Vorhang auf für das swingende Hotel

Ess-Theater, Jazz-Bar und ein äusserst innovativer Direktor. Das Montana Luzern ist das «Hotel des Jahres 2018».

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Ein normaler Donnerstagabend, kurz nach 22 Uhr. Ich sitze am Schlagzeug und begleite fünf Profi-Musiker. Senioren, alle über siebzig Jahre alt. Trompete, Saxophon, Posaune, Kontrabass, Piano. Es swingt wie verrückt.

Die Menschen in der Bar sprechen, lachen und amüsieren sich. Sie trinken Bier, Whisky oder Gin Tonic. Dicht gedrängt stehen sie an der «Louis Bar», die Louis Armstrong gewidmet ist, oder direkt neben den swingenden Jazzern. Daneben in der «Hemingway Rum Lounge» raucht man edle Havannas – und fühlt sich in Chicago um 1930.

Jazzclub-Atmosphäre pur. Ich kenne viele Hotels in der Schweiz, in Europa, weltweit. Ich verbringe als Hoteltester mein halbes Leben in Hotelräumen. Doch es zieht mich immer wieder in dieses mächtig über dem See thronen-de Art-déco-Hotel in Luzern. Nicht bloss wegen der Jam Sessions und der einzigartigen Lage und Aussicht. Es ist diese spezielle Stimmung im Haus. Alles ist ein wenig anders als in anderen Hotels.

Nein, das Montana ist kein spektakulärer Ort. Es gibt verrücktere Hotels, wenn es um Design, Küche oder Wellness geht. Warum aber ist dieses 1910 eröffnete Haus mit seinen 62 Zimmern und Suiten, der mediterranen Küche von Johann Breedijk, der wunderbaren Terrasse mit einzigartiger Aussicht auf die Stadt Luzern, den Vierwaldstättersee und die Innerschweizer Berge so beliebt, ja begehrt?

Der Mann, der dieses Haus seit über zwanzig Jahren mit totalem Engagement und völliger Hingabe führt, prägt und stets weiterentwickelt, heisst Fritz Erni. Seit Jahren ist er einer der erfolgreichsten und innovativsten Hoteliers des Landes, ein Vorbild für ganze Generationen.

Das Montana ist eine einzigartige Erfolgsstory

Der ehemalige Hilton- und Mövenpick-Manager, der sein Hand-werk als junger Hotelier beim Hilton-Konzern in Kanada lernte und Mitte der Neunziger-Jahre die Schweizerische Hotelfachschule Luzern (SHL) als Vizedirektor führte, ist mehr als ein auf Umsatz, Rendite und Cashflow getrimmter und mit Diplomen dekorierter Hotelmanager. Er ist das pure Gegenteil davon, wobei man sagen muss, dass Ernis Montana auch betriebswirtschaftlich eine einzigartige Erfolgsstory ist – dank Fritz Erni und seinem hochmotivierten Team.

Damit wären wir bei einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Hauses: das Team. Erni schafft es seit Jahren, junge und talentierte Top-Leute – darunter auch viele Frauen in Kaderpositionen – an sein Hotel zu binden. Wie er das macht?

«Es sind vor allem die Mitarbeitenden, die das Hotel nachhaltig prägen. Ich bin echt stolz auf mein motiviertes und professionell arbeitendes Team. Meine Leute machen hier nicht einfach einen ausgezeichneten Job, wir wollen die Gäste begeistern und die Erwartungen übertreffen. Und das tun wir engagiert und leidenschaftlich. Mein oberstes Führungsprinzip lautet: Man muss die Menschen mögen», so Ernis Credo.

«Professionalität ja, aber es dürfen auch Fehler passieren, wir sind nicht immer perfekt.»Fritz Erni, Hoteldirektor

Dies betreffe Mitarbeitende genauso wie Gäste. Ja, Erni fordert viel von seinen Leuten, aber er fördert sie auch. Er gibt ihnen die «Bühne Montana», wo sie sich als Gastgeber inszenieren und entfalten können. Der Chef selbst sieht sich eher als Regisseur hinter dem täglichen Schauspiel, zuständig für Dramaturgie und Drehbuch. Die Inszenierung an der Hotelfront überlässt er seinem Team – ein weiteres Erfolgsrezept des charismatischen «Hotelier des Jahres 2017», der eigens für sein Haus so etwas wie Grundwerte definiert hat. Werte wie «lebendig», «innovativ», «emotional», «ehrlich», «natürlich» oder «mit Begeisterung». Jeder im Team kennt diese sechs Werte und ist verpflichtet, «täglich danach zu leben und zu handeln».

Und noch etwas: «Regisseur» Erni nimmt sich viel Zeit für seine Leute. Er führt die Crew allerdings nicht hierarchisch, so wie die meisten Hotelmanager, sondern mit grossem Vertrauen und «wie eine Kette». «Die Kette darf aber kein schwaches Glied haben, sonst reisst sie», ist Ernis Führungsphilosophie. «Professionalität ja, aber es dürfen auch Fehler passieren, wir sind nicht immer perfekt.»

Voller Ideen und Visionen: Hoteldirektor Fritz Erni.

Fritz Ernis Ideenreichtum – ein weiterer Erfolgsfaktor – scheint keine Grenzen zu haben. Er ist ein Macher, der erfolgversprechende Ideen sofort umsetzt und nicht ewig lamentiert.

Apropos Ideen: Er hatte die Vision von der ersten digitalen Küche Europas, nächstens folgt – nach der digitalen Zeitung auf den Zimmern – die digitale Weinkarte. Als in der Schweiz die Grenze von 0,5 Promille beim Alkoholkonsum eingeführt wurde, die Gäste verunsichert waren und die meisten Wirte und Hoteliers über rückläufigen Alkoholkonsum klagten, handelte Erni ­sofort – und installierte im Hotel Montana den ersten Promille-Testautomaten in einem Schweizer Hotel. Der Gast bläst ins Röhrchen und weiss sofort, wie viele Bierchen noch drinliegen. Fazit: Der Alkoholumsatz im Hotel Montana zeigt wieder steil nach oben.

Art déco als architektonisches Alleinstellungsmerkmal, Penthouse-Suiten mit luxuriösen Whirlpools, Beach-Club mit Miami-Feeling im Sommer, Wintergartengrill mit Käsehütte auf der beheizten Terrasse, Jazz am Donnerstag und «Good Oldies Nights» am (sonst ruhigen) Sonntagsabend – Fritz Ernis Ideen- und Innovationsliste ist lang. Und wird immer länger. So ist das Montana auch das erste Vierstern-Superior-Hotel der Schweiz, das gleichzeitig über Zimmer und Suiten im Fünfstern-Bereich verfügt. «Hotel im Hotel» nennt Erni dieses Konzept, das sehr erfolgreich ist.

Seit Jahren führt er zudem die sogenannten Crea Sessions durch. Dabei entwickeln vier bis sechs Mitarbeitende des Hotels Ideen und setzen diese dann um. Ein Beispiel? «Jeder kennt die amerikanische Fernsehserie ‹Sex and the City›. Wir bieten im Hotel ‹Spa and the City› an», erklärt Erni. «Dabei handelt es sich um einen Polterabend für Frauen, die heiraten. Die künftigen Ehefrauen und ihre besten Freundinnen treffen sich in einer der Spa-Suiten mit Whirlpool und eigenem Butler, wo sie ein Käferfest mit allem Drum und Dran veranstalten. Die Nachfrage ist gewaltig.»

Zum Jubiläum gabs für die Stammgäste einen Krimi

Das Montana war aber auch das erste Hotel in der Schweiz, das ein Ess-Theater veranstaltete. In dreizehn Jahren haben mehr als 30'000 Leute diese Inszenierungen besucht, Theaterstücke, die extra fürs Hotel geschrieben wurden. Das ganze Hotel als Theaterbühne. Und zum 100-Jahr-Jubiläum 2010 schenkte Erni allen seinen rund 300 Stammgästen einen Krimi in Buchform. Das Besondere daran: Der jeweilige Gast war in diesem Buch der personifizierte Hauptverdächtige in einem Mordfall, der sich im Hotel ereignete. Erni: «Das war ein Riesenerfolg. Man spricht heute noch davon.»

Die Liste der Ideen und Projekte, die Erni umgesetzt hat, liesse sich fast endlos weiterführen: der erste Kitchen Club Europas mit eigener TV-Sendung («Kitchen Date»), die exklusivste Whisky- und Rum-Sammlung der Zentralschweiz. «Ich stelle fest, dass sich unsere Gäste im Hotel ganz einfach wohlfühlen», resümiert er. «Das Hotel Montana ist ein Treffpunkt, wo ständig etwas passiert: Musik, Kochkurse, Jazz in der ‹Louis Bar›. Ein Hotel, das lebt. Und genau das lieben die Leute. Es herrscht hier eine positive Grundstimmung, die ansteckend wirkt.»

Irgendwie scheint Erni das Positive, das Lebensfreudige anzuziehen. Und so fügt er gleich noch eine Anekdote an. «Als das Hotel vor über zwanzig Jahren umgebaut wurde, arbeitete im Treppenhaus ein italienischer Maler. Während er die Wände mit grüner Farbe anstrich, sang er aus voller Kehle ‹O Sole mio› – und malte somit das wunderbare Lied an die Wände. Man sagt, das Lied ertöne noch heute im Treppenhaus ...»

Schön, dass es dieses «Hotel des Jahres 2018» gibt, geführt von «Fritz, dem Regisseur», einem der kreativsten und innovativsten Hoteliers der Schweiz. Deshalb: Vorhang auf für das swingende Art Deco Hotel Montana!

Hans R. Amrein ist Publizist, Buchautor und Hotelexperte. Von 2009 bis 2016 war er Chefredaktor der Fachzeitschrift «Hotelier». Heute arbeitet er als Hoteltester und Dozent.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 27.05.2018, 10:04 Uhr

Hotel des Jahres – die Jury

Zum 6. Mal erkürt die SonntagsZeitung das «Schweizer Hotel des Jahres». Gewählt wurde das Sieger-Hotel Montana in Luzern von einer Jury aus Persönlichkeiten aus dem Journalismus und der Reisebranche: Jürg Schmid, früherer Direktor Schweiz Tourismus; Silvia Affolter, Unternehmerin und TV-Journalistin; Karl Wild, Fachpublizist und Buchautor; Hans Amrein, Fachjournalist; Gery Nievergelt, Chefredaktor «Hotelrevue»; Christoph Ammann, Leiter Ressort Reisen «SonntagsZeitung» und Tamedia.

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