Über der Welt in Ladakh

Im Gebirge der indischen Region Ladakh liegen faszinierende Kraftorte. Auf der «Shakti Experience» besucht man sie, isst mit den Bauern und darf ein Orakel konsultieren.

Die Sonne schickt ihr schönstes Licht: Das Namgyal-Tsemo-Kloster in Ladakh. Foto: Thaiview, iStock

Die Sonne schickt ihr schönstes Licht: Das Namgyal-Tsemo-Kloster in Ladakh. Foto: Thaiview, iStock

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Die Hauptstrasse in Leh sieht aus, als hätte ein Bombe eingeschlagen. Ein tiefer Graben zieht sich an den Häusern entlang. Kühe suchen darin nach Essbarem, aber da liegen nur Fetzen von Plastiksäcken und angesengte Kartons. Die Strasse soll erneuert werden, vielleicht kommt irgendwann einmal eine geschlossene Asphaltdecke darauf. Die Bäuerinnen lassen sich davon nicht beirren. Sie sitzen auf den Trottoirs hinter ihren Rüben, Tomaten oder Kartoffeln und schauen zu den potenziellen Käufern hoch.

Leh ist die Hauptstadt der indischen Region Ladakh. Ein Name, der klingt wie ein Versprechen: Ein jahrhundertealtes buddhistisches Königreich westlich von Tibet, das 1834 ein Teil von Britisch-Indien wurde. Mehr als 290'000 Menschen leben in Ladakh, nicht viel für knapp 60'000 Quadratkilometer. Imposant die Gebirgslandschaft, mit 7135 bzw. 7077 Metern kratzen Nun und Kun am Himmel. In Leh auf 3500 Höhen­metern japsen Europäer nach Luft. Immer mehr verirren sich in die nordöstliche Himalajaregion, seitdem Kashmir zu riskant geworden ist, weil sich mit Indien, Pakistan und China gleich drei Mächte um die Vorherrschaft in der Region reissen. Kein gutes Terrain für ­Tourismus.

Jamshyd Sethna von Banyan Tours freut sich darüber, dass mehr Touristen kommen. Der smarte Inder aus Mumbai bringt westlichen Komfort unter die ­Dächer der kargen Bauernhäuser von Ladakh. Die Gäste übernachten Wand an Wand mit den Einheimischen. Ein weiches Bett mit schönem Leinentuch, ein voll ausgestattetes Badezimmer im modernen Ethnostyle, zwei Sessel vor einem grossen Fenster. Es rahmt die Aussicht auf den Himalaja zum riesigen Panoramafoto.

Der Dalai Lama im Exil

Nur drei weitere weiss getünchte Häuser liegen am Rande von Nimoo. Im Garten blühen Sonnenblumen, rote Äpfel hängen in den Bäumen. In einem Bohnenfeld arbeiten Bäuerinnen mit bunt gemusterten Kopftüchern. Auf den Dächern trocknet Heu. Abends erfüllt der Duft von Curry die Luft. In der niedrigen Küche mit Feuerstelle, wo die Bauernfamilie normalerweise Mahlzeiten einnimmt, bereitet ein Koch ein 3-Gang-Menü mit Momos, gefüllten Teigtaschen, für die ausländischen Besucher, die sich für die «Shakti Experience» angemeldet haben: eine Reise an besondere Kraftorte hoch oben in den Bergen.

Die Nacht wird unruhig. Die ungewohnte Höhe lässt wirre Traumbilder entstehen. Dazu heult der Wind um die Häuserecken, zerrt an den Fensterrahmen. Die Wärmflasche spendet Geborgenheit. Ohne elektrisches Licht zur Toilette zu gehen, ein mulmiges Gefühl.

Das ist anderntags bei der Autofahrt durch die Wüste verflogen. Die Strassen sind hier oben erstaunlich gut in Schuss. Die habe das Militär gebaut, sagt Guide Maak. Und erklärt: «1959 hat China Tibet erobert. Viele Tibeter und der Dalai Lama sind damals nach Indien geflüchtet. Deshalb gibt es heute bei uns immer noch viele Probleme zwischen den beiden Staaten.» Und wie zur Verstärkung der Aussage taucht gleich vor uns eine weitläufige Kaserne aus der Einöde auf.

Als die Klosteranlage Basgo auf einer steil abfallenden Felsspitze vor uns aufragt, schickt die Sonne gerade ihr schönstes Licht und setzt die drei Stupas in Blau, Weiss, Goldgelb in Flammen. Darin werden Reliquien des Buddhas oder herausragender Mönche aufbewahrt. Das buddhistische Kloster schwebt darüber und wirkt wie nicht von dieser Welt. Oben angekommen, empfängt uns ein elektronisches Tok, tok, tick, tack. Ein Mönch in wallendem dunkelroten Gewand, jung und kahl rasiert, schliesst die Tür zu einer hohen Halle mit Wandmalereien auf. Etwas Kleines Rechteckiges liegt in seiner Hand. Und während wir die grosse, alte Buddhastatue bestaunen, setzt er sich in eine Ecke und fährt fort mit dem Spiel am Handy: Tok, tok, tick, tack.

Indische Idylle

Die Klöster, die Berge, die Wüste, das Licht – wie in einem Puzzle setzt sich ­Ladakh in den folgenden Tagen für uns zusammen. Immer wieder neu, immer wieder berührend. Das Versprechen, das in dem Namen liegt, erfüllt sich mehr und mehr. Das Kornfeld im Sonnenlicht, auf dem eine Handvoll Bauern mit Sicheln die Halme schneidet. Die farbig bemalten Stupas am Wegesrand, von bunten Gebetsfahnen umweht. Der junge Mönch, der zum Tee kommt. Der Indus, der kalt und milchig-grün aus dem tibetischen Hochgebirge fliesst und von uns ein paar Kilometer mit Schlauchboot und Paddel bezwungen wird.

Und dann ist da noch Kunzang. Die Frau aus Shey arbeitet tagsüber in einer Militärkaserne, abends wird sie zum Orakel. Die Dorfbewohner sprechen mit Hochachtung von ihr. Wir dürfen sie besuchen und befragen: Liebesdinge, Erfolg im Beruf, Krankheiten – alles ist erlaubt. Sie führt uns in einen düsteren, mit Teppichen ausgelegten kleinen Raum. Dann geht eine Verwandlung vor sich. Sie würgt und rülpst, schüttelt sich, wirft den Oberkörper vor und zurück, stösst Laute von sich. Mal ganz tiefe, mal hysterisch Grelle. Dann ist es so weit. Einer nach dem anderen kniet sich zu ihr hin, flüstert eine Frage in ihr Ohr. Kunzangs Antworten bleiben ein Geheimnis.

Die Reise wurde unterstützt von Windrose.

Erstellt: 16.07.2015, 04:55 Uhr

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Ladakh

Reisetipps

Anreise: Flüge ab Zürich mit Swiss nach Delhi ab 649 Franken, www.swiss.com. Von dort weiter mit Air India nach Leh in Ladakh, www.airindia.in, www.jetairways.com

Arrangement: Die 11-tägige Gruppenreise «Shakti-Ladakh» kostet inkl. Flüge, Übernachtungen, Mahlzeiten und Guide 7090 Franken. Als geführte Individualtour 7300 Franken. Zu buchen bei Windrose Finest Travel, Tel. 0049 302 01 72 10, www.windrose.de

Buchen: Ladakh haben auch folgende Reiseveranstalter im Angebot: Asia?365, www.asia365.ch, travelhouse, www.travelhouse.ch und Tourasia, www.tourasia.ch

Visum: Für die Einreise nach Indien besteht Visumspflicht: indianvisaonline.gov.in/visa/tvoa.html

Beste Reisezeit: Mai/Juni bis September/Oktober. Ladakh ist als einzige Region Indiens nicht vom Monsun betroffen.

Allgemeine Infos: www.incredibleindia.org

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