Sternstunden der Natur

In Alaska, Kolumbien oder Chile versetzen bizarre Phänomene Touristen in Staunen. Sechs Vorschläge für eine Reise im neuen Jahr.

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Wandernde Felsen, Geysirfontänen, die bei Sonnenaufgang versiegen, riesige Wasserstrudel oder in allen Regenbogenfarben schillernde Bäume – die Natur läuft zu grosser Form auf und überrascht oftmals auch Wissenschaftler. Wer für 2019 an Destinationen abseits des Mainstreams denkt und sich wieder einmal wundern möchte, ist bei diesen phänomenalen Reisezielen am richtigen Ort.

Kalifornien: Tal der wandernden Felsen

Wie von Geisterhand geführt, wandern Felsbrocken auf der fast vollkommen ebenen Racetrack Playa und ziehen bis zu einem Kilometer lange Schleifspuren hinter sich her. Wie geschieht das? Auf 1100 Meter über Meer im abgelegenen Nordwesten des Death-Valley-Nationalparks in Kalifornien fühlten sich Wissenschaftler jahrzehntelang herausgefordert, eine stichhaltige Erklärung für das Phänomen zu liefern. Gar nicht so einfach, hat doch niemand die bis zu 350 Kilo schweren Steinbrocken je in Bewegung gesehen. Festinstallierte Kameras aufzustellen, ist im Nationalpark verboten.

Dank GPS und Zeitrafferaufnahmen wurde die Nuss geknackt: Bei speziellen Wetterverhältnissen legt sich eine dünne Eisschicht auf die fast ganzjährig ausgetrocknete Seefläche. Wind schiebt die Brocken darüber – mit Geschwindigkeiten bis zu 5 Meter pro Minute. Die naturwissenschaftliche Erklärung nimmt dem Ort nichts von seinem Zauber. Hinzukommen ist nicht ganz einfach, es braucht ein geländetaugliches Gefährt mit Vierradantrieb. Die Racetrack Playa ist vom erschlossenen Teil des Nationalparks nur über eine 40 Kilometer lange Schotterstrasse erreichbar.

www.visitcalifornia.com, www.travelhouse.ch

Kolumbien: Flüssiger Regenbogen

Augenblicke, die herausreissen aus Sehgewohnheiten und Erwartungen, sind immer auch Momente des Innehaltens und der Reflexion. Am Ufer des Caño Cristales im Nationalpark Serranía de la Macarena in Kolumbien kann man zwischen Juli und November eine Sternstunde der Natur erleben. Der Fluss erblüht in den schönsten Farben. Hier die botanische Erklärung: Die Macarenia clavigera, die «Wassernymphe», verwandelt zu der Zeit den Flussgrund in ein Meer aus Rot, Violett, Pink, Gelb, Grün und Blau. Weil das Wasser sehr klar ist und der Regenbogenfluss arm an Nähr- und Schwebstoffen, explodieren die Farben.

Lange Zeit konnte man den «schönsten Fluss der Welt» nicht besuchen – er liegt in einem Gebiet, das von den Farc-Rebellen kontrolliert wurde, etwa 170 Kilometer von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá entfernt. Nach dem kolumbianischen Friedensschluss spricht nichts mehr gegen die Reise zum Naturphänomen.

www.colombia.travel/de, www.knecht-reisen.ch

Chile: Geysirballett vor Sonnenaufgang

Staunen und still werden kann man auch in Chile. In der höchstgelegenen Wüste der Welt, im Geysirfeld El Tatio im Norden Chiles sprühen vor Sonnenaufgang Geysire. In diffusem Licht schiessen 40 Geysire, 60 heisse Quellen und mehr als 70 Fumarolen Wasser- und Dampfsäulen bis zu 20 Meter in die Höhe. Erreicht die Sonne die Andengipfel, fallen die Wassersäulen in sich zusammen. Die Luft in der Atacama-Wüste hat sich blitzschnell von minus 20 auf plus 20 Grad Celsius erwärmt, was das Phänomen physikalisch erklärt. Das bei eisigen Temperaturen hochzischende Wasser und der Dampf werden bis zu 85 Grad heiss. Empfehlenswert, Abstand zu halten.

Wer dem Nass auf dem grössten Geysirfeld Lateinamerikas ungefährdet näherkommen möchte, kann das in einem Naturpool mit angenehm temperiertem Thermalwasser tun.

www.chile.travel, www.dorado-latintours.ch

Norwegen: Sagenhafte Wasserwirbel

Riesige Wasserstrudel bilden sich auf dem Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Neptuns Mächte, Bilder der Mythen drängen sich auf. In der Nähe von Bodø in Norwegen strömen fast 400 Millionen Kubikmeter Meerwasser durch einen zweieinhalb Kilometer langen und nur 150 Meter breiten Sund und jagen im Wechsel der Gezeiten zwischen dem Saltfjord am Meer und dem Skjerstadfjord im Inland hin und her. Der Strom erreicht Geschwindigkeiten von 40 Stundenkilometern. Gewaltige Strudel bilden sich, die einen Durchmesser von bis zu zehn Metern erreichen und eine Tiefe von mehr als vier Metern. Nur bei Stillwasser, also bei Höchst- oder Tiefststand, herrscht Ruhe. Dem Wunder der Natur kann man sich per Boot nähern.

www.visitbodo.com, www.glur.ch

Philippinen: Bunte Bäume im Märchenwald

Auf Mindanao, der zweitgrössten Insel der Philippinen, wachsen Bäume, die kunterbunt in Grün, Gelb, Orange, Blau und Lila schillern. Die Rinde der Regenbogen-Eukalyptusbäume ist glatt und braungelb. Unter den jährlich auftretenden Rissen und sich ablösenden Flecken erscheint die leuchtend grüne innere Rinde, die zu blauen, lila, orangefarbenen und kastanienbraunen Tönen reift. Bäume im Festtagsgewand, schnell wachsend, bis zu 80 Meter hoch und nicht nur zum Träumen, sondern auch für die Holzindustrie zur Papierherstellung wichtig.

www.morefunphilippines.de, www.tourasia.ch

Alaska: Lichtspektakel in Perlmuttfarben

Jeder kennt das Nordlicht in grünlichen Farben. Aber Perlmuttwolken? Es handelt sich nicht um Wolken im herkömmlichen Sinne. Gebildet nicht aus Wasserdampf, sondern aus Schwefel- und Salpetersäurekristallen. Die polaren Stratosphärenwolken, die regelmässig im Winter in den Polarregionen jenseits des 80. Breitengrades auf der Nord- aber auch der Südhalbkugel vorkommen, entwickeln ein zauberhaft irisierendes Lichtspektakel am Himmel – vor allem, wenn die Sonne schon unterhalb des Horizonts steht. Man kann die seltsamen Wolkenbilder auch im Norden Schottlands und Norwegens bewundern oder auf einer Nordland-Kreuzfahrt. Glück vorausgesetzt, Staunen garantiert.

www.travelalaska.com, www.hurtigruten.de (SonntagsZeitung)

Erstellt: 28.12.2018, 17:37 Uhr

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