Ein Kronjuwel am Inn

Die Krone in La Punt ist nicht nur ein einladendes Hotel, sondern auch ein kleines Kunsthaus. Arvenholz spielt eine Hauptrolle.

Einst ein Bauernhaus: Das Gasthaus Krone in La Punt.

Einst ein Bauernhaus: Das Gasthaus Krone in La Punt. Bild: PD

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An diesem stattlichen, strahlend weissen Haus war schon vor über 450 Jahren kein Vorbeikommen. Es thront direkt am Brückenkopf von La Punt am Innufer. Hier musste vorbei, wer von Nordbünden ins Engadin und weiter ins Veltlin gelangen wollte.

Geradezu beschaulich ist das Engadiner Dorf, das zwar nahe beim glamourösen St. Moritz liegt, in dem aber Understatement betont wird. Und so überrascht das Gasthaus Krone, das 1565 als Bauernhof gebaut worden war, in mancherlei Hinsicht.

Der erste Eindruck erfolgt olfaktorisch. Betörend ist der Duft nach Holz beim Betreten des Hauses, erst recht in der modernen Stüva a l’En. Eine schöne Dosis Arve atmet man ein – und fühlt sich sogleich entspannt und entschleunigt. Die nächste Überraschung ist optischer Natur, denn die Krone entpuppt sich als kleines Kunsthaus. Beeindruckend sind die grossflächigen Werke von Not Vital im Flur im Parterre. Auch in den Zimmern stösst man auf die Werke des international bekannten Künstlers aus Sent im Unterengadin. In den Gaststuben hängen diverse Originalplakate und in der Steiner-Stuba Originalfotos des Fotografen Albert Steiner, der fast 50 Jahre im Engadin lebte.

Beim Umbau wurde nur «Mondholz» verwendet

Ein wahres Juwel steht hier am Inn. Im Winter gehts direkt vor der Haustür auf die Loipe oder zum Skifahren in der Umgebung, im Sommer auf den Radweg am Fluss. Und im August und September tankt man Energie während der Yoga- und Meditationswochen, Wanderausflüge und Vorträge inklusive.

Dabei waren die Tage des Gasthauses bereits gezählt. Doch der Zürcher Unternehmer Beat Curti kaufte 2002 das Anwesen, um es vor dem Abriss zu retten. Ein Glücksfall. Curti investiert seither kräftig in sein Herzensprojekt. «Wir hatten fast in jeder Zwischensaison einen Umbau», sagt Sonja Martin, die mit ihrem Mann Andreas als Gastgeber dem Haus eine Seele eingehaucht hat.

In mehreren Etappen befreite der renommierte Bündner Architekt Hans-Jörg Ruch das Gebäude vom Ballast der letzten paar Hundert Jahre und verpasste ihm ein «sinnlich-modernes» Gewand. So wurde das Dach des Hotels um einen Meter angehoben, was den Einbau von sechs grosszügigen Superior-Zimmern mit Oberlichtern sowie einem kleinen Wellbeing-Bereich ermöglichte. Dann wurde ein Wintergarten, die Lobi à la Punt, angebaut und später die ehemalige Kronenstube in die bequeme Steiner-Stuba umfunktioniert.

Als letzten Akt bekamen neben den drei Gaststuben auch die Zimmer im ersten Stock und im Parterre eine Auffrischung. Fast wie in einem Kokon fühlt man sich, wenn man im Bett ruht. Rundherum ist der Raum mit naturbelassenem Massivholz aus Ahorn, Lärche oder Arve eingefasst. Dabei wurde ausschliesslich «Mondholz» verwendet, das dem Mondkalender entsprechend geschlagen wird.

Schlicht, aber elegant sind die Möbel, die von lokalen Schreinereien hergestellt wurden. Nichts ist zu viel, aber alles Nötige vorhanden. Auch in den Bädern: Die einstigen Plättchenwände wurden mit Beton Ciré überzogen. Sie sind im gleichen milchig blauen Farbton gehalten, der den vorbeifliessenden Inn bei Schmelzwasser prägt.

Holz auch in der Küche

Es ist kein Zufall, dass Holz auch in der Küche der Krone eine wichtige Rolle spielt. Der Spitzenkoch Andreas Martin begann vor ein paar Jahren, mit der einheimischen Arve zu experimentieren. Inzwischen zaubert er ein mehrgängiges Menü auf den Teller, das saisonal angepasst wird. Martin räuchert, gart, beizt, siedet und fermentiert mit dem hochalpinen Holz. Oder er verfeinert ein Praliné von Wildgeflügel mit frischen Arvenspitzen. Die Steinpilzsuppe richtet der Meister in einem Arvennest an.

Martin: «Damit der Gast auch einen optischen Eindruck von diesem speziellen Holz bekommt und es riechen kann.» Kein Wunder bewertet der «Gault Millau» Martins Schaffen mit 15 Punkten, und auch der «Guide Michelin» lobt die regionale Küche, die Behaglichkeit und Gastfreundschaft und zeichnet die Krone mit dem begehrten Bib Gourmand für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Denn das Motto lautet: Vier Sterne in Küche und Service, Stil und Design, drei Sterne im Preis.

www.krone-la-punt.ch; geöffnet ab 15. Juni; in Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und der Krone La Punt.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.06.2018, 16:30 Uhr

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