Auge in Auge mit dem König der Alpen

Bei Pontresina lebt eine grosse Steinbock-Kolonie. Im Frühling wagen sich die Tiere bis ins Dorf, wo sie aus der Nähe beobachtet werden können.

In der Schweiz leben heute rund 15’000 Steinböcke, davon ungefähr 1800 im Val Languard. Foto: Istock

In der Schweiz leben heute rund 15’000 Steinböcke, davon ungefähr 1800 im Val Languard. Foto: Istock

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Der Frühling steht in Pontresina ganz im Zeichen des Steinbocks: Oberhalb des Dorfes, im Val Languard, lebt eine der grössten Kolonien im Alpenraum. Jeweils zwischen Mitte März und Anfang Juni, wenn in den hochalpinen Lagen noch Schnee liegt, die Wiesen im Tal jedoch bereits grünen, kommen die Tiere auf der Suche nach Nahrung bis ins Dorf herunter, wo sie sich beim Weiden oder spielerischen Kämpfen mühelos beobachten lassen.

Für viele Gäste ist dies ein einmaliges Naturschauspiel, für die Einheimischen ein wiederkehrendes Highlight. So berichten Dorfbewohner, dass sie schon bis zu 30 Tiere auf einer Wiese am Dorfrand gezählt hätten.

Familientaugliche Erlebniswelt

In der Schweiz leben heute schätzungsweise rund 15’000 Steinböcke, davon etwas weniger als die Hälfte im Kanton Graubünden und rund 1800 im Val Languard. Die Kolonie am Piz Albris gilt als schweizweit einzigartig.

Nachdem das Steinwild zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter anderem wegen der vermeintlichen Heilkräfte von Hörnern und anderer Körperteile landesweit ausgerottet war, wurde es ab 1920 im Engadiner Nationalpark wiederangesiedelt, was zur Entstehung der Albris-Kolonie oberhalb von Pontresina führte.

Zu Ehren des Bündner Wappentieres eröffnete die Oberengadiner Gemeinde 2017 die Erlebniswelt «Steinbock-Paradies Pontresina». Neben einer kinderwagenfreundlichen Themenpromenade nahe dem Dorf mit unterhaltsamen Informationen zu Charakter, Lebensraum und Verbreitung der Tiere gibt es auf der Alp Languard eine Galerie und einen Spielplatz:

Direkt neben der Sessellift-Bergstation auf 2332 Meter über Meer können Kinder einen Wettkampf gegen den geschickten König der Alpen antreten. Mit dem «Steinbock-Pass» erhalten Gäste auf spielerische Weise Tipps für Routen und Hütten im Gebiet. Denn sobald die Temperaturen steigen, ziehen sich die Tiere wieder in höhere Gefilde zurück, wo man sie mit etwas Glück am Schafberg oder auf dem Pass Fuorcla Pischa vom Wanderweg aus beobachten kann.

Kostenlose Führungen mit einheimischen Experten

Um Steinwild zu erspähen, braucht es viel Geduld und geübte Sinne. Mit ihrem graubraunen Fell sind die Tiere in der alpinen Umgebung oft nur schwer erkennbar. Der einheimische Wanderleiter und Bergführer Marco Salis, der uns von der Alp Languard nach Muottas Muragl begleitet, macht uns auf einen strengen Geruch und das Rascheln von Zweigen aufmerksam. Und tatsächlich: Nur wenige Meter vom Höhenweg entfernt, ragt hinter einem Felsen ein majestätisches Gehörn von fast einem Meter Länge hervor.

Ein paar Minuten später zeigt sich ein Prachtexemplar von einem Steinbock in seiner vollen Grösse. «Ein altes Tier», erklärt Salis nach einem prüfenden Blick durch sein Spektiv. Dies sei an den zahlreichen Knoten im Horn erkennbar – bei genügend Nahrung gebe es durchschnittlich zwei pro Jahr.

Wie ihr Mann bietet auch Christine Salis fachkundige Steinbock-Exkursionen an. Wer die Steinböcke direkt hinter Pontresina im Frühling zusammen mit der erfahrenen Wanderleiterin beobachten will, kann ab dem 23. April bis Anfang Juni jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag vor Ort eine Führung buchen. Die Teilnahme ist kostenlos (Anmeldung erforderlich). (Nicole Demarmels/Travelcontent)

Erstellt: 01.04.2019, 15:12 Uhr

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