Nostalgie oder Luxus: Neue Bahnangebote boomen

Zugreisen sind gefragt. Nun wurden gleich zwei neue Angebote für den wichtigsten Schweizer Tourismuspreis nominiert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Berner Kursaal werden am 12. November zum 20. Mal die Milestones vergeben, die wichtigsten Schweizer Tourismuspreise. Damit werden erfolgreich umgesetzte, innovative touristische Projekte ausgezeichnet. Ziel ist es, die Schweiz als Destination zu fördern, Wissen zu transferieren und die Tourismuswirtschaft zu unterstützen. «Nachwuchs», «Lebenswerk» und «Premiere» heissen die Kategorien, wobei mit dem 2018 erstmals vergebenen «Milestone Premiere» ein Projekt mit einem besonders originellen, überraschenden oder mutigen Ansatz anerkannt werden soll.

Der Hauptpreis aber wird für touristische Innovationen verliehen. Preisträger können Institutionen und Organisationen sein, Destinationen, Transport-, Gastro- oder Beherbergungsunternehmen. Bahngesellschaften geben sich derzeit besonders innovativ: Unter den acht Projekten, welche die Jury auf die Shortlist des diesjährigen Innovationspreises gesetzt hat, befinden sich gleich zwei spezielle Bahn-Angebote, ein luxuriöses und ein «kostenloses»: Der Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz ist wegen seiner neuen «Excellence Class» nominiert, die Rhätische Bahn für den Nostalgiezug, der im Sommer fahrplanmässig und ohne Aufpreis von Davos-Platz nach Filisur verkehrt.

Gery Nievergelt, Chefredaktor der «htr hotel revue» und Verantwortlicher für den Schweizer Tourismuspreis Milestone ist überzeugt, dass die Klimadebatte beim Entscheid, die beiden Angebote zu nominieren, eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Ausschlaggebend gewesen sei die Qualität. «Nicht zuletzt dank dem Swiss Travel Pass sind Bahnreisen durch die Schweiz auch bei Touristen zunehmend beliebt. Dabei ist es natürlich ein zusätzlicher Anreiz, wenn solche attraktive, innovative Angebote vorhanden sind», sagt Nievergelt.

Auch ausserhalb dieser exklusiven Liste potenzieller Preisträger gibt es Beispiele für besonders interessante Zugreisen in der Schweiz, von denen einige nur dank dem Einsatz enthusiastischer Freiwilliger zustande gekommen sind.

  • Exzellenz im Glacier Express
  • Der Glacier Express bei Hospental im Kanton Uri. Foto: PD

    Mit der «Excellence Class» hat der Glacier Express, der schon seit 1930 auf den Strecken der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Rhätischen Bahn unterwegs ist, zum ersten Mal im Schweizer Bahnverkehr ein Premium-Angebot geschaffen, vergleichbar der Business Class im Flugzeug: Die Gäste werden auf dem Perron begrüsst und während der ganzen, achtstündigen Bahnfahrt von einem Concierge betreut. Sie haben garantierte Fensterplätze und erhalten auf einem Tablet viele Tipps entlang der Strecke. Ihnen werden Champagner, ein 5-Gang-Menü mit Weinbegleitung, Kaffee und andere Getränke serviert, und es gibt, exklusiv für sie, an Bord eine «Glacier Bar». Für die Fahrt im Lounge Chair über 291 Brücken und durch 91 Tunnel zahlt man auf das Erstklass-Billett einen Aufpreis von 420 Franken pro Person – wenn man denn Plätze ergattern kann: Die «Excellence Class», welche zwischen März und Oktober verkehrt, war 2019 oft langfristig ausgebucht.
    glacierexpress.ch

  • Nostalgie bei der Rhätische Bahn
  • Täglich zwischen Mai und Oktober ersetzen vier historische Züge auf der 25 km langen Strecke von Davos-Platz nach Filisur die Standardzüge der RhB. Die Kompositionen bestehen aus, teilweise mehr als 100 Jahre alten, nostalgischen Bahnwagen der 1. und 2. Klasse und offenen Aussichtswagen. Gezogen werden sie von der legendären «Krokodil»-Lokomotive, die seit 1929 in Betrieb ist. Die Reise in die Vergangenheit, durch die wilde Zügenschlucht und über den Wiesnerviadukt, dauert 40 Minuten und ist für den normalen Ticketpreis zu haben. Stark gestiegene Frequenzen bestätigen den Erfolg des Projektes.
    rhb.ch

  • Belle Époque im Berner Oberland
  • In diesen Wagen reist es sich wie anno dazumal. Foto: PD

    Die teils sanfte, saftig grüne Hügel-, teils raue Berglandschaft zwischen dem Berner Oberland und dem Genfersee kann man seit mehr als hundert Jahren in Zügen der MOB, der Companie du chemin de fer Montreux Oberland Bernois erleben. In den modernen Panoramawagen, genannt «Goldenpass Panoramique», hat man eine besonders grosszügige Aussicht auf die Bergwelt. Doch seit einigen Jahren kann man auch reisen wie in den besten Bahnzeiten: Ein Zug mit Erst- und Zweit-Klasse-Wagen im Stil der Belle Époque, dem legendären Orient Express nachempfunden, und einem fahrenden Weinkeller lässt die Zeit Agatha Christies und Hercule Poirots auferstehen. Nur das kulinarische Angebot («auf Reservierung servieren wir Ihnen ein kaltes Essen am Platz») kann den Ansprüchen nicht ganz genügen.
    goldenpass.ch

  • Historische Bahnen im Jura
  • Auf dem Meterspur-Streckennetz der jurassischen Regionalbahn Chemins de Fer du Jura (CJ) über die ausladende Hochebene der Freiberge und die angrenzenden Täler verkehren in den Sommermonaten seit einem Vierteljahrhundert drei historische Züge nach einem festen Fahrplan. Das Depot und das Rollmaterial, restaurierte Dampflokomotiven und historische Bahnwagen, gehören der Aktiengesellschaft La Traction SA. Ein gleichnamiger Verein organisiert die Freiwilligen, welche die Züge betreiben und unterhalten. Die CJ sorgen für Verkauf und Marketing. Im Übrigen ergänzen die CJ das touristische Bahnangebot mit einem eigenen Nostalgiezug, der von einem elektrischen Triebwagen der ehemaligen Tramelan-Breuleux-Le Noirmont-Bahn aus dem Jahr 1913 angetrieben wird. An allen drei Endstationen, in Glovelier (JU), La Chaux-de-Fonds (NE) und Tavannes (BE), bestehen Anschlüsse an das Netz der SBB.
    la-traction.ch

  • Mit Dampf über die Furka
  • Ein Verein hat die Fahrt dieser Lokomotive ermöglicht. Foto: PD

    Diese Bahn sollte es eigentlich gar nicht geben: Im Winter 1981 wurde der Bahnbetrieb auf der Furka-Bergstrecke zwischen dem Wallis und Uri eingestellt, weil der Basistunnel eröffnet werden konnte. Doch Eisenbahnfreunde verhinderten den vorgesehenen Abbruch. Sie gründeten den Verein Furka-Bergstrecke (VFB) mit heute rund 8000 Mitgliedern und als Trägergesellschaft die Dampfbahn Furka-Bergstrecke AG (DFB), die heute eine eidgenössisch konzessionierte Bergbahn ist. dfb.ch

Erstellt: 01.11.2019, 16:03 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...