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Sehnsucht nach dem Liebesduft

Ein reicher Zuckerbaron aus Kuba hat die Villa im spanischen Málaga erbaut. Eine Rückkehrerin aus der Schweiz bringt «Jardín de Azahar» wieder zur Blüte – als stilvolles Gästehaus.

Gästehaus: Der Garten der Orangenblüte mit obligatorischer Palme. Foto: Jesús Granada
Gästehaus: Der Garten der Orangenblüte mit obligatorischer Palme. Foto: Jesús Granada

Es war der Duft der Orangen­blüten, der sie zurückholte. Zwanzig Jahre hatte Inmaculada Cuevas Chacón in der Schweiz gelebt, doch nie, sagt sie, habe sie diesen Geruch vergessen. Jenen süsslichen Liebesduft der sich öffnenden Flor de Azahar, wie das Gewächs auf Spanisch heisst. Die Sehnsucht war ein Grund für die Heimkehr. «Amerikanische Direktiven», wie sie es nennt, also ein Umgangston am Schweizer Arbeitsplatz, der härter und kälter wurde, taten ein Übriges. Inmaculada verliess Zürich und ihre Stelle bei einer Versicherung und kehrte heim nach Südspanien. Ihr Mann Nils Haueter, studierter Historiker, arbeitet weiter in Zürich und fliegt oft nach Málaga.

Was gibt es Geeigneteres, um eine Rückkehr zu zelebrieren, als in einen Rückkehrerpalast einzuziehen und dort ein Gästehaus zu eröffnen? Jardín de Azahar, Garten der Orangenblüte, heisst das Gästehaus in Málaga. Casas de los Indianos nennt man solche Paläste von Heimkehrern in Spanien. Es gibt sie an allen Küsten, dort, wo es besonders schön ist: in Asturien, an der Costa Brava und in Andalusien. Als Indianos bezeichnete man in Spanien einst ein wenig spöttisch die Zuckerbarone, die im 19. Jahrhundert reich zurückkehrten aus der damaligen Kolonie Kuba, die zu den west­indischen Inseln gehört. Die Architektur ihrer Häuser vereint traditionelle katalanische, maurische oder baskische Elemente mit der Leichtigkeit der spanischen Kolonialarchitektur. Und zwingend gehört zum Indiano-Haus die Palme davor, die dokumentierte, dass man aus der Neuen Welt kam.

Inmaculada Cuevas Chacón hat ein solches Haus gekauft, in Málaga. Eine komplette Ruine sei das gewesen, berichtet sie, doch sie und ihr Mann haben das Haus in mühevoller Kleinarbeit in ein Schmuckstück verwandelt, das die Indiano-Architektur feiert. Es heisst, wie kann es anders sein: Jardín de Azahar, Garten der Orangenblüte, und betont die Tatsache, dass überall in den Strassen rundum fette Zierorangen wachsen.

Die fünf Zimmer und zwei Bungalows im wunderschönen Garten sind in geschmackvoller mediterraner Schlichtheit gestaltet, für den Winter wurde sogar eine Heizung eingebaut. Bei der Einrichtung griff Inma, wie sie genannt wird, zum Teil auf antike dänische Stilmöbel zurück, die sie mitunter an der Costa del Sol auf Flohmärkten entdeckt und deren ästhetischen Wert die früheren Besitzer offenbar nicht recht erkannten. Das ergibt eine anregende Nord-Süd-Mischung, die ein bisschen auch die Dualität im Herzen der 50-jährigen Besitzerin widerspiegelt, die zwanzig Jahre lang in Mitteleuropa gelebt hat. Manchmal nur wird Inma deshalb fast wehmütig. In der Schweiz, sagt sie, genügte ein Anruf bei den Behörden, und man war im Bilde. In Spanien war der Umbau des Hauses phasenweise eine endlose Rennerei – vor allem bei einem derart ambitionierten Projekt.

Im Stadtteil Pedregalejo, wo Jardín de Azahar liegt, ist ein Randviertel, aber ein ganz besonderes: Früher lebten hier und im benachbarten El Palo viele Gitanos, Zigeuner, in einfachen, oft illegalen Strandhäusern neben den verfallenden Villen. Inzwischen ist es eine gesuchte Adresse, weil das Meer so nah ist. Vom Jardín de Azahar geht man nur ein paar Schritte über die leider etwas laute Strasse, an den ein- und zweistöckigen Häuschen vorbei, und tritt an die Uferpromenade mit Strand. Dort gibt es Bars und Cafés fürs Frühstück, von denen aus man die Silhouette der Stadt bewundern kann, die einfahrenden Schiffe, den Hafen, und natürlich steht alles voller Palmen.

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Unterkunft DZ ab 60 Euro (Mindestaufenthalt drei Nächte), www.jardindeazahar.com

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