Auf den Terrassen der Weingötter

Die Unesco hat in der Schweiz zwölf Orte aufgrund ihrer Einzigartigkeit mit dem Welterbe ausgezeichnet. Mit einem neuen Angebot lassen sie sich einfach entdecken, so auch das Weingebiet Lavaux am Genfersee.

Seit 2007 Teil des Unesco-Welterbes: Die Rebberge des Lavaux. Foto: Grégoire Chappuis

Seit 2007 Teil des Unesco-Welterbes: Die Rebberge des Lavaux. Foto: Grégoire Chappuis

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die drei Natur- und neun Kulturgüter des Unesco-Welterbes in der Schweiz haben den Besuchern viel zu bieten: bezaubernde Stadt­bilder, einmalige Landschaften, historische Vermächtnisse und verborgene Schätze. Viele Hinterlassenschaften sind unseren Vorfahren zu verdanken, aber auch die Natur hat dazu beigetragen, dass uns die Welterbesta?tten immer wieder faszinieren. Die Unesco als Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zeichnet Stätten, die wegen ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind, mit dem Titel Welterbe aus. Sie werden dafür von den Staaten vorgeschlagen, in denen sie liegen.

So zum Beispiel die Weinberg-Terrassen des Lavaux im Kanton Waadt. Dank einer Volksinitiative, lanciert durch den Umweltschützer Franz Weber, wurde das Lavaux seit 1977 durch die Waadtländer Verfassung geschützt. Und seit 2007 stehen die in den Hang gebauten Terrassen an den Ufern des Genfersees unter Unesco-Schutz und gehören somit zum Welterbe.

In 14 Dörfern finden sich 200 Winzer

Bereits im 12. Jahrhundert wurden hier auf engen, von Mauern gestu?tzten Terrassen Reben angebaut. Seither haben Generationen von Weinbauern dieses aussergewöhnliche Mosaik gehegt und gepflegt und auf ein ausgewogenes Zusammenspiel von Bewohnern und Umwelt geachtet. 200 Winzer in 14 Dörfern mit so klingenden Namen wie Epesses, St-Saphorin und Dézaley ziehen sich auf 40 Kilometern die ­steilen Ufer des Genfersees entlang. Mit rund 800 Hektaren ist das Lavaux eines der grössten zusammenhängenden Weinbaugebiete der Schweiz. Zahlreiche, oft sehr steile Wege und Strässchen führen durch die Terrassen, die den Winzern zum Arbeiten dienen, aber auch von Spaziergängern benutzt werden. Eine fast zwölf Kilometer lange Wanderung etwa beginnt im mittelalterlichen St-Saphorin, mit engen Gassen und charakteristischen Winzerhäusern ausgestattet, und führt bis nach Lutry.

In den Weinkellern der typischen Winzerdörfer können Geniesser feine Tropfen von der Chasselas-Traube, von denen es 19 Sorten gibt, verkosten. «Fast 80 Prozent der Winzer bauen hier Chasselas-Trauben an», sagt Marco Mouthon, einer der Welterbe-Wanderleiter, die durch die imposanten Terrassen führen. «Der Charakter der Traube ist eher mild, fast fad, sodass die unterschiedlichen Böden, das Klima und die Lage eines Terroirs gut zum Ausdruck kommen.» Mouthon kennt sie alle, die grossen und kleinen Geheimnisse der Gegend. Cully sei zum Beispiel der beliebte Marktort für die Winzer der Umgebung, wo man sich mit Speis und Trank ausrüsten und sein Picknick unter Schatten spendenden hundertjährigen Kastanienbäumen verzehren könne. Das Panaroma über den See ist grandios. Und jeden Sonntagmorgen findet ein Flohmarkt am Schiffsanlegesteg statt, der besonders bei Ausflugstouristen sehr beliebt ist.

Miniaturzüge in der grandiosen Kulisse

Eines der grösseren Weindörfer ist Chexbres, hoch oben am Hang. Auch hier laden die Gässchen zu Spaziergängen in den Weinterrassen ein, und hier wie auch in Cully winden sich Miniaturzüge durch die grandiose Kulisse – für alle, die sich die Strapazen einer Wanderung ersparen wollen.

Der Winzer Constant Jomini ist in Chexbres zu Hause. Der ­Ertrag seiner 4,5 Hektaren ergibt 45'000 Flaschen Wein, also eine Flasche pro Quadratmeter. «Die Rebstöcke stehen auf Granitböden, was sehr körperreiche Qualitäten hervorbringt», erklärt er stolz. Die Palette seiner Chasselas-Weine sei daher sehr facettenreich. Zur Bestätigung serviert er einen Mur blanc, der mit seiner vollen kräftigen Note wahrlich köstlich mundet. Jomini produziert aber auch 50 Prozent Rotwein, Pinot noir und Merlot etwa, der viel Zuspruch findet. Gern öffnet Jomini seine Türen für Touristen. «Die Gäste lieben es, unterschiedliche Weine zu degustieren.» Bis jetzt bieten zehn weitere Winzer ein ähnliches Angebot an. Weitere werden mit ­Sicherheit folgen.

In Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Unesco-Welterbe-Ticket. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 29.06.2018, 14:47 Uhr

Unesco-Welterbe-Ticket

Das neue Unesco-Welterbe-Ticket, das man über die Website www.whes.ch/ticket buchen kann, bietet attraktive Angebote und lässt die Gäste mit Führungen oder Museumsbesuchen in die einzelnen Welterbestätten eintauchen. Oft profitiert der Besucher beim Kauf des Tickets von Vergünstigungen und Mehrwerten.

Drei Burgen von Bellinzona Die Burgen Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro lassen das Mittelalter aufleben.

Altstadt von Bern Im mittelalterlichen Kern der helvetischen Bundesstadt finden spannende geführte Besichtigungen statt.

Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bergün Die Strecke ist ein atemberaubendes bahntechnisches Meisterwerk. Spannende Einblicke gewährt das Bahnmuseum Albula in Bergün

Lavaux, Weinbergterrassen Hier gibt es sonntägliche Führungen durch die Weinberge, inklusive Weinprobe.

La Chaux-de-Fonds/Le Locle, Stadtlandschaft Uhrenindustrie Stadtführungen beider Städte zeigen die gelungene Symbiose zwischen Urbanistik und Uhrenindustrie.

Monte San Giorgio Das in Meride ansässige Fossilienmuseum zeigt versteinerte Fische und Meeresreptilien.

Swiss Alps Jungfrau-Aletsch Das interaktive World Nature Forum in Naters präsentiert die einzigartige Bergwelt.

Stiftsbezirk St. Gallen In dem historischen Ensemble mit Kathedrale, Altstadt und Bibliothek sind Geist und Schönheit im Einklang.

Tektonikarena Sardona Gewaltige Aussichten und Ein­blicke in die Entstehung der Alpen gibt es auf dem Pizol-Panoramahöhenweg zu erleben.

Kloster St. Johann in Müstair Seit 1241 Jahren leben in diesem Kloster Benediktinerinnen und Benediktiner. Sie geben Einblick in ihr Leben.

Prähistorische Pfahlbauten im Museum Laténium Das grösste Archäologiemuseum der Schweiz bietet eine Reise durch 50'000 Jahre Geschichte von der Eiszeit bis ins Mittelalter.

Allgemeine Infos www.whes.ch

Artikel zum Thema

Winzerfest in Vevey ist Unesco-Welterbe

Das Winzerfest in Vevey zählt neu zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco. Der Anlass findet zum nächsten Mal im Jahr 2019 statt. Mehr...

Die Schweiz erhält neuen Welterbetitel

Die Unesco hat die Schweizer Pfahlbauten als Weltkulturerbe anerkannt. 15 Kantone werden somit zusätzlich mit dem Label versehen. Das Land zählt somit schon elf Weltkulturstätten. Mehr...

Waadtland will das Lavaux retten

Das Kantonsparlament bringt die Initiative zu einem strengen Baugesetz in der Weinregion vors Volk – gegen die Bedenken der Regierung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Wie geht Sommer?

Geldblog Bossard kann mit dem lahmen Tesla umgehen

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Umstrittene Tradition: Der spanische Matador Ruben Pinar duelliert sich am San Fermin Festival in Pamplona mit einem Stier. (14. Juli 2018)
(Bild: Susana Vera ) Mehr...