Der Dresscode auf La Palma

Auf der kleinen Kanareninsel wissen die Leute, wie man prächtige Feste feiert.

Die Bajada de la Virgen de las Nieves wird nur alle fünf Jahre begangen. Foto: Orietta Gaspari (iStock)

Die Bajada de la Virgen de las Nieves wird nur alle fünf Jahre begangen. Foto: Orietta Gaspari (iStock)

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Manchmal sitzt er einfach da. Am liebsten auf der Holzbank im Schatten des Rathauses. Sein Blick fällt auf die Hauptstrasse durch das Zentrum von Santa Cruz de la Palma – und hinüber zur Plaza de España. Dort steht Victor Díaz dann auf einem Podest, wenn im Winter auf der Kanareninsel La Palma Karneval gefeiert wird. Victor, den sie nur Sosó nennen, gibt seit 20 Jahren die Hauptfigur, die Negra Tomasa. Als rundliche, schwarze Bardame verkleidet, steht er da, inmitten feiernder Palmeiros.

Und rundherum bewerfen die sich mit Säckchen mit Talk. Staubig weiss färbt sich die ganze Kleinstadt. Auch der Dresscode: weiss. Eine Parodie auf die nach La Palma zurückkehrenden Auswanderer mit Kleidern im Kolonialstil. Aus allen Dörfern werden die Menschen mit Extrabussen in die Hauptstadt gefahren, auf jedem Platz, so klein er auch sein mag, tanzen sie, «von 9 Uhr morgens bis Mitternacht», schwärmt Sosó.

Der Karneval. Für Sosó (76) die schönste Jahreszeit auf La Palma. Und weil er sichergehen will, dass ihm der Besucher glaubt, folgt die Einladung prompt, bei nächster Gelegenheit live dabei zu sein. Schlafen könne man gerne bei ihm und seiner Familie – allzu viele freie Hotelzimmer hat es ohnehin nicht auf der drittkleinsten der sieben Kanarischen Inseln. Am Karneval sind es noch weniger. Gegen 70'000 Menschen feiern jedes Jahr den Karneval in Santa Cruz, Einwohner hat die Stadt 16'000.

Mit Kreuz und Gefängniskugel

Ja: Sie mögen Feste, die Palmeiros, nur schon der Karneval hat es in sich. Und während der Karfreitagsprozession versammeln sich die Menschen wieder in Scharen in Santa Cruz, um das wichtigste religiöse Fest der vornehmlich ­katholischen Insel zu begehen. Barfuss, mit einem Kreuz auf dem Rücken und einer Gefängniskugel am Fuss, schleppen sie sich durch die Altstadt. Schmerz und Trauer stehen diesmal über allem: Die Frauen sind gänzlich in Schwarz gekleidet.

Der festive Höhepunkt allerdings ist die Bajada de la Virgen de las Nieves – die Herabkunft der Jungfrau vom Schnee. Alle fünf Jahre wird das hohe kirchliche Fest begangen, letztmals vor zwei Jahren, und fast täglich findet in Santa Cruz zwischen Juni und August eine Parade, ein Konzert oder eine Trachtenveranstaltung statt. Den Namen hat das Fest von der mehrstündigen Prozession selbst, bei der ein Marienbildnis in einer Sänfte von der Kirche Las Nieves hoch über Santa Cruz die knapp sechs Kilometer bis hinunter in die Hauptstadt getragen wird. Nach einem Monat erfolgt – wieder begleitet von Tausenden – die Rückkehr.

Alle fünf Jahre in die Heimat

Die Bajada geht zurück auf eine Dürre im 17. Jahrhundert, und die Prozession war damals der Versuch, eine Missernte zu verhindern – es regnete daraufhin. Das Fest wird deshalb seit 1680 abgehalten. Heute ist es nicht zuletzt die Gelegenheit für Palmeiros auf der ganzen Welt, die alte Heimat zu besuchen. 300'000 Besucher wurden 2015 registriert, viele aus Südamerika, wohin deren Vorfahren ausgewandert waren. Auch zu Kuba sind die Bande eng. Die Negra Tomasa, am Karneval durch Sosó verkörpert, ist einer Kubanerin nachempfunden.

Welche Herzensangelegenheit die Bajada de Virgen de las Nieves für die Menschen auf La Palma ist, zeigt sich in der Hektik, die vor dem Fest ausbricht: Jedes Haus im Zentrum von Santa Cruz wird vom Eigentümer für den Anlass frisch gestrichen. Es verleiht der Stadt deshalb einen stets sauberen Eindruck. Dass den Palmeiros dieser Eindruck wichtig ist, zeigte sich vor zwei Jahren: Ein Hausbesitzer war verreist und hatte vergessen, sein Haus an der Hauptstrasse vor der Abreise neu zu streichen. Die Stadtverwaltung reagierte kurzerhand: Sie liess ein riesiges Poster anfertigen, das über die gesamte Fassade gezogen wurde.

Die Reise wurde unterstützt von Hotelplan Suisse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.08.2017, 22:50 Uhr

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