Der letzte Kick

Im Quellenhof im Grand Resort Bad Ragaz sollen sich Gourmets und Fussballer gleichermassen zu Hause fühlen.

Im Restaurant Memories kocht das Team von Sven Wassmer praktisch mitten in den Gästen.

Im Restaurant Memories kocht das Team von Sven Wassmer praktisch mitten in den Gästen.

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Das extravagante Möbel steht in der King Suite des Grandhotels: ein Töggelikasten mit durchsichtigem Boden, die an Querstangen aufgereihten Kicker aus hellem und dunklem Edelholz. Die Bälle landen nicht in Kunststoffbehältnissen, sondern in den Netzen von zwei putzigen Toren. Ob die Herrschaften, die für die geräumige Bleibe in der zweiten Etage 9000 Franken pro Nacht (Butlerservice inklusive) berappen, die Musse zum Tischfussballspiel finden, ist ungewiss. Die solventen Gäste könnten es sich auch in einer der Sitzgruppen vor einem riesigen Bildschirm gemütlich machen, am Konferenztisch Geschäfte abschliessen oder von der neuen Terrasse den Blick über Bad Ragaz ins Liechtensteinische oder nach Vorarlberg schweifen lassen.

Die grösste Suite hat wie die gesamte Nobelherberge in den vergangenen fünf Monaten eine Metamorphose erlebt: Das beste Hotel in Bad Ragaz wurde für 45 Millionen Franken umgebaut und renoviert. «Jetzt sind wir bereit, ein neues Zeitalter in der Schweizer Luxushotellerie mitzugestalten», sagt Marco Zanolari, der junge General Manager.

Nicht nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach St. Moritz

Das frisch getrimmte 98-Zimmer-Haus ist unbestrittenes Aushängeschild des Grand Resort Bad Ragaz, das fünf Hotels, elf Gastronomiebetriebe, eine Therme, zwei Golfplätze und ausgedehnte medizinische Einrichtungen umfasst und der Industriellenfamilie Schmidheiny gehört. Rechtzeitig zum 150. Geburtstag wurde der Quellenhof am 1. Juli wiedereröffnet. Während Zanolari in der grosszügigen, neu gestalteten Lobby seine Visionen erläutert, setzt sich eine ältere Dame an den Nebentisch. Sie staunt über die blauen, weissen und transparenten Kugeln, die an einem 16 Meter langen Strang im historischen Treppenhaus von der Decke hängen. Die Stammkundin beäugt den gläsernen Weinkeller, der sich mit der Bar im neuen Restaurant Verve by Sven zu einem Oval fügt, und sie wird sich später über die Hightech-Klimaanlage im Zimmer freuen. «Wie gefällts Ihnen, Frau Doktor?», fragt der Hotelchef. «Schön geworden», lautet die Antwort. Wie zur Bestätigung von Zanolaris Intention, das Hotel als Dreigenerationenhaus zu positionieren, beschwatzt ein kleiner Italienerjunge seine Eltern, und auf dem Weg zum Mittagsbuffet passieren sportliche junge Männer in kurzen Hosen die zentrale Réception, die neu den Check-in-Prozess für drei Hotels regelt – es sind die Fussballer des Premier-League-Clubs West Ham United, die sich hier auf die neue Saison vorbereiten. Im Bestreben, das 280-Zimmer-Resort weiter zu öffnen und die Jahresauslastung zu steigern, setzt Zanolari auf die Kraft des Fussballs. Partnerclub St. Gallen bezog im Juni sein Trainingscamp am Fusse des Pizol, demnächst reisen Trainer Lucien Favre und Borussia Dortmund an. «Aktuell beherbergen wir drei oder vier Fussballteams pro Jahr», sagt Hotelchef Zanolari, «perfekt wären sieben Mannschaften.» Nachdem sich die Pläne des Grand Resort, einen eigenen Fussballplatz zu bauen, zerschlugen, steht eine Beteiligung am Ausbau der Sportanlage des lokalen FC zur Diskussion.

Der neue Quellenhof soll aber auch vermehrt Wellness-Gäste aus dem Grossraum Zürich anziehen: «Bad Ragaz ist definitiv eine eigene Destination und nicht nur eine Zwischenstation auf der Reise nach St. Moritz», betont der General Manager, der seit fast drei Jahren hier arbeitet.

Was man aus einem faserigen Kopfsalat-Blatt zaubern kann

Eine entscheidende Rolle spielt die Gastronomie. Schlüsselfigur der Kulinarik-Destination ist der 33-jährige Sven Wassmer, ein smarter Star der Branche, von «Gault Millau» geadelt. Wassmer erkochte zuletzt in Vals GR zwei «Michelin»-Sterne und 18 «Gault Millau»-Punkte, er steht für eine freche Küche und ist im Namen der beiden neuen Restaurants im Quellenhof präsent. Im Gourmetlokal Sven Wassmers Memories hebt er dank einer ausgeklügelten Showküche alle Schranken zwischen Köchen und Gästen auf, im Verve by Sven kreieren der gebürtige Fricktaler und sein Küchenchef Sebastian Titz gesunde, hochwertige Gerichte. Wassmer beherrscht eine Disziplin, die den wahren Meister vom Mittelmässigen unterscheidet: Er zaubert aus Gewöhnlichem sehr Ungewöhnliches. Ein Beispiel von der Verve-Karte: «Normalerweise entsorgt die Hotelküche die äusseren faserigen Blätter eines Kopfsalates», erzählt Wassmer. «Wir blanchieren diese Blätter und verfeinern sie mit etwas Rahm zu einer Mousse. Zusammen mit dem zarten Rest des Salates, eingelegtem Gemüse, Sbrinzdressing und Sonnenblumenkernen entsteht eine wunderbare, leichte Vorspeise.» Der Salat stammt aus dem Rheintal, Wassmer hat ein enges Netz regionaler Lieferanten gespannt, pflegt aber keine Dogmen: «Ich verwende sehr gerne Bioprodukte. Doch am Schluss zählt allein die Qualität.»

Grand Resort Bad Ragaz, DZ im Quellenhof *****S, ab 890 Fr. Restaurants: Verve by Sven, tägl. geöffnet, Memories, Di–Sa ab 19 Uhr; www.resortragaz.ch



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Erstellt: 13.07.2019, 16:20 Uhr

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