2020 mit «Buon anno!» beginnen

Ein Silvester-Ausflug nach Lugano, wo auf dem See, auf dem Berg und auf der Piazza gefeiert wird.

Noch ist das alte Jahr nicht angezählt: Blaue Stunde am Luganersee mit Blick zum Monte Brè (links). Foto:

Noch ist das alte Jahr nicht angezählt: Blaue Stunde am Luganersee mit Blick zum Monte Brè (links). Foto:

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Es ist die Zeit zwischen den Jahren: Das familiäre Fest der Besinnlichkeit ist vorbei, die rauschende Silvesternacht steht an. Party ist angesagt. Aber wohin?

Warum nicht spontan in den nächsten Zug steigen und das neue Jahrzehnt im Tessin begrüssen – dort, wo es fast nur Seen und Berge gibt? Wir wagen einen Blick in die nahe Zukunft, zwei Tage nur, wir blenden vor auf die letzten Momente dieses Jahres – und erahnen die mediterrane Seele der Schweiz.

«Nove – otto – sette – sei...»

Das Jahr wird ausgezählt; 2019 liegt in seinen letzten Sekunden. Auf dem Luganersee, an Bord der Italia und der Lugano, sind die Gläser mit Schaumwein gefüllt. Vom Kirchturm in Morcote hallen dumpfe Glockenschläge über den See. Die Augen der Menschen auf den Schiffen glänzen, manche haben sich rote Pappnasen und lustige Hüte aufgesetzt. Am Ufer funkeln die Lichter, und am Nachthimmel hebt sich die imposante Silhouette des Monte San Salvatore ab. Sie nennen ihn den «Zuckerhut von Lugano».

«Cinque – quattro – tre...»

Sechshundert Meter über dem See, auf dem Gipfel des Luganeser Hausbergs, ein ähnliches Bild. Die Partygäste im Bergrestaurant Vetta begiessen nicht nur den Jahrzehntwechsel, sie erleben auch eine veritable Premiere: Zum ersten Mal in der 130 Jahre alten Geschichte hat die San-Salvatore-Bergbahn ihren Betrieb im Winter aufgenommen. Auf dem Berg und auf dem See stehen die Menschen nicht mehr ganz sicher auf den Beinen. Das mag auch an den schwankenden Planken liegen, auf denen die dort unten das Tanzbein schwingen, und am Schwindel, der die da oben befällt, wenn sie auf der Terrasse den Blick in die Tiefe wagen und auf dem See zwei festlich beleuchtete Schiffe ausmachen.

«Due – uno...»

Gedämpft dringen die Tanzmusik, das Lachen der Passagiere und das Klirren der Gläser auf die Brücke der Italia. Capitano Michel Resegatti, 57, seit über dreissig Jahren bei der Schifffahrtsgesellschaft auf dem Luganersee angestellt und seit einem Jahr Chefkapitän, schaut abwechslungsweise auf den Radarschirm und hinaus in die schwarze Nacht. Seine Hände ruhen auf dem grossen hölzernen Steuerrad. «In dieser Nacht ist höchste Aufmerksamkeit geboten», sagt er. «Viele Leute haben ihre Boote zu Wasser gelassen, längst nicht mehr alle sind nüchtern – und man darf nicht davon ausgehen, dass sie die Boote beleuchtet haben.»

Da meldet sich das Handy, es ist Paola. Der Kapitän erlaubt sich eine kurze private Minute, um der Gattin sowie Tochter Larissa Glück und Gesundheit zu wünschen, ihnen für ihr Verständnis dafür zu danken, dass er auch heute nicht bei ihnen sein kann. Kurz wendet er den Blick ab vom Wasser und hinauf zum San Salvatore – dort, an der Flanke des Berges, steht sein Haus, dort prosten sie sich jetzt ohne ihn zu.

Vier Stunden zuvor sind die Passagiere in Lugano an Bord gegangen. Fürs Galadiner auf der Italia haben sich die meisten Gäste in feines Tuch gehüllt, Smokings und lange Abendkleider. Champagnerkorken knallen; man steht smalltalkend an den Stehtischen und studiert schon mal die fünf Gänge auf der Menükarte: Rind- und Lachstartar zum Auftakt, gefolgt vom Ziegenkäse aus dem Verzascatal auf Carnaroli-Risotto und geschmortem Kalbsfilet im Nussmantel. Zum Ausklang halbgefrorene Passionsfrucht mit Mascarponeschaum.

Auf dem Schwesterschiff Lugano wird, man kann es schon vom Land aus riechen, Käse geschmolzen. Die Passagiere haben die Wahl zwischen einer Mischung aus Freiburger Vacherin und Tessiner Alpkäse oder einem Fondue chinoise.

Kurz vor elf, mittlerweile sind auch die Dessertteller abgetragen, haben die beiden Kapitäne ihre Schiffe aufeinander zugesteuert und längsseits aneinander festgemacht. Die weissen Kiele gleiten im Schritttempo durch die Wellen. Auf den Decks steigen die Passagiere von einem Schiff zum anderen, die Partyleute vom Käsekahn stossen mit den Galagästen vom Dinerdampfer an – und alle machen sich über den Neujahrsschmaus her: Das traditionelle Linsengericht mit Zampone-Wurst wird serviert.

Lange nach Mitternacht legen die Italia und die Lugano wieder an. Die Menschen haben wieder festen Boden unter den Füssen und erkennen, dass das Fest noch lange nicht zu Ende ist. Dicht gedrängt tanzt und singt das Partyvolk auf der Piazza Riforma. Und jetzt ist auch die Bahn vom San Salvatore angekommen. Der Prosecco ist aus, aber es gibt ja noch Glühwein. «Auguri, auguri! Buon anno!»


Galadiner-/Fondue-Kreuzfahrt: www.biglietteria.ch www.lakelugano.ch

Monte San Salvatore: www.montesansalvatore.ch

Die Reise wurde unterstützt von Ticino Turis

Erstellt: 30.12.2019, 20:36 Uhr

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