Es war einmal ein Reduit

In vielen Schweizer Hotels lässt es sich nicht nur angenehm nächtigen, man schnuppert auch ein bisschen Geschichte.

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Bären, Gonten AI Was ist das Wirtshaus Bären nicht schon alles gewesen. 1751 erstmals urkundlich erwähnt, stammt das Gebäude wahrscheinlich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und ist das älteste Privatgebäude in Gonten. Es war schon Standort einer Bäckerei und Konditorei, Mehlhandel und Spezereigeschäft. Auch Schuhwaren, Glas- und Geschirrwaren, Schreibmaterialien, Medikamente, Blumen und Trauerartikel wurden im Bären verkauft. Die Agentur einer Feuerversicherung war im Bären ebenso untergebracht wie auch eine Tankstelle. Ein Wirtshaus ist der Bären schon lange, wurde aber immer wieder renoviert, so letztmals 2018. Nun schläft man in Zimmern im modernen Appenzeller Chic.
www.baeren-gonten.ch

Hotel Spitzhorn, Saanen BE Auf dem Grundstück, wo heute das Hotel Spitzhorn in Saanen steht, stand früher das firmeneigene Reduit der Basler Versicherung. Aufgrund zunehmender Sorgen wegen des Aufkommens des Nationalsozialismus in den 1930er-Jahren, entschloss sich die «Basler» zu diesem Schritt für den Fall des «Wegfalls des Hauptsitzes» in Basel. Von 1940 bis 1945 war das Reduit denn auch tatsächlich der Hauptsitz der Firma. Noch heute gehört das Hotel der Bâloise Group. Von der früheren Nutzung des Gebäudes spürt man nichts mehr, das Hotel wurde 2013 rundum erneuert und hat sich der Philosophie «Die Leichtigkeit des Seins» verschrieben.
www.spitzhorn.ch

Spedition, Thun BE In diesem Gebäude wurden einst die Käselaibe der Firma Gerberkäse AG angeliefert und zwischengelagert. Nach der Schliessung des Produktionsstandortes 2009, blieb es eine Weile ungenutzt. Seit 2016 beherbergt das ehemalige Speditionsgebäude ein Hotel. So nächtigt man in diesem Boutique-Hotel mit 15 individuellen Zimmern in einem wohnlichen Mix aus Bewährtem und Modernem. Die Geschichte ist dennoch spür- und erlebbar, etwa mit dem 120-jährigen Eichenbalken, der manchen Käselaib getragen hat oder den alten Türen, die schon viele Menschen eingelassen haben. Das Hotel wurde schon mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Prix Versailles für das schönste Intérieur weltweit.
www.speditionthun.ch

Hotel Au Violon, Basel Schon der Name lässt erahnen, wie das ehemalige Augustinerkloster aus dem 14./15. Jahrhundert auch noch genutzt wurde: als Gefängnis. Und zwar von 1835 bis 1995. Denn «Au violon» bedeutet umgangssprachlich auch «im Gefängnis». 1999 wurden die Räumlichkeiten nahe des Barfüsserplatzes in ein Hotel umgebaut. Heute erinnern nur noch die ungewöhnlichen Fensterformen und niedrigen Türen der «Zellenzimmer» an den einstigen Verwendungszweck.
www.au-violon.com

Hotel Albrici de la Poste, Poschiavo GR Golden leuchtet die Inschrift über die Piazza in Poschiavo. Das edle Patrizierhaus aus dem 17. Jahrhundert gehörte Baron de Bassus und war einst Zentrum des Illuminati-Ordens, später auch eine Druckerei (hier wurde die erste italienische Übersetzung von Goethes «Werther» gedruckt). 1848 dann wurde es als erstes Hotel in Poschiavo eröffnet. Heute nächtigt man im Swiss Historic Hotel noch immer in Zimmern mit antiken Möbeln, aber freilich weit komfortabler als früher.
www.hotelalbrici.ch

Espace Paysan Horloger, Le Boéchet, Les Bois JU Noch heute erkennt man im Jura, wo sich Kleinmanufakturen der Uhrmacher befanden: Es sind Bauernhäuser mit grossen Fenstern. Dort hatten die Bauern ihre Ateliers untergebracht, in denen sie während des Winters Uhrenkomponenten in Heimarbeit herstellten. Auch das Kleinhotel Espace Paysan Horloger an der «Route de l’horlogerie» war ein solches und bietet heute fünf hübsche Gästezimmer an. Zudem befindet sich im Haus ein kleines Museum (Bild), das Einblick in die Uhrmacherkunst gibt.
www.paysan-horloger.ch

Hotel Wunderbar, Arbon TG Einst wurde in dem eingeschossigen Pavillon über Mittag gefuttert, was das Zeug hält, diente er doch als Kantine für die Arbeiter der danebenliegenden Fabrik, der Saurer AG. Zwischen Altstadt und Bodensee gelegen findet man dort heute auch freundliche Hotelzimmer und einem lauschigen Garten als Rückzugsort für die Gäste – mit Sicht auf die historischen Lastwagen des Saurer-Museums. Und Essen kann man natürlich immer noch – aber definitiv leichtere Kost als früher.
www.hotel-wunderbar.ch

Lofthotel, Murg SG Die 1836 gegründete Spinnerei Murg am Walensee durchlief alle Höhen und Tiefen industrieller Produktionsbetriebe und musste schliesslich 1996 geschlossen werden. Seit 2008 herrscht wieder reger Betrieb in dem Gebäude, seit es als Lofthotel eröffnet wurde. Neben den 17 Loftzimmern bietet das Hotel das wohl höchste Zimmer der Schweiz im 5-stöckigen Turmloft. Der ehemalige Löschwasserturm wurde ebenfalls in eine besondere Loftsuite für 4 Personen umgebaut. Wer sich dort von der grandiosen Aussicht satt gesehen hat, kann sich zum Beispiel im Schaulager der Spinnerei die Sammlung der Swiss Textile Collection mit über 1800 Teilen anschauen.
www.lofthotel.ch

Militärkantine, St. Gallen Leicht erhöht am Rande der St. Galler Altstadt gelegen erzählt dieses prächtig renovierte Hotel auch Geschichte. 1911 wurde das Gebäude nämlich als Offiziersunterkunft erbaut und genutzt. Heute spürt man davon in den schlicht, aber stilvoll mit skandinavischem Design der 50er- und 60er Jahre eingerichteten Zimmern nicht mehr viel – höchstens noch in der Bar, die mit einem kunstvollen Bilderfries auf Episoden der Geschichte des Gebäudes anspielt.
www.militaerkantine.ch

L’Auberge, Langenthal BE Wo einst die Langenthaler Oberschicht residierte, gehen seit 2011 in der einstigen Tuchhändler-Villa Gäste ein und aus. Der Kaufmann Samuel Gottlieb Stettler liess dieses Haus als zweistöckige Villa um 1870 im klassizistischen Stil erbauen. Im Hochparterre befand sich das Stoff-Manufakturwarengeschäft, im oberen Stock der Wohnbereich. Nun werden das Haupthaus, die Remise und der grosszügige Garten als Hotel mit 16 Zimmern samt gehobenem Restaurant genutzt.
www.auberge-langenthal.ch

(Silvia Schaub/Travelcontent)

Erstellt: 13.08.2019, 08:59 Uhr

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