Ein Bett im Fischerhäuschen

Schweiz Tourismus lanciert Pop-up-Hotels für Städtebummler. Eine karge, aber spektakuläre Unterkunft gibts in Basel.

Stockenten und Hechte als Nachbarn: In einem Fischergalgen am Basler Rheinufer ist bis Ende August ein Zimmer für Gäste eingerichtet. Foto: Stefan Bohrer

Stockenten und Hechte als Nachbarn: In einem Fischergalgen am Basler Rheinufer ist bis Ende August ein Zimmer für Gäste eingerichtet. Foto: Stefan Bohrer

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Das Maul, mit spitzen Zähnen bewehrt, steht weit offen. Doch der Hecht ist längst an ein anderes, fernes Ufer gelangt. Nur noch sein Kopf thront über der Tür des 14 Quadratmeter kleinen Zimmerchens und wacht über jene, die hier schlafen.

Das von der nahen Basler Jugendherberge geführte Pop-up-Hotel Fischergalgen ist Teil einer Kampagne, mit der Schweiz Tourismus Städteerlebnisse aus einem überraschenden Blickwinkel ermöglichen möchte.

Im Angebot stehen etwa auch Hotelzimmer auf Zeit im Solothurner Krummturm oder in einem Bootshaus in Kastanienbaum bei Luzern. Das Basler Zimmerchen ist einfach, aber funktional eingerichtet. Das Steuerrad des Fischergalgens fungiert beispielsweise als Kleiderständer, und für die Katzenwäsche steht ein Krug Wasser bereit.

Eine Nacht im Fischerhäuschen Nummer 47 kostet 160 Franken. Zu diesem Preis erhält man in konventionellen Hotelzimmern mehr Komfort, aber weniger Erinnerungswert. Die Aussicht macht das Fehlen eines Badezimmers mehr als wett: Auf der rechten Seite ennet des Rheins leuchtet der an den Turm zu Babel erinnernde Rocheturm gleissend hell in der Abendsonne, während auf der linken Seite die verträumte St.-Alban-Fähre im Zehn-Minuten-Takt übers Wasser schwebt. Am Uferweg unterhalb des auf Stelzen thronenden Fischerhäuschens bereitet ein Paar das Abendessen zu, in traditioneller Rollenverteilung: Er füllt den Minigrill mit Holzkohle, derweil sie Tomaten schneidet. Am linken Horizont tuckert ein Drämmli über die Wettsteinbrücke.

Das Steuerrad dient als Kleiderständer. Foto: Stefan Bohrer

Das Bett im Holzhäuschen erweist sich als schlicht und recht bequem. Neben einem Tischchen mit Stühlen bieten zwei Eckschränke Platz für Necessaire und Kleidung. Duschen stehen den Gästen des Hotels auf Zeit in der nahen Jugendherberge zur Verfügung, wo auch das Frühstück eingenommen wird. Wenige Schritte entfernt befindet sich zudem eine kostenlose öffentliche Toilette.

In der Nacht ist es herrlich ruhig am Rheinufer, das flussabwärts weitere Fischerhäuschen säumen. Die 40 Hüttchen gehören Privatpersonen oder Angehörigen der Basler Fischerzunft und werden zum Teil für den ursprünglichen Zweck genutzt, nämlich den Fischfang. Davon zeugen die mächtigen Fischergalgen zum Heben und Versenken von grossen Netzen. In Nummer 47 gibt es zwar noch einen Galgen, jedoch ohne Netz. Um den Wohnraum zu vergrössern, haben die Bauherren die Terrasse Richtung Rhein geopfert.

Am Morgen ein Bad im Rhein

Die grosszügige Fensterfront lässt das Zimmerchen dafür wie einen luftigen Wintergarten wirken, durch dessen Öffnungen das Rauschen des St.-Alban-Teichs dringt. Der im Hochmittelalter angelegte Gewerbekanal sollte das basellandschaftliche Münchenstein mit der Stadt Basel verbinden und wird von den Quartierbewohnern liebevoll «Dalbedych» genannt. Erst in den frühen Morgenstunden regt sich wieder etwas am Rheinufer. Zwei streitlustige Stockenten jagen übers Wasser. Geweckt wird man vom Morgenlicht: Zwar haben die Verantwortlichen beim Umbau an verdunkelnde Rollos gedacht, jedoch einige Lücken freigelassen.

Ein Bad im 19 Grad Celsius warmen Rhein weckt die Geister. Mit etwas Glück stösst man auf einen lebendigen Hecht, künftig womöglich gar auf einen Lachs, der hier wieder angesiedelt werden soll. Beim Morgenspaziergang durch das zauberhafte St.-Alban-Quartier bleibt man staunend vor einem intakten Stück Stadtmauer stehen und wähnt sich im Mittelalter. Vorbei am Papiermühlemuseum gelangen wir über ein charmantes Holzbrücklein in die Räume am St.-Alban-Kirchrain 10. Hier war bis 1956 keine Jugendherberge, sondern eine Seidenbandfabrik untergebracht, die «Rote Fabrik».

Wer will, kann mit der St.-Alban-Fähre für 1.30 Franken nach Kleinbasel übersetzen, um einen letzten Blick auf das Fischerhäuschen zu werfen. Belohnt wird man durch eine Perspektive, die deutlich macht, wie spektakulär die Lage der aussergewöhnlichen Pop-up-Bleibe ist.

Pop-up-Hotels: Bis Ende August bietet Schweiz Tourismus in elf Schweizer Städten originelle Räume als vorübergehende Hotelzimmer an. Die Zimmer kosten inklusive Frühstück zwischen 150 und 750 Franken. www.myswitzerland.com/popup

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.06.2018, 14:31 Uhr

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