Der Fluss im Wald

Aargau at its best: Die Aareauen schüren in ihrer Anmut romantische Gefühle und wärmen die Herzen.

Spürbare Lebendigkeit: Der Aareweg führt durch die renaturierte Auenlandschaft. Foto: Michele Limina

Spürbare Lebendigkeit: Der Aareweg führt durch die renaturierte Auenlandschaft. Foto: Michele Limina

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Der Wald und der Fluss: Der eine ist einfach da, überall, rundherum, ruhig und beständig. Der andere, vorerst noch verborgen, kommt und geht, eilig und rastlos, vom Gebirge zum Ozean. Zwei Gemeinsamkeiten verbinden sie: Beide sind Natur. In ihrem Zusammenwirken wird die Lebendigkeit des Planeten spür- und erlebbar. Und beide sind Musik. In den Ohren des Wanderers verbindet sich das Raunen der Baumwipfel mit dem Rauschen der Stromschnellen zu einem Harmonieteppich, der die Schritte beflügelt und die Gedanken inspiriert.

Der Wald und sein Wind. Der Fluss und sein Wasser. Du und ich. Tatsächlich sollte man ihn auch zu zweit gehen, den Uferweg an der Aare – Hand in Hand mit einem geliebten Menschen, vielleicht aber auch mit dem Hund an der Leine. Auf knapp sieben Kilometern zwischen Rupperswil und Aarau empfängt uns eine einzigartige Auenlandschaft. Sie ist zwar nicht besonders spektakulär, aber mit ihrer Anmut durchaus angetan, romantische Gefühle zu schüren und die Herzen zu wärmen.

Der Aareweg zwischen Rupperswil und Biberstein. Foto: Michele Limina

Bei der grossen Aarebrücke führt der Forstweg zunächst tief in den typisch mittelländischen Mischwald. Es dauert keine Viertelstunde, bis die Bäume lichter werden und der Aaredamm die Wanderer und Hundeführer auffordert, den schmalen Pfad oben auf dem Scheitel zu benutzen – während Velofahrer und Mountainbiker den unteren Weg am Fuss des Dammes benutzen sollten. Eigentlich . . .

Nun ist es den Sportsfreunden im Zweiradsattel nicht zu verargen, dass auch sie die Aussicht aufs Wasser geniessen wollen. Und so kommt es auf dem Dammweg öfter mal zu heiklen Begegnungen und lauten Worten.

In regelmässigen Abständen säumen Ruhebänke und Treppenstufen den oberen Weg. Die Bänke laden zum Rasten ein – und zum Zuschauen: Die milde Herbstsonne lässt tausend Sterne auf der Wasseroberfläche funkeln, eine Entenfamilie kämpft sich unverdrossen am Ufer entlang flussaufwärts.

Im Aarschächli haben sich Killerwale angesiedelt

Die Stufen führen direkt ins Wasser. Auch hier wird deutlich, wie sinnvoll es ist, zu zweit am Uferweg zu wandern: An warmen Tagen kann man ins kühle Nass steigen und sich flussabwärts treiben lassen, während die Begleitung die Bekleidung zur Ausstiegsstelle trägt. Jetzt, in den kühleren Herbsttagen, tragen unverzagte Zeitgenossen, die sich ins nicht mehr ganz so warme Wasser wagen, immer seltener eine Badehose, dafür stecken sie immer häufiger in der Gummikluft des Hobbyfischers.

Etwas abseits weidet eine Herde Schottischer Hochlandrinder auf einer Waldweide. Die untersetzten Rindviecher mit ihren ausladenden Hörnern sind ihm Rahmen eines gemeinsamen Projekts der Artenschutzorganisation Pro Specie Rara sowie lokaler Viehzüchter angesiedelt worden. Damit soll eine extensive Landwirtschaft gefördert und naturnaher Lebensraum wieder hergestellt werden.

Ähnliches gilt für das Aarschächli bei Rohr, das man über einen Seitenweg erreicht. Dieser Altarm der Aare war einst eine Schlaufe des mäandrierenden Flusses, unterdessen ist daraus ein dreihundert Meter langer, von allerlei Insekten und Amphibien belebter Waldsee geworden – und der zentrale Teil des Aargauer Auenschutzparks, der vor fünfzehn Jahren im Rahmen eines ehrgeizigen Renaturierungsprogramms ins Leben gerufen wurde.

Wilder Hackbraten

Auf halber Wegstrecke säumen die ersten Häuser eines Dorfes das gegenüberliegende, steil ansteigende Ufer, eine einspurige Strassenbrücke führt hinüber nach Biberstein, einem Vorort von Aarau, der einst durch Käpten Jo’s Aarfähre Bekanntheit erlangt hat. Doch der Vergnügungstempel ist längst ausser Betrieb. Die maroden Fassaden nähren den Zweifel, ob sich daran bald einmal etwas ändern wird. Dafür ist das Jägerstübli geöffnet – und mit etwas Glück hat der Wirt seinen vorzüglichen Wild-Hackbraten aufs Tagesmenü gesetzt.

Auf dem Rückweg fällt ein Plakat auf, es ist an einen Baum genagelt und zeigt ein Bild mit springenden Orcas, dazu die Worte: «Angelockt durch das grosse Nahrungsangebot an frei schwimmenden Hunden, haben sich Killerwale im Aarschächli eingenistet: Nicht füttern! Gefahrloses Baden ist für Ihren Hund bei den drei Brücken möglich.» Unterzeichnet: Natur- und Vogelschutz Aarau.

«Das», erklärt der Mensch, «ist Menschenhumor.» Und nimmt seine wasserscheue Hündin an die Leine.

Erstellt: 27.09.2019, 20:37 Uhr

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Info

Anreise: Mit den SBB nach Rupperswil und weiter zu Fuss zur Aare­brücke (20 Min.). Oder nach Aarau und mit dem Bus bis Telli zur Aare.

Wanderung: Rund sieben Kilometer an beiden Aareufern. Wendemöglichkeit auf halber Wegstrecke bei der Brücke zwischen Rohr und Biberstein.

Essen: Restaurant Jägerstübli Paul Lanz, Biberstein, währschaft, täglich ab 17 Uhr; Schachenhof-Beizli bei Rohr, auf Anmeldung wird ein Brunch serviert, sonntags ab 9 Uhr, www.schachenhof-rohr.ch

Allgemeine Infos: www.aarauinfo.ch;
www.aargautourismus.ch

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