kleinen Hotels und Pensionen im Besitz von Einheimischen. Diese sollen möglichst umweltschonend wirtschaften, indem sie zum Beispiel wenig Energie und Wasser verbrauchen sowie in der Umgebung erzeugte, frische Lebensmittel servieren. Die Gäste bekommen Einblick in den Alltag des Reiselands; das Geld, das sie ausgeben, bleibt vor Ort. Auf den von lokalen Übersetzern begleiteten Velotouren oder Wanderungen kommen die Reisenden überall mit den Anwohnern ins Gespräch. «Wir lassen uns Zeit, zum Beispiel für Laos und Kambodscha mindestens 24 Tage», verspricht etwa Forum-Mitglied Auf und Davon Reisen.

Kurzstreckenflüge über weniger als 700 Kilometer Entfernung sind wegen der Folgen fürs Klima ausgeschlossen. Die Touristen sollen länger am Ziel bleiben und Schiff, Bus oder Zug benützen.

Umweltverträglicher Tourismus kann spannend sein

André Lüthi, CEO der Globetrotter-Gruppe in Bern, sieht die Reise­veranstalter ebenso in der Verantwortung wie die Fluggesellschaften und die Reisenden selbst. Er empfiehlt als Alternative zu den vielen Kurztrips eine lange Reise, auf die man sich gründlich vorbereitet, lange freut und in Ruhe einstimmt: «Dann kannst du dich wirklich auf das Land und die Menschen einlassen und hast mehr davon.» Dazu brauche es allerdings auch «flexible Arbeitgeber, die ihren Angestellten so lange Ferien am Stück gewähren».

Eine Bereicherung: Kulturcamp in Kanada. Foto: Getty Images

Vor der Buchung empfiehlt Lü­thi einen kritischen Blick auf die vielen Labels und Marketingsprüche, mit denen Veranstalter für ­angeblich nachhaltige, klima- und umweltfreundliche Reisen werben. Viele versprächen mehr, als sie hielten. Von Europa aus könne man nicht immer kontrollieren, ob zum Beispiel die Partner vor Ort die ­Angestellten fair bezahlen und gut behandeln.

Umweltverträglicher Tourismus kann spannend sein: Geboten werden etwa Walbeobachtungen im Atlantik, Velotouren durch Kirgistan, die Reise mit einem einheimischen Künstler durch New York, Reiterwanderungen durch die mongolische Steppe, Kulturcamps mit kanadischen Indianern oder Entdeckungsreisen im Regenwald in Costa Rica.

Erstellt: 14.05.2019, 10:59 Uhr

Umweltverträglicher Tourismus

VCS (Verkehrs-Club der Schweiz): Links zu umwelt- und sozial­verträglichen Reiseangeboten; www.verkehrsclub.ch

Die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST) unterstützt Organisationen und Projekte, die eine nachhaltige ­Tourismusentwicklung verfolgen; www.sstfoundation.org/de/

In Deutschland verleiht der Studienkreis für Tourismus und ­Entwicklung in Zusammenarbeit mit der SST jedes Jahr Preise für besonders umwelt- und sozial­verträgliche Reiseangebote; www.studienkreis.org

Die Naturfreunde Schweiz (NFS) betreiben landesweit umweltfreundlich gestaltete Ferienun­terkünfte; www.naturfreunde.ch. Naturfreunde International mit Infos zu Klimagerechtigkeit, ­sozial­verträglichem Tourismus; www.nf-int.org

Zu den Perlen der Alpen (Alpine Pearls) haben sich 23 Touris­musorte zusammengeschlossen. In der Schweiz sind unter anderem Interlaken und Arosa dabei; www.alpine-pearls.com

Einige Buchungsportale vermitteln online Hotels und Ferienwoh­nungen, auch in der Schweiz, die auf Nachhaltigkeit achten, z. B. ­bookitgreen.com; goodtravel.de

Reiseveranstalter, die Klima und Natur schonen wollen, haben sich zum Forum Anders reisen zusammengeschlossen; www.forumandersreisen.de; aus der Schweiz: www.insight-reisen.com

Auf Viabono bieten Hotels und Tourismusorte ihre auf Umweltverträglichkeit geprüften Leistungen an; www.viabono.de

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