Teuflisch schönes Ferienparadies

Mittelalterliche Ortschaften, verträumtes Hinterland, traumhafte Strände: Die kroatische Halbinsel Istrien bietet alles, was der Reiseführer verspricht.

Malerisches Städtchen mit bewegter Vergangenheit: Rovinj an der Westküste der kroatischen Halbinsel Istrien. Foto: Keystone

Malerisches Städtchen mit bewegter Vergangenheit: Rovinj an der Westküste der kroatischen Halbinsel Istrien. Foto: Keystone

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Das Fegefeuer der Ferien lässt keine Untätigkeit aufkommen. Rein ins Wasser, raus aus dem Wasser. Badetuch ausbreiten, UV-Schutz verteilen, Sonnenbrille putzen, nach Lektüre kramen. Puh, und das alles bei 30 Grad im Schatten! Im wie vielten Kreis der danteschen Hölle wir wohl gerade schmoren?

Der italienische Dichter Dante Ali­ghieri hätte das sicher genau verorten können, hat er doch hier in Istrien an einem der wichtigsten Werke der Weltliteratur gearbeitet: «Die Göttliche Komödie». Im Epos schildert er eine Reise durchs Jenseits und lässt dabei keine Todsünde ungesühnt.

Dante war um das Jahr 1300 in Istrien, das damals von Venedig regiert wurde. Er kam aus Florenz und siedelte sich in der Fojba-Schlucht im Hinterland bei Pazin am Eingang zur Hölle an: dort, wo der Fluss unterirdisch im Felsen verschwindet, um an der Küste wieder ans Tageslicht zu kommen.

Zu Dantes Zeiten war das Universum noch übersichtlich, Gut und Böse sauber getrennt. Heute ist bekanntlich alles komplizierter geworden: Die von der Natur mit mildem Klima gesegnete, grösste Halbinsel der Adria hat sich zu einem schönen Ferienparadies gemausert, deren Bevölkerung sich jeden Sommer vervierfacht, weil so viele Sonnenhungrige dasselbe wollen: Meer und noch mehr Meer! Aber wer will ihnen die Masslosigkeit (der zweite Kreis der danteschen Hölle) verdenken, angesichts der nahezu überall zugänglichen, blitzsauberen Strände mit ihrem schillernden Wasser und den idyllischen, von duftenden Pinien gesäumten Badebuchten?

Ferien sind hier so herrlich, dass sich Hollywoodgrössen wie John Malkovich und Anthony Hopkins istrische Domizile gekauft haben. Doch Moment mal! Da haben sich ausgerechnet zwei der abgründigsten Kinostars hier niedergelassen? Der Verführer mit dem diabolischen Blick aus «Gefährliche Liebschaften», der angeblich im wirklichen Leben mit der Todesstrafe sympathisiert, und der unheimliche Brite, der in «Schweigen der Lämmer» als Serienmörder kannibalischen Gelüsten folgt? Das kann kein Zufall sein, oder?

Dem Vernehmen nach wurden die beiden VIPs allerdings schon lange nicht mehr vor Ort gesichtet. Und so gebiert das überhitzte Hirn weiter die wildesten Fantasien. Vielleicht sind die beiden Schurken im Paziner Höllenschlund verschwunden, nachdem sie sich im Adrenalinrausch am Stahlseil über die Schlucht katapultiert haben?


Treffpunkt für Künstler und Musiker aus aller Welt: Grožnjan. Foto: Getty Images

Glaubt man Jules Verne, würden die VIPs wieder auftauchen. Der französische Autor liess sich nämlich ebenso von der Schlucht inspirieren: Im 1885 veröffentlichten Roman «Mathias Sandorf» springt der Held in den Fluss und entkommt so seinen Verfolgern. Damals gehörte Istrien zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie, und Sandorf war in einen Aufstand gegen die Habsburger verwickelt. Die Stars Malkovich und Hopkins würde der unterirdische Strom also in Rovinj wieder an Land spülen. Im Gourmetrestaurant Monte könnten sie sich darauf stärken – mit Meeresfrüchten.

Eine Bar für Heilige und Sünder

Wie verwirrend die Deutung der Gegenwart seit der Göttlichen Komödie geworden ist, zeigt sich beim Spaziergang über die Uferpromenade des Unesco-Weltkulturerbe-Städtchens Porec. Wir stossen auf eine Bar namens Saint & Sinner, in der sich in Sommernächten bis zu 1000 Partygäste vergnügen. Igor, einer der Betreiber, trägt zum glatt rasierten Schädel enge schwarze Lederhosen, martialische Metallketten und ein Totenkopf-Shirt. Dante hätte ihn sicher sofort in den allertiefsten Höllenkreis verbannt. Im Gespräch entpuppt er sich allerdings als lammfrommer Familienvater, der glaubhaft versichert, noch nie einen Tropfen Alkohol angerührt zu haben. Ganz ohne Laster ist Igor trotzdem nicht. Er raucht wie ein Schlot und zitiert mit maliziösem Lächeln den notorisch bösen Buben Oscar Wilde: «Den Heiligen gehört die Vergangenheit, den Sündern die Zukunft.»

Weiter im Landesinnern liegt das pittoreske Groznjan. Noch in den 60er-Jahren war das Bergdorf verlassen. Dann liessen sich hier Künstler nieder, renovierten die Häuser, eröffneten Galerien. Im Sommer, wenn sich hier Nachwuchsmusiker aus aller Welt treffen, wird Groznjan zur Bühne. In den gepflasterten Gassen verzaubern junge Klassik- und Jazzmusiker das andächtig lauschende Publikum. Dann liegt ein Frieden über dem Ort, der – Hölle hin oder her – auch Dante gefallen hätte.

Die Reise wurde unterstützt von Valamar Hotels.

Erstellt: 22.07.2015, 18:25 Uhr

Tipps und Informationen über Istrien

Anreise:
Flüge mit InterSky sonntags ab Altenrhein SG nach Pula. www.flyintersky.com
Die Reise mit dem Auto dauert circa 9 Stunden.

Reiseveranstalter:
Adria 365, High Life Reisen und TUI Suisse.

Unterkünfte:
Valamar Isabella Island Resort: Neu gestaltete Resort-Insel direkt vor Porec, mit schönen Stränden und Blick auf die Altstadt, Tel. 00385 52 465 130. www.valamar.com

Lone: Stylisches Designhotel bei Rovinj.
www.lonehotel.com

Restaurants:
Monte: Drei Hauben für innovative Gourmetküche, Rovinj. www.monte.hr
MaDaLu: Frische Meeresfrüchte, an einem einsamen kleinen Fischerhafen, Vabriga, Tel. 00385 98 254 899.

Ausgehen: Saint & Sinner, Porec, www.saint-sinner.net

Beste Reisezeit: Zwischen April und Oktober.

Allgemeine Informationen: Das deutsche Istrien-Magazin ist kostenlos bestellbar auf www.istrienmagazin.at

Weitere empfehlenswerte Websites:
www.croatia.hr
www.istra.hr

www.istrien7.com

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