Belle Epoque und coole Dekoration

Das Hotel Walther in ­Pontresina ist nach einer Auffrischung wieder gut im Schuss – wie die ganze Feriendestination.

Der Komplex Walther/Steinbock bietet mit 102 Zimmern, vier Restaurants, Hallenbad, Wellnessoase und Tennisplätzen eine erstklassige Infrastruktur. Foto: PD

Der Komplex Walther/Steinbock bietet mit 102 Zimmern, vier Restaurants, Hallenbad, Wellnessoase und Tennisplätzen eine erstklassige Infrastruktur. Foto: PD

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In Zeiten von Tetrapack wird die Beschaffung von 80 Milchkesseli zur Herausforderung. Jetzt kleben sie, Öffnung nach unten, dicht gedrängt an der Decke der Bar im Hotel Walther in Pontresina. Vater der ungewöhnlichen Lichtinstallation ist Rolf Sachs, renommierter Künstler und Sohn des legendären Gunter Sachs. «In meiner Jugend holte man in Zuoz die Milch in der Latteria mittels dieser Eimer», erinnert sich Rolf Sachs. Um 80 aus der Mode gekommene Metallbehältnisse aufzutreiben, bedurfte es einer anspruchsvollen Sammelaktion. Die Hotelbesitzer Thomas und Anne-Rose Walther schafften viele Kesseli herbei, auch dank der Unterstützung von Anne-Roses Eltern im Emmental.

Die Decke der Bar ist Glanzstück einer Metamorphose: Die Walthers liessen das Erdgeschoss ihres 4-Stern-Superior-Hotels umbauen, öffnen und von Virginia Maissen mit einem frischen Look veredeln. Die Zürcher Innen­designerin entfernte Täfer aus den 80ern und Bodenbeläge und restaurierte verborgene Schätze. Im Eingangsbereich und in Lounge, Bar und Grand Restaurant vermischen sich Belle-Epoque-Elemente mit cooler, zeitloser Dekoration. Teppiche, Vorhänge, Täfer oder Möbel wurden exklusiv fürs Hotel Walther gefertigt. Vieles stammt von einheimischen Handwerkern. Eine Ausnahme bildet das herrschaftliche ­Parkett aus ungarischer Eiche in der Lobby. Alt und Neu beleben sich gegenseitig – so leuchtet historischer Stuck von fröhlich grünen Decken.

«Nur wenn man die Kuh füttert, gibt sie Milch.»Thomas Walther, Hotelier

«Im ganzen Alpenraum gibt es wohl in keinem anderen Hotel eine vergleichbare Innenarchitektur», sagt Hotelier Thomas Walther, der das Haus zusammen mit seiner Frau seit 20 Jahren und in dritter Generation führt. Grossvater Hans, ein gebürtiger Flimser, hatte das Walther, das damals noch Palace hiess, und das Schwesterhotel Steinbock zwischen den beiden Weltkriegen verwaltet und anschliessend gepachtet und gekauft. Thomas’ Eltern Barbara und Christian schufen die Grundlage zum heutigen Resort.

Der Komplex Walther/Steinbock bietet mit 102 Zimmern, vier Restaurants, Hallenbad, Wellnessoase und Tennisplätzen eine erstklassige Infrastruktur. «Wir haben in den letzten 20 Jahren 42 Millionen Franken investiert», sagt der 49-jährige Besitzer. «Nur wenn man die Kuh füttert, gibt sie Milch.» Womit wir wieder bei den Kesseli wären.

Pontresina mit klarem Profil

Das für 3,3 Millionen Franken umgebaute Hotel Walther ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung Pontresinas. Sommer- und Wintergeschäft halten sich hier beinahe die Waage. Während man im nahen St. Moritz über stetigen Gästerückgang klagt, laufen die Geschäfte in der 1800-Seelen-Gemeinde bestens. Pontresina hat sich als Destination für Wanderer und Alpinisten im Engadin profiliert.

«Weil Pontresina noch nie direkten Zugang zu einem grossen Skigebiet besass, musste sich der Ort früh auch als Sommerziel positionieren», sagt Jan Steiner. «Innovationsgeist und Wille zur Zusammenarbeit waren unerlässlich.» Der Wahl-Bündner ist Geschäftsführer von Pontresina Tourismus und immer auf der Suche nach Ideen. In der Pipeline: die Wiederbelebung des historischen Schluchten-Erlebnisses sowie umfassende Concierge-Dienstleistungen für Gäste aller Unterkunftskategorien. Bereits eröffnet wurde die Steinbock-­Promenade über dem Dorf. Klug auf­gebaute Stationen vermitteln viel Wissen über die wundersamen Könige der Alpen; Pontresina besitzt heute eine der grössten Steinbockkolonien Europas.

Im Spätfrühling bleibt es jeweils nicht bei der Theorie auf der kinderwagentauglichen Promenade. Dann steigen die mutigen Kletterer auf der Suche nach dem ersten Grün ins Tal hinunter. «Wir beobachteten in unserem Park schon zwei Dutzend Steinböcke», erzählt Thomas Walther. «Sie kennen keine Furcht.»

Hotel Walther, Pontresina, DZ ab 350 Fr., www.hotelwalther.ch, www.pontresina.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.07.2017, 17:13 Uhr

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