Ronaldo und die Magie der Insel

Unmöglich, Madeira auf den Superfussballer zu reduzieren. Seine Heimat punktet mit jeder Menge ­Besonderheiten – in der Natur, im Glas und auf dem Teller.

Ostküste von Madeira: Die «Insel des ewigen Frühlings» hat ihre Vorzüge. Foto: iStockphoto

Ostküste von Madeira: Die «Insel des ewigen Frühlings» hat ihre Vorzüge. Foto: iStockphoto

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An Cristiano Ronaldo führt kaum ein Weg vorbei. Der reich dekorierte Fussballer aus Portugal ist der mit Abstand berühmteste Sohn Madeiras, und der Stolz auf ihn darf ruhig sichtbar sein.

Der Flughafen wurde 2017 nach ihm benannt, eine Büste des Juve-Stars begrüsst die Ankömmlinge. Am Hafen der Hauptstadt Funchal ragt eine Statue von Ronaldo in die Höhe – neben dem Eingang ins Museum, in dem seine Trophäen ausgestellt sind. Und im gleichen Gebäude lässt sich in einem Hotel nächtigen, das «CR7» im Namen trägt. Das ist mehr als eine simple Abkürzung mit den Initialen des Stars und dessen Rückennummer. Es ist eine weltbekannte Marke. Handys werden gezückt, Selfies geknipst. Wann ist man Ronaldo schon einmal so nahe?

Der Fussballer ist der ganze Stolz der Insel: Die Büste Ronaldos am Flughafen. Foto: Anadolu Agency (Getty Images)

Der portugiesische Überfussballer polarisiert zwar. Er hat nicht nur Fans, die ihn vergöttern, sondern auch Kritiker, die ihm Selbstverliebtheit und Arroganz vorhalten. Aber auf diesem Flecken Erde mitten im Atlantischen Ozean, 900 Kilometer von Portugals Festland und 700 Kilometer vom afrikanischen Kontinent entfernt, braucht Ronaldo keine Anfeindungen zu fürchten, keinen Neid wegen seines Reichtums. Auch wenn auf Madeira viele Menschen mit weniger als 1000 Euro pro Monat auskommen müssen. «Er ist für uns eine Ikone», sagt der Reiseleiter Gonçalo Vieira, «und er ist für uns ein perfekter Botschafter auf der ganzen Welt. Dank Ronaldo kennt man Madeira überall.»

Verborgene Naturschätze

Insulaner wie der 38-jährige Vieira leben davon, dass möglichst viele Touristen einfliegen. Er zeigt ihnen auf leichten Wanderungen die natürlichen Schönheiten einer nur 801 Quadratkilometer grossen Vulkaninsel, der man Unrecht täte, sie nur als Wiege eines ruhmreichen Fussballers zu bezeichnen. Madeira hat Ausstrahlung, bietet Abwechslung.

Vieira lotst die Gruppe durch einen Lorbeerwald, der seit 1999 zum Weltnaturerbe der Unesco gehört. Der Weg geht eine Levada entlang, eine dieser künstlichen Kanäle, die Quellwasser aus dem niederschlagsreichen Norden in die eher trockenen Gebiete im Süden transportieren. Das ausgeklügelte Bewässerungssystem ist für die Landwirtschaft unentbehrlich. Und es dient jenen, die auf eigene Faust losziehen, als ideale Orientierung.

Wanderparadies: Madeira wird auch «Perle im Atlantik» genannt. Foto: Getty Images

Aber nicht nur Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten, sondern auch Blumenliebhaber. Die Farbenpracht der Pflanzen gehört zu den prägenden Merkmalen des portugiesischen Aussenpostens und hat ihm manch hübsche Beschreibung eingetragen: «Blumeninsel», «Perle im Atlantik», «Insel des ewigen Frühlings» und «Schwimmender Garten».

Abgerundet wird das schöne Bild vom milden Klima, das keine extremen Temperaturen kennt. Im Sommer steigen sie kaum einmal über 28 Grad Celsius, in den Wintermonaten herrschen im Durchschnitt 19. Der frühere britische Premierminister Winston Churchill liess sich einst von den Vorzügen inspirieren, als er ein Bild der Bucht von Câmara de Lobos malte.

Stadt der Gegensätze: Die Hälfte der 270'000 Einwohner leben in Funchal. Foto: Getty Images

Gonçalo Vieira ist keiner, der seinen Job als Reiseleiter einfach mit Routine erledigt. Seine Liebe zur Heimat ist spürbar. Sie ist voller Facetten und Gegensätze: da verschlafene, romantische Nester, dort eine lebhafte, trendige Stadt wie Funchal mit vielen Restaurants und Museen, in der nahezu die Hälfte der 270'000 Einwohner lebt; da die Möglichkeit, anspruchsvolle Ausflüge zu Fuss oder mit dem Bike in die Berge zu unternehmen, dort das Meer, das dank spektakulär hoher Wellen Surfbegeisterte aus aller Welt anzieht.

Vieira: «Wenn ich im Fernsehen all das Schlechte mitbekomme, das auf der Welt passiert, denke ich oft: Ich habe hier ein gutes Leben und bin glücklich. Das Geld ist zwar manchmal knapp. Aber wir sind an einem sehr schönen und sicheren Ort zu Hause.»

Portugiesische Kulinarik

Viele Portugiesen, die in Madeira zur Welt kommen, ziehen einmal aufs Festland. Aber sie kehren auch wieder zurück wie Lucia Castro, die wie Gonçalo Vieira im Tourismus tätig ist. Als die heute 55-Jährige Mitte der 80er-Jahre keine Arbeit fand, wanderte sie in die Schweiz aus. Jahrelang war sie am Kantonsspital Aarau als Pflegerin angestellt, aber seit 2008 lebt sie wieder in Funchal.

Sie fährt los mit ihrem Geländewagen. Geschickt steuert Lucia das wuchtige Gefährt die engen und vor allem steilen Strassen hoch durch eine Gegend, in der die Häuser in die Hänge gebaut und nicht mit dem Auto erreichbar sind. Unterwegs stoppt sie an einem Lokal, in dem sich die Einheimischen zu einem Schwatz treffen. Oder zu einem Glas Poncha. Wenn Madeira mit einem Getränk in Verbindung gebracht wird, dann eben mit Poncha, einem Mix aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronen- und Orangensaft.

Die «Insel auf der Insel»: Mit der Seilbahn geht es runter an die Küste. Foto: Getty Images

Schliesslich lädt Lucia die Besucher an einer Stelle ab, von der sich ein fantastischer Blick auf den Atlantik bietet – und eine Seilbahn 300 Meter in die Tiefe führt. Vier Minuten sind es bis hinunter an einen Küstenabschnitt, der Fajã dos Padres heisst und als «Insel auf der Insel» angekündigt wird. Wer sich an dieser Ecke Madeiras am Fuss der mächtigen Felswand zurückzieht, braucht keinen Autolärm zu fürchten. Es ist so gut wie unmöglich, auf dem Landweg nach Fajã dos Padres zu gelangen.

Überaus lohnenswert ist ein Abstecher ins Restaurant, das idyllisch am Wasser liegt und lokale Köstlichkeiten im Angebot führt. Rindfleischspiesse, Fischvariationen, das traditionelle Brot namens Bolo do caco, frische Früchte vom eigenen Anwesen zum Dessert. Wer nach Madeira reist, braucht sich um die Verköstigung nicht zu sorgen. Der Genuss von Spezialitäten und eine Entdeckungstour durch Funchal lassen sich ideal kombinieren.

Grosse Vielfalt: In Funchal kann man sich mit frischen Früchten und Spezialitäten eindecken. Foto: Getty Images

Sofia Maul schreitet voran, sie ist kein Guide, der wie auf Knopfdruck das Pflichtprogramm abspult, sondern Storytellerin. Mit geschichtlichen Episoden über die Insel und aus dem Alltag macht sie den Spaziergang durch die malerischen Gassen zu einem kurzweiligen Ereignis. Und sie nimmt den Gast mit auf eine kulinarische Reise: In neun verschiedenen Lokalen werden Spezialitäten serviert (von Fisch über Fleisch bis Schokolade und Käsekuchen), es gibt aber auch ausreichend Flüssiges: Bier von der Insel, Poncha, Madeira-Wein, Brisa (süsses Passionsfruchtgetränk) oder Fencheltee.

Sofia Maul erzählt mit Hingabe Episoden, sie ist – wie Gonçalo Vieira und Lucia Castro – stolz auf Madeira. Ebenso auf Menschen, für die Gastfreundschaft und Herzlichkeit keine Fremdwörter sind. Im Ohr bleibt ein Satz von Lucia Castro, und am Ende des Aufenthalts glaubt man zu verstehen, was sie meinte: «Madeira hat etwas Magisches.»

Farbenpracht: Die bunte Flora gehört zu den prägenden Merkmalen des portugiesischen Aussenpostens. Foto: Getty Images


Die Reise wurde unterstützt von DER Touristik Suisse

Erstellt: 15.01.2020, 17:36 Uhr

Ronaldo-Statue am Hafen von Funchal.

Ab auf die «Blumeninsel»

Flüge: Tägliche Verbindungen mit TAP von Zürich über Lissabon nach Funchal. Edelweiss fliegt zweimal pro Woche von Zürich nach Funchal. Ab Basel mit Easyjet
Hotels: Belmond Reids Palace: *****, Luxuspalast mit beeindruckender Tradition; www.reidspalace.grandluxuryhotels.com; Vidamar Resorts Madeira*****, Infinity Pools, in der Nähe des Stadtzentrums von Funchal; www.vidamarresorts.com
Reiseveranstalter: Kuoni, Tel.058 702 72 72, www.kuoni.ch; Arrangement: ab 1115 Fr. pro Person im DZ inkl. Halbpension
Beste Reisezeit: Ganzjährig frühlingshafte Temperaturen, April bis September ist es am wärmsten und sonnigsten
Allg. Infos: www.visitmadeira.pt

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