Wellness für werdende Eltern

«Babymoon» statt Flitterwochen: Viele Paare gönnen sich eine romantische Auszeit vor der Geburt. Das bringt auch Hotels in andere Umstände.

«Schwangere wollen keine konstruierte Sonderbehandlung», sagt Raimondo Sartorio über das Angebot seines Parco San Marco Lifestyle Beach Resort am Luganersee. Fotos: PD

«Schwangere wollen keine konstruierte Sonderbehandlung», sagt Raimondo Sartorio über das Angebot seines Parco San Marco Lifestyle Beach Resort am Luganersee. Fotos: PD

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Andere Umstände wecken andere Bedürfnisse: Bevor ihr Nachwuchs auf die Welt kommt, suchen heute viele Paare in Wellnesshotels nochmals entspannende Momente in trauter Zweisamkeit. Aufmerksame Betriebe haben diese Nachfrage längst erkannt und bieten mit sogenannten Babymoon-Arrangements (in Anlehnung an den Begriff «Honeymoon» für Flitterwochen) gezielt Aufenthalte für werdende Eltern an.

Sich noch einmal so richtig verwöhnen zu lassen mit speziellen Massagen, Behandlungen und Aktivitäten ist für die Hotelindustrie ein interessanter Markt, wie spezifisch ausgerichtete Plattformen zeigen: BabyMoon Travel zum Beispiel bieten eine Übersicht über Luxus-Babymoon-Angebote weltweit an, Babymoon-Hotels bündelt entsprechende Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ebenso New Life Hotels, wo zusätzlich italienische Betriebe aufgeführt sind.

«Nicht jede schwangere Frau braucht und will dasselbe.»Alexandre Spatz, Hotelier

Das Wellnesshotel Golf Panorama in Lipperswil TG führt seit 2012 ein Angebot für Schwangere: Unter dem Namen Schwangerschaft-Wellness können die Gäste ein Package mit zwei bis vier Übernachtungen buchen. Dazu gehören etwa Gesichtsbehandlungen oder Ganzkörpermassagen auf einer speziellen Massageliege für Schwangere; auch Entspannungsübungen, Yoga und ein Mehrgangmenü am Abend sind dabei.

Caroline und Alexandre Spatz hörten auf den eigenen Bauch.

Auf die Idee, ein Arrangement extra für Schwangere zu schnüren, kam das Direktorenpaar Caroline und Alexandre Spatz quasi aus eigener Not: als sie ihr erstes Kind erwarteten und selbst Hotelgäste waren. «Wir stellten damals fest, dass für Schwangere angepriesene Angebote meist einfach dem entsprachen, was für ein Wellnesshotel sowieso schon Standard ist – wie eine gut sortierte Teeauswahl zum Beispiel. Für meine Frau waren zudem viele der Anwendungen gar nicht möglich, weil spezifische Liegen für Schwangere fehlten», sagt Alexandre Spatz.

Massageliege für Schwangere im Golf Panorama.

Das Paar nahm seine Erfahrungen zum Anlass, sich dem Thema in ihrem Betrieb zu widmen und die Bedürfnisse von werdenden Müttern spezifischer herauszustreichen. Stichwort Tee: «Es kommt nicht bei allen Schwangeren gut an, wenn man ihnen als Erstes einen Tee anbietet, weil manche Frauen dies als Gleichsetzung mit Kranksein verbinden. Nicht jede schwangere Frau braucht und will dasselbe.»

Keine Schubladisierungen

Das Vier-Stern-Superior-Hotel geht deshalb so individuell wie möglich auf Babymoon-Gäste ein: Bei der Anreise werden Wünsche nachgefragt, und die Frau kann ihre Erwartungen und Anliegen mitteilen. Als das Hotel vor einigen Jahren versuchte, spezifische Gerichte für Schwangere zu konzipieren und entsprechend zu kommunizieren, kam das nicht gut an. Die Frauen schätzten zwar, dass auf sie eingegangen wird, aber das sollte im Haus nicht omnipräsent sein.

«Deshalb soll jeder das essen können, worauf er Lust hat. Niemand muss bei uns das Rindsfilet «well done» essen oder auf Alkohol verzichten. 99 Prozent der Schwangeren werden beim Welcomedrink zwar immer den Apfeltraubensaft und nicht den Apfelschaumwein wählen. Aber sie sollen beides zur Auswahl haben und die Entscheidung wie bei allen Gästen soll bei ihnen sein, ohne Schubladisierungen», sagt Alexandre Spatz.

Ohne konkrete Zahlen zu nennen, spricht der Gastgeber von einer «sehr grossen Nachfrage» des Babymoon-Packages – für das Hotel umso spannender, weil Schwangere meistens ihren Partner oder Freundinnen mit dabeihaben. Gerade Freundinnen-Gruppen buchen die Anwendungen zusammen und zelebrieren ihren Aufenthalt von A bis Z. Hier kommt es gemäss Spatz besonders gut an, dass das Hotel über eine spezielle Schwangerschaftsliege verfügt, auf der das Bäuchlein Platz hat und die Frauen mit ihrer Begleitung gleichzeitig Anwendungen geniessen können. Welche davon sich für Schwangere eignen, sind im Spa-Menü gekennzeichnet.

Babys sind die künftigen Stammgäste

Das Parco San Marco Lifestyle Beach Resort liegt direkt am Lago di Lugano in Cima (I). Nahe der Grenze und nur 20 Autominuten von Lugano entfernt, zählt der Betrieb mit 111 Suiten und Apartments auch viele Schweizerinnen und Schweizer zu seinen treuen Gästen – gerade auch Familien. Denn das Vier-Stern-Superior-Haus richtet sich seit seiner Eröffnung 1999 konsequent als Ferien- und Familienhotel aus und hat gemäss Analysen des Bewertungsmanagement-Tools Trustyou eine Gästestruktur von just 50 Prozent mit und 50 Prozent ohne Kindern.

Entsprechend positioniert sich das Haus mit seinen Angeboten: Drei Kinderclubs gehören etwa dazu, mit Aktivitäten wie Klettern, Kino, Yoga, gemeinsames Mittag- und Abendessen und Ausflügen. In der Restauration gibt es einen eigenen Bereich für Familien mit Kleinkindern bis zwei Jahre, einen für Familien mit grösseren Kindern und einen Bereich für Gäste ohne Kinder.

Mehr als vier Sterne am Himmel: Wellness & Spa im Parco San Marco.

«Es gibt Zeiten, da haben wir über 150 Kinder bei uns im Haus – und damit auch viele Mütter, die ihr zweites oder drittes Kind erwarten. Also ist es völlig logisch, dass wir unser Angebot auch für Schwangere gestalten, das haben wir von Anfang an getan», sagt Raimondo Sartorio, Direktor des Parco San Marco. Aber seit etwa sechs, sieben Jahren kommuniziert das Hotel dies auch stärker und hat damals erstmals ein entsprechendes Package geschnürt, «nachdem wir merkten, dass Babymoons vor allem in Österreich ein Thema sind und dort offensiver angeboten werden», so Sartorio.

Er beobachtet, dass gerade Frauen während ihrer ersten Schwangerschaft froh sind, wenn sie als Hotelgast bei Fragen und Unsicherheiten unterstützt werden und sich gut aufgehoben fühlen können. Das kann zum Beispiel mit einer Essensberatung oder -empfehlung durch das Küchenteam geschehen.

«Unsere Leute brauchen Einfühlungsvermögen.»Raimondo Sartorio, Hotelier

Das Babymoon-Package soll vor allem gegen aussen zeigen, dass das Hotel in diesem Bereich spezialisiert und erfahren ist und dass werdende Eltern willkommen sind. Und es dient der Imagepflege: «Interessant ist: Wenn Frischvermählte uns besuchen und Schwangere sehen oder Familien mit mehreren Kindern, ist das häufig ein Grund für sie, später in ähnlicher Situation wieder zu uns zu kommen», beobachtet Raimondo Sartorio.

Viele Paare kommen auch als Familie wieder nach Cima.

Im Spa- und Massagebereich bietet das Hotel Treatments auf speziellen Stühlen und Liegen an. Auch Sartorio betont: «Schwangerschaft ist keine Krankheit. Die Frauen wollen keine zu bemühte oder konstruierte Sonderbehandlung, aber sich natürlich ernst genommen und wohlfühlen.»

Wenn dies gelinge, werden diese Gäste oft zu wertvollen Stammkunden, die auch als grössere Familie hier Ferien verbringen werden. «Enorm wichtig ist hier auch die Schulung der Mitarbeitenden. Es braucht Empathie und Einfühlungsvermögen, denn jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft anders.» Zu seinem diesjährigen 20-Jahr-Jubiläum kann sich das Parco San Marco Resort bereits über einige Gäste freuen, die schon als zweite Generation ihre Ferien hier verbringen: «Sie waren als Babys schon hier und kommen jetzt mit ihrer eigenen Familie wieder», freut sich Raimondo Sartorio.

(Sabrina Glanzmann/Travelcontent)

Erstellt: 29.01.2019, 21:11 Uhr

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