Alpenchic, Komfort, Originalität – die Parahotellerie rüstet auf

Immer mehr Schweizer verbringen ihre Ferien in alternativen Unterkünften. Ein Besuch im Wallis macht deutlich, was den Reiz der Parahotellerie ausmacht.

Klein aber fein. Die Air Lodge auf dem TCS Camping in Sion. Foto: PD

Klein aber fein. Die Air Lodge auf dem TCS Camping in Sion. Foto: PD

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Von Eichen gesäumte Alleen durchziehen schnurgerade den TCS Camping bei Sion. Ringsum alpines Panorama. Auf dem acht Hektar grossen Areal zwischen Badesee und Swimmingpool stehen Caravans, Wohnmobile und hin und wieder auch ein richtiges Zelt. Gartenzwerge bewachen die angestammten Plätze der Dauercamper.

Durchreisende strecken flüchtig die Beine aus. «Wir kommen seit fast 30 Jahren immer für einige Wochen her», sagt der Berner Martin und klappt Liegen auf der flachen Raseninsel aus. Für den Preis seines mit allen Schikanen ausgestatteten Wohnmobils könnte er sich jedes Jahr auch komfortabel im Hotel einmieten. Doch wer heute campt, will alles. Er will der Natur so nahe wie möglich sein und doch auf Komfort nicht verzichten.

Ein Trend, der sich deutlich auch in den Veränderungen auf dem Campingplatz widerspiegelt. Mietunterkünfte unterschiedlichster Art unterbrechen das gewohnte Bild. Cabanes, Pods und die jüngst eröffneten Air Lodges und Holzchalets sind bis hin zur eigenen Dusche komplett ausgestattet und bieten gerade auch Familien entspannte Ferien.

Der TCS Camping in Sion ist eine grüne Erholoase. Foto: PD

TCS Camping, der führende Schweizer Campingplatzanbieter, hat sich mit Glamping auf die gestiegenen Ansprüche an naturnahem Urlaub mit einem Hauch Luxus eingestellt. «Glamourös Campen ist gefragt», sagt die junge Campingplatzmanagerin Bettina Klinger. Alles was sie über ein guten Hotelmanagement auf der Hotelfachschule gelernt hat, kommt jetzt den Campern zugute. Vorbei die Zeiten wortkarger Platzzuweisung. Freundliche Ansprache und umfassender Service sind angesagt.

Hohe Investitionen in die Walliser Parahotellerie

Der Drang der Menschen, der Urbanität der Städte und festen Alltagsstrukturen zu entfliehen, führt zunehmend in Unterkünfte jenseits der klassischen Hotellerie. «Genuss in Verbindung mit persönlicher Freiheit ist ein starkes Bedürfnis», erklärt Damian Constantin von Valais/Wallis Promotion den Aufschwung der sogenannten Parahotellerie, zu der neben den Campingplätzen beispielsweise auch Ferienwohnungen und Jugendherbergen gezählt werden. Landesweit verzeichnete das Bundesamt für Statistik 16,6 Millionen Logiernächte in Unterkünften jenseits der klassischen Hotellerie. Allein im Wallis waren es etwa 5,4 Millionen. Die meisten Gäste kommen aus dem eigenen Land, gefolgt von Reisenden aus Deutschland.

Das zur Jugenherberge umgebaute «Bella Lui» macht seinem Namen alle Ehre. Foto: Thomas Andenmatten

Vor allem der welsche Teil des Wallis ist ein engagierter Anbieter von Ferienunterkünften der Parahotellerie, die für ein schmaleres Budget ein breites Spektrum an Möglichkeiten bietet. Dafür wird auch mit manchem Vorurteil aufgeräumt. So haben auch die Jugendherbergen inzwischen viel in die Auffrischung ihres Images investiert. Kratzende Wolldecken und müffelnde Massensäle waren gestern. Im «Bella Lui»in Crans-Montana wohnt man heute zumeist zu zweit mit Terrasse in Südlage und atemberaubenden Blick über das Rhonetal auf die Walliser Alpen. Auch die Vierer-, Sechser- und Familienzimmer sind zweckmässig und freundlich eingerichtet. Überall hohe Fenster. Viel Licht. Ganz im Sinne der Bauhaus-Idee. Die knallroten Liegestühle auf den drei grossen Sonnenterrassen und die türkisfarbenen Sessel im offenen Salon stammen noch aus der Anfangsära.

Flora Steiger-Crawford, die erste diplomierte Architektin der Schweiz, hatte die Möbel für das um 1930 als Luxussanatorium erbaute Haus entworfen. Zuletzt als Drei-Sterne-Hotel betrieben, wurde es 2017 für rund vier Millionen Franken zur zeitgemässen Jugendherberge umgebaut. Dabei war die Bauherrin, die Schweizerische Stiftung für Sozialtourismus, sehr darauf bedacht, den Bauhaus-Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes zu erhalten. Das Zusammenspiel von klassischer Moderne und zeitgemässer Funktionalität kommt heute bei jungen Menschen und bei Reisenden jenseits der 40 sowie bei Alleinreisenden und bei Familien gleichermassen gut an.

Mit klaren Linien und frischem strapazierfähigem Design punktet auch das Reka-Feriendorf in Zinal. Zudem bietet es viel Platz zum Toben. Drinnen und draussen. Und überall trifft man auf Gleichgesinnte, denn in dieses Feriendorf reist fast niemand ohne Kind. 2015 wurden vier der Gebäude im alpinen Stil von der Schweizer Reisekasse saniert; zwei neu gebaut. Dank der komplett ausgestatteten Küchen hat man hier jeden Morgen die Wahl zwischen gemeinschaftlichem und individuellem Frühstück. Anschliessend steht backen oder basteln auf dem Kinderprogramm. Im «Rekalino» werden teilweise bis zu 30 Kinder betreut.

Zinal ist der ideale Ferienort für Familien und bietet eine Vielfalt echter Ferienerlebnisse. Foto: PD

Das Gemeinschaftshaus mit Lounge, Weinbar, Kamin, Bibliothek und Schwimmbad bietet derweil Abwechselung für alle. Diese Mischung aus Privatsphäre und Gemeinschaftserlebnis hat einen ebenso hohen Erholungseffekt für die ganze Familie wie die zahlreichen Auslaufmöglichkeiten. 300 Kilometer Wanderwege gibt es um Zinal. Auch solche, die man durchaus mit dem Kinderwagen bewältigen kann.

Alpenchic und prämierte Weine

Am anderen Ende des im Val d‘Anniviers auf 1650 Metern gelegenen Bergdorfes verkörpert das Swisspeak Resort vom Schweizer Ferienhausvermittler Interhome wohl eine der luxuriösesten Varianten der Walliser Parahotellerie. Die Ferienwohnungen sind auf sechs Häuser verteilt. Mit Ausstattung und Design auf Vier-Sterne-Niveau.

Die Architekten haben sich bei der Gestaltung der Ferienwohnungen für bis zu acht Personen vom Wesen der Walliser Berglandschaft zu warmen Farben, zu Stein und viel, viel Holz inspirieren lassen. Es wirkt kraftvoll, geerdet, grosszügig und zugleich elegant. Alles hier stiftet Ruhe. Die Geradlinigkeit des schweren Holzmobiliars, der Duft des Waldes, der Blick durch die Fenster und das Rauschen des Gletscherbaches Navisence. Nicht zuletzt trägt auch die hochmoderne Ausstattung der offenen Küche dazu bei. Bequem sind auch die kurzen Wege zum Skilift und in das Zentrum des einstigen Maiensäss-Dorfes mit seinen alten Häusern aus dunklem Arvenholz.

Mit viel Hingabe verfolgt das Swisspeak Resorts regionale Traditionen. Foto: PD

Mit geradezu heiterer Hügeligkeit umgibt sich die Stadt Sierre im Rhonetal. Der eine mittelalterliche Burg imitierende Wasserturm des Castel de Daval erhebt sich über die Rebhänge der Familie Caloz, die hier in fünfter Generation preisgekrönte Bio-Weine produziert. Vor zehn Jahren wurde er zu einer kleinen Pension mit fünf Zimmern ausgebaut.

Der renovierte Wasserturm, der das Weingut 'Colline de Daval' überragt, ist der perfekte Ort für einen erholsamen Aufenthalt. Foto: PD

Damals waren Monique und Bertrand Caloz Pioniere des Walliser Weintourismus. «Jüngst haben wir den Best of Wine Tourism-Award bekommen», zwitschert Madame Caloz. Sie plaudert gerne mit ihren Gästen und ist damit eine perfekte Vertreterin von Bed and Breakfast Switzerland, wo man sich auf die Fahnen geschrieben hat, nicht nur den Schlüssel zur Unterkunft auszuhändigen, sondern auch Einblicke in das Leben der Familie zu gewähren. So gibt es auch zu beinahe jeder Speise auf dem Frühstücksbuffet Geschichten. Der Aprikosensaft stammt von den Früchten der eigenen 25 Hektar grossen Obstplantage. Birnen, Beeren, Feigen und sogar weisser Spargel werden zu Konfitüren verarbeitet. Die Zimmer tragen die Farben der Trauben aus dem fünf Hektar grossen Weinberg. Natürlich kann man den Wein auch pur geniessen. Abends auf der Terrasse inmitten der Reben. Verwöhnt von Zeit und Raum.


Ein Beitrag von Travelcontent. Die Reise ins Wallis wurde von der IG Parahotellerie Schweiz und Valais/Wallis Promotion unterstützt.

Erstellt: 31.10.2019, 13:52 Uhr

Die IG Parahotellerie Schweiz

Die IG Parahotellerie Schweiz wurde 2011 von der Schweizer Reisekasse REKA (reka.ch), Interhome (interhome.ch), TCS Camping (tcs.ch/camping), Schweizer Jugendherbergen (youthhostel.ch) und Bed and Breakfast Switzerland (swissbnb.ch) gegründet. Die IG vertritt die Interessen einer qualitätsbewussten Parahotellerie in tourismuspolitischen Fragen und fördert diese mit gezielten Partnerschaften und Aktivitäten. Die fünf Partner generieren in der Schweiz jährlich rund 5 Millionen Logiernächte.

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