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Der Springer und die Schlange

Die Bergisel-Schanze von Innsbruck ist eine Touristenattraktion – nicht nur dank der kühnen Architektur von Zaha Hadid.

Bergisel-Schanze: Springerhochburg und Panoramarestaurant mit Blick auf Innsbruck und die Täler. Foto: Getty Images
Bergisel-Schanze: Springerhochburg und Panoramarestaurant mit Blick auf Innsbruck und die Täler. Foto: Getty Images

Wäre Thomas Ortner ein Überflieger, so segelte er weit hinunter bis zur Basilika «Unserer Lieben Frau unter den vier Säulen» und in den benachbarten Friedhof. Aber der 22-jährige Student ist nur ein bescheidener Show-Skispringer mit Arbeitsort Bergisel-Schanze. Er brachte es zwar in seinem Sportlerleben nie in ein nationales Kader des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), trotzdem gehört sein Leben neben dem Betriebswirtschaftsstudium an der Inns­brucker Uni ganz dem Skispringen.

Im Winter und im Sommer erfreut der gebürtige Kärntner als Showspringer das zahlende Publikum. Neben der Schattenberg-Schanze in Oberstdorf und der ­legendären Holmenkollen-Anlage von Oslo ist die Bergisel-Schanze die einzige der Welt, die touristisch vermarktet wird – und fern von Wettkämpfen und Trainings nicht im Dämmerschlaf versinkt.

2003 wurde die neue Schanze vollendet; heute besitzt das Werk der Londoner Star-Architektin Zaha Hadid (gestorben 2016) längst Ikonen-Status. «Neben dem Goldenen Dachl», sagt Thomas Ortner, «ist die Schanze Innsbrucks berühmteste Sehenswürdigkeit.» Schlangengleich windet sich der Sprungturm in die Höhe und sieht je nach Perspektive unterschiedlich aus. Das gläserne Panoramarestaurant, bequem mit einem Schräglift zu erreichen, ist bekannt für üppige Brunchs und leckere Desserts.

Mit langen Latten segeln

Thomas Ortner hat heute sprungfrei. Gleichwohl steht er auf dem Springerbalkon, der an der Schanze klebt. Ein paar Stufen führen zum Einstieg und zu den ins Eis gefrästen Anlaufspuren. Sie ziehen sich im 35-Grad-Winkel 90 Meter hinunter zum Schanzentisch. Von hier aus segelt der Springer ins Bergisel-Stadion.

Weit über 20'000 Zuschauer finden auf den Rängen Platz, bei einem Papstbesuch vor 30 Jahren kamen 80'000.

Im Sommer fegen die Springer auf der Schanze über nasse Keramikplatten und landen auf Matten aus Kunststoff. «Erstaunlich viele Besucher kommen zu unseren Showspringen», freut sich Thomas Ortner. «Ich habe schon Spanier oder Australier getroffen, die ganz vernarrt in unseren Sport waren.»

Video: Bergisel-Schanze/Youtube

In einer Ecke des Balkons stehen die 247 Zentimeter langen Ski. Ortner zeigt, wie man die Schuhe in die ausgeklügelte Bindung fädelt, und holt seinen Springeranzug aus der Sporttasche. Wir haben uns eine Art Neoprenhülle vorgestellt, aber der Anzug ist erstaunlich dick und besteht aus zwei Schichten Schaumstoff. Etwa 2000 Euro kostet die Ausrüstung für einen Showspringer.

Ortners Augen leuchten, wenn er von seinem Sport erzählt. Ob der Skispringer nie Angst vor dem Sprung habe, fragen wir schüchtern. «Nein, nie», behauptet der drahtige Flieger. Schon als Zwölfjähriger wäre er gerne vom Bergisel gesegelt, musste sich aber noch vier Jahre bis zum grossen Moment gedulden. Thomas Ortner hatte sich früh dem Skispringen zugewandt und allmählich seine Eltern angesteckt. Vater Dietmar ist heute Obmann der «Klagenfurter Schisprung-Gemeinschaft», Mutter Evelyne betreut den Sohn schon mal als Trainerin auf dem Sprungturm.

Unter der Schanze braust der Verkehr

Von der Hadid-Schlange aus bietet sich ein berauschender Blick über Innsbruck, links ins Tiroler Oberland, rechts Richtung Stubaital. Im Tunnel tief unter der Schanze braust der Verkehr in Richtung Brenner, auf der anderen Talseite ragen die Kalkzacken der Nord­kette in den Winterhimmel.

Innsbruck liegt zwar nur auf 575 m ü. M., aber die Olympiastadt von 1964 und 1976 ist ein perfekter Ort für Schneesportler. Busse und Bahnen bringen Ski­fahrer und Boarder in neun Ski­gebiete – zum Stubaier Gletscher, in die Axamer Lizum oder zum Patscherkofel, wo Bernhard Russi vor 41 Jahren in der letzten Kurve Olympiagold in der Abfahrt an Franz Klammer verlor.

Vom Innsbrucker Zentrum aus gleiten eine Standseilbahn und dann eine Gondel in einer halben Stunde zur Seegrube auf 1905 m ü. M. Kein Problem für einen Citybummler, den Nachmittagskaffee in hochalpiner Ambiance zu geniessen und dabei das Treiben auf der Piste zu beobachten. Und rüberzulinsen zum Bergisel: Mit einem sehr guten Feldstecher sieht man vielleicht Thomas Ortner, wie er mit Tempo 90 über die Schanze saust und durch die Lüfte fliegt.

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Die Reise wurde unterstützt von der Österreich-Werbung.

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