Die Herrin der Problemzonen

Die Spa-Leiterin des Grand Hotel Kronenhof in Pontresina weiss genau, wie sie Frauen und Männer anpacken muss.

Spa-Manager des Jahres Nadine Böning Soares am Indoor-Pool: Mit der «Kraft der Alpen». Foto: Nicola Pitaro

Spa-Manager des Jahres Nadine Böning Soares am Indoor-Pool: Mit der «Kraft der Alpen». Foto: Nicola Pitaro

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Die Russinnen wollens straff, die Italienerinnen bevorzugen kräftige Frauenhände, und die Männer suchen den schnellen Erfolg: Nadine Böning Soares, die Spa-Leiterin des Grand Hotel Kronenhof in Pontresina, kennt die Wünsche ihrer Kundschaft – oder findet selber heraus, wo deren ganz persönliche Problemzone liegt. Und vor allem: Wie diese behoben werden kann.

Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» hat der 39-jährigen Deutschen dafür auch den Titel «Spa Manager 2016» verliehen. Und ehrte sie mit den Worten: «Im Kronenhof kann der Gast dank Nadine Böning Soares in wenigen Tagen von seinem Stress-Level herunterkommen und die innere Balance wiederfinden.» Tatsächlich könne sie zwar alles, sagt sie – «Kosmetik, Massage, Pedicure, Manicure» –, habe aber kaum mehr Zeit, selbst Hand anzulegen.

Nadine Böning Soares führt ein Team von Kosmetikerinnen, medizinischen Therapeuten, Masseurinnen, dem Bademeister und einer Personal Trainerin im Fitnessbereich – bis zu zwölf Personen. Gute Mitarbeiter zu finden, sei die grösste Herausforderung, sagt die Chefin, denn «das Team ist die Seele jedes Spa». Leidenschaft für den Beruf und Herzlichkeit im Umgang mit den Gästen, das erwartet sie auch von ihren Angestellten.

Sie bietet einen gesunden Ingwertee an, spricht mit sanfter Stimme. Nadine Böning Soares ist quasi die Visitenkarte des Kronenhof-Spa: schwarze Hose, schwarze Bluse, goldenes Namensschild. Die Fingernägel kurz, weinrot lackiert, die neueste Herbstfarbe, als Inspiration für die Kundin. Das Make-up ist dezent, in den Ohrläppchen stecken Perlen, am Finger der Ehering – die Spa-Leiterin fügt sich bestens ins diskret-luxuriöse Ambiente ein. Schlicht, aber stilvoll – und selbstverständlich: gepflegt.

Sie ist stets an der Front, begrüsst den Hotelgast, stellt viele Fragen: «Was wollen Sie mit der Behandlung erreichen? Wie möchten Sie sich hinterher fühlen? Entspannt, gelockert oder energiegeladen?» Die meisten Gäste stammen aus der Schweiz, Deutschland und Italien, sind in der Regel ab 40 Jahre alt – und haben viel, viel Geld. Vor ihr sind sie alle gleich: im weissen Bademantel, an den Füssen weisse Schlarpen. Doch obwohl ihr manch ein Stammgast das Du anbietet, nie würde sie eine Kundin duzen: «Um Gottes willen, nein!» Auch wenn ihre Beziehung zum Gast sicher intimer sei als beispielsweise jene des Frühstückskochs.

Ehrliche Berührung spüren und sich fallen lassen

Leise Klänge, gedämpftes Licht, Kerzlein brennen, ein dezenter Wohlgeruch liegt in der Luft, weisse Lilien schmücken die elegante Spa-Réception. Eine Etage tiefer schwimmen die Gäste im 20 Meter langen Indoor-Pool den Engadiner Bergen entgegen. «Ich habe bestimmt den schönsten Arbeitsort im Hotel», sagt die Spa-Leiterin. Ursprünglich hat Nadine Böning Soares Kosmetikerin gelernt, den Traum eines eigenen Studios hatte sie nie. Sie hat sich in die ­Luxus-Hotellerie hochgearbeitet. Und hier will sie bleiben.

Seit das 2000 Quadratmeter grosse Kronenhof-Spa vor zehn Jahren eröffnet wurde, führt die Deutsche das Wohlfühlteam. Die 13 Therapie- und Behandlungsräume stehen auch externen Gästen offen. Die meisten entscheiden sich für die «individuelle Massage», 50 Minuten für 160 Franken. Um sich von den fachlichen Qualitäten einer Masseurin überzeugen zu lassen, legt sich die Chefin auch selber auf den Schragen: «Ich muss die Hände spüren; wenn das ganz tolle Hände sind, wenn der Funke überspringt, hat sie mich überzeugt.»

Das Kronenhof-Spa wirbt mit der «Kraft der Alpen», verspricht «exklusive Behandlungen und hochwertige Pflegeprodukte». Nadine Böning Soares weiss aus Erfahrung: Der Frau gehe es nicht nur ums rein Äusserliche. «Die Kundin will eine ehrliche Berührung spüren. Eine relaxte Stunde geniessen, sich fallen lassen.» Mentale Entspannung, zur Ruhe kommen, werde in der heutigen, rastlosen Zeit immer entscheidender. «Daher ist es umso wichtiger, un­sere Gäste sanft zu verwöhnen.» Der Mann hingegen wolle eine kurze, knackige Behandlung mit sichtbarem Effekt, ein «Express Facial», zum Beispiel. Sie findet, der Mann sollte die Vorurteile – dauert lange, bringt doch nichts – endlich ablegen. Und Hemmungen seien sowieso nicht angebracht. Ihr Ehemann jedenfalls lasse sich gern von Kopf bis Fuss verwöhnen, beklage sich regelmässig, er komme zu kurz.

Ein Glas Wundermittel, keine Schlauchbootlippen

Auch er arbeitet im Grand Hotel, seit 20 Jahren, heute als «Executive Housekeeping Manager». Das Paar hat sich hier kennen gelernt, wohnt nur ein paar Schritte vom Kronenhof entfernt, trifft sich wann immer möglich daheim zum Zmittag. Kinder haben sie keine, «das Spa ist mein Baby», sagt sie.

«Ehrliche Berührung» in Ehren: Nach der Behandlung will jeder Gast, ob Frau oder Mann, ein paar Jährchen jünger aussehen. Ihre Antwort: «Wer entspannt ist, strahlt das aus, wirkt vitaler, jünger auch.» Ein frisches Aussehen sei keine Frage des Geldes. Ihr Rat ist so simpel wie bekannt: Früh schlafen gehen, frische Luft und viel (Wasser) trinken.

Nadine Böning Soares raucht nicht und achtet auf die Ernährung, ohne auf etwas zu verzichten. «Freude am Leben haben, geniessen!», darauf komme es an. Ihr persönlicher Geheimtipp: Jeden Tag ein Schnapsglas kippen, nicht mit Bündner Röteli, sondern mit Aloe-Vera-Saft, nicht gerade ein Genuss, sorge jedoch für Feuchtigkeit von innen. Aloe Vera von aussen und von innen – der «Bio- Ursaft» scheint ihr wahres Wundermittel zu sein.

Kosmetische Eingriffe unterstützt die Spa-Leiterin nicht: «Man muss mit dem Alter wachsen. Das, was man hat, hervorholen und betonen.» Im Kronenhof werden keine Kaviar- und Schokoladen-Gesichtsmasken oder «sonstiger Gugus» angeboten. Auch keine Spritzen, kein Botox, kein Filler! «Wir haben eine bodenständige Klientel», sagt sie. Die Schlauchboot­lippen, die findet man in St. Moritz. Nur sechs Kilometer weit weg –und doch Welten entfernt. Dort das mondäne St. Moritz, Pelze, Polo, Protz, hier das beschauliche Pontresina, wo sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Mann gemütlich über die Langlaufloipe schiebt.

Selber tankt Nadine Böning Soares gerade Energie in Lissabon, der Heimat des Mannes. Gern leistet sich das Ehepaar auch mal einen Abstecher in ein ausgezeichnetes Hotel – nicht zwei Wochen lang, präzisiert sie und lacht, höchstens zwei, drei Nächte. Der Mann inspiziert dann jeweils die Zimmer, sie den Spa-Bereich: «Auch ich lasse mich in den Ferien gerne verwöhnen.»


Grand Hotel Kronenhof in Pontresina, Wintereröffnung am 7. Dezember, www.kronenhof.com (SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.10.2017, 13:44 Uhr

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