Strandgefühle in den Tiroler Alpen

Die Familienhotels Löwe & Bär in Serfaus bieten den Kleinen volles Programm – die Eltern können sich zurücklehnen. Die ganze Region hat sich auf Kinder ausgerichtet.

Hotelier Lukas Heymich erklärt das Erfolgsrezept der Familienhotels «Löwe & Bär» im österreichischen Serfaus. Video: Tamedia

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Es tut gut, den Sand unter den nackten Füssen zu spüren. Die Sonne wärmt die Haut. Und ein leichtes Lüftchen sorgt dafür, dass es nicht zu heiss wird. Aus den Lautsprechern ertönen Gitarrenklänge. Die beiden Töchter, drei- und sechsjährig, können nicht genug bekommen vom Hüpfen auf dem riesigen Trampolin. Endlich kann man das Buch über Achtsamkeit wieder einmal in die Hand nehmen, in dem man schon lange weiterlesen wollte. Und wer in die Höhe blickt, sieht die Berggipfel der Tiroler Alpen. Es sind diese Momente der Harmonie, die man sich von Ferien wünscht. Und die im hektischen Familienalltag dünn gesät sind.

Wir erleben sie im Hotel Bär in Serfaus, wo das Strandgefühl mit 1500 Quadratmetern Sand in die Bergwelt versetzt wurde. 2017 wurde der Beach-Club eröffnet, als zusätzliches Argument, um Gäste anzulocken. Das Hotel Bär thront über dem Dorf, das vom Tourismus lebt. Oder genauer: vom Familientourismus. Wir logieren im Schwesterhotel Löwe, fünf Minuten entfernt im Dorfkern. Doch wer in dem einen Hotel Gast ist, kann auch das Angebot des anderen nutzen. Löwe oder Bär – diese Frage stellt sich also nicht nur im Schweizer Eishockey. Der Löwe ist rustikaler und eher auf Babys und Kleinkinder ausgerichtet. Der Bär kommt moderner daher und ist geeignet für Kinder von drei bis zwölf Jahren. Der Standard ist in beiden Häusern hoch.

Die Anfahrt mit dem Auto dauert von Zürich knapp drei Stunden und führt durch unzählige Tunnel, ehe man sich den Berg hochschlängelt. Serfaus ist autofrei. Man braucht das Fahrzeug nur noch dann, wenn man darin lebensnotwendige Dinge wie einen Nuggi oder ein Nuschi vergessen hat. An der Réception werden wir freudig begrüsst und die Kinder mit Geschenken überhäuft. Die blauen Trinkflaschen sind bei ihnen auch heute noch beliebt.

Es wird geklettert, «gsändelet», geschminkt, gemalt, gebacken

Die ältere Tochter bleibt bei der Besichtigung des Spielparadieses gleich hängen, es wird gerade ein Kasperlitheater aufgeführt. Sie stösst erst zum Abendessen wieder zu uns. Wenn die Kinder glücklich sind, sind es auch die Eltern – heisst es. Und im Bär ist das Angebot für die Kinder reichhaltig. Die Jüngere ist zunächst fasziniert vom grossen Fuhrpark an Kinderwagen mit den dazugehörigen Puppen. Ein Kindertraum ist das fünfstöckige Bälleparadies mit Rutschen. Dazu werden täglich zahlreiche Aktivitäten angeboten: Es wird gebacken, gemalt, geschminkt, gebastelt, gespielt, getanzt, «gsändelet», geklettert. Und geprobt für die grosse Show vom Donnerstag.

Entspannung für Erwachsene: Sandstrand, Pool, Liegen mit Sonnenschirm. Foto: PD

Die Kinder können den ganzen Tag über im Spielparadies bleiben oder nach Belieben abgeholt werden. Auch für die Erwachsenen gibt es ein attraktives Programm mit Mountainbike- oder Segwaytouren, Yoga, Klettern oder Badminton. Wir nehmen es aber gemütlich. Auf eigene Faust erkunden wir etwa die Umgebung oder joggen auf dem «Weg der Verliebten», der unterhalb des Hotels beginnt und in eine giftige Steigung mündet. Nur zur Familienwanderung mit dem Rennen der gelben Plastikenten und zum abschliessenden Grillfest melden wir uns an. Das Rennen ist zu empfehlen. Es ist besser organisiert als manch eine Nachtübung der Schweizer ­Armee.

Apropos Schweizer. Sie sind im Bär gut vertreten, ja sogar in der Mehrheit. 65 Prozent der Gäste stammen im Sommer aus dem Nachbarland, rechnet Hotelier Lukas Heymich vor. «Der Anfahrtsweg ist kurz, und die Schweizer lieben die Tiroler Gastfreundschaft.» Im Winter sinkt der Schweizer Anteil auf ein Drittel. «Ihr habt ja auch grossartige Skidestinationen», weiss Heymich. Das Hotel hat sich auf die Klientel eingestellt. Im Fernseher in den geräumigen Zimmern sind SRF 1 und 2 zu empfangen. Am 1. August wird oben am Berg ein Fest veranstaltet und sogar der Rütlischwur nachgesprochen.

Spass für Kinder: Trampolin, Wasserrutsche, Sandspielplatz. Foto: PD

Auch kulinarisch wolle man den Schweizern gerecht werden, sagt Heymich. «Der Schweizer isst ja sehr gern ein gutes Stück Fleisch, beispielsweise ein Rindsfilet. Wir versuchen, das so oft wie möglich auf der Menükarte zu ­haben.» Auf gutes Essen wird ohnehin viel Wert gelegt. Beim Abendessen merkt man erst, wie bunt durchmischt die Kundschaft ist. Von Adiletten bis zu Abendkleidern ist alles zu sehen. Es herrscht eine friedliche Stimmung. Der Bär hat 61 Zimmer, der Löwe 73 – und damit überschaubare Grössen.

Das Konzept ist ein Segen für die drei abgelegenen Dörfer

Lukas Heymich und sein Bruder Charly führen die Häuser Löwe und Bär seit Herbst 2017 in dritter Generation. 1999 fusionierten die beiden Hotels und fokussierten auf Familien. Die treibende Kraft war Heymichs Onkel Franz Tschiderer, der auch Obmann des Tourismusverbands Serfaus-Fiss-Ladis war, ja immer noch ist. Die «Zeit» bezeichnete ihn als «Dr. Alpenkönig». Das Familienkonzept war für die drei abgelegenen Dörfer im Oberinntal auf 1400 Meter über Meer ein Segen, die Erfolgsgeschichte wird von Touristikern studiert.

Entscheidend sei, dass die ganze Region dieses Konzept mittrage, sagt Heymich. Überall sind Aktivitäten für Kinder zu finden. Das Prachtstück ist der Erlebnispark Hög, ein Spielplatz der Superlative an einem Bergsee mit Wasserlabyrinth, Trampolin, Geschicklichkeitsparcours, Bootsverleih und vielem mehr.

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Unsere ältere Tochter ist begeistert vom «Schneisenfeger», der Rodelbahn auf Schienen. «Noch schneller, noch schneller!», ruft sie immer wieder, als wir den Berg hinunterbrausen. Heymich wurde angefragt, ob er sich vorstellen könne, im Resort in Andermatt ein Familienhotel aufzubauen. Er sagte ab, weil er es als schwierig erachtet, ein solches als «Insel» zu betreiben, ohne die entsprechenden Aktivitäten in der Region.

Unsere Kinder kosten das Angebot aus. Es ist so viel los, dass sie sich kaum eine Verschnaufpause gönnen. Natürlich möchten sie den Kinoabend nicht verpassen; die Theateraufführung, für die sie in schöne Kostüme schlüpfen, wird nicht nur von den Eltern mit Spannung erwartet. Am letzten Abend ist die Dreijährige so müde, dass sie während des Abendessens einschläft, den Kopf auf die Tischplatte gelegt und eine kleine Packung Gummibärchen vor sich.

Diese Reise wurde unterstützt von Kinderhotels Löwe & Bär in Serfaus

Erstellt: 03.05.2019, 17:51 Uhr

Professionelle Kinder- und Babybetreuung

Anreise: Mit der Bahn via Buchs SG, Feldkirch bis Landeck, von dort mit dem Bus nach Serfaus. Mit dem Auto via Feldkirch und Landeck. Achtung: Vignette kaufen nicht vergessen, https://shop.asfinag.at. In Serfaus gilt ein Fahrverbot.

Unterkunft: Im Sommer kostet eine Woche im Löwe & Bär für Eltern mit zwei Kindern ab 2500 Euro. Darin enthalten sind die All-inclusive-Pension, professionelle Kinder- und Babybetreuung ab der ersten Lebenswoche von 8.30 bis 21 Uhr, die Benutzung aller Anlagen beider Hotels, die Animationsprogramme mit geführten Wanderungen und Touren sowie die Super-Sommer-Card für die kostenlose Benutzung der Bergbahnen und Busse.

Öffnungszeiten: Löwe & Bär sind im Sommer geöffnet vom 15. Juni bis 1. November.

Buchen: Tel. +43 5476 6058, www.loewebaer.com

Einrichtung: In beiden Hotels gibt es Indoor-Wasserwelten, Kinderparadiese mit 1000 m² grossen Spielflächen sowie eigene Theatersäle.

Allg. Infos: Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis;
www.serfaus-fiss-ladis.at

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