Ein Riecher fürs Exklusive

Eliane Zegg und Mathias Leipold verführen die Gäste im Bergdorf Samnaun mit erlesenen Düften zum Shoppen.

Sorgen für Eleganz in den Bündner Bergen: Eliane Zegg und Mathias Leipold in der Haute Parfumerie Arcada. Foto: Moritz Hager

Sorgen für Eleganz in den Bündner Bergen: Eliane Zegg und Mathias Leipold in der Haute Parfumerie Arcada. Foto: Moritz Hager

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Sie habe den Luxus ins Bergdorf gebracht, sagt Eliane Zegg. Ihr Verdienst sei es, dass neben den üblichen Tabakwaren und Spirituosen auch das Ausgewählte ins «Zollfreiparadies» Samnaun eingezogen sei. «Ich wollte Marken statt Mainstream», sagt die ältere Dame. Kleider, Uhren und vor allem exklusivste Parfums – sie habe einen Riecher für erstklassige Brands.

Wir sitzen auf der Terrasse der Chasa Montana, vier Sterne Superior, das erste und feinste Hotel im Besitz der Familie Zegg. Das Chalet Silvretta, vier Sterne, das Apparthotel Nevada, drei Sterne, vier Restaurants und neun Geschäfte, besser «Zegg Stores», alle sieben Wochentage geöffnet, gehören ebenfalls den Zeggs – ein kleines Imperium auf 1842 Meter über Meer.

Leidenschaft für Luxus und Uhren

Eliane Zegg ist keine Berglerin, das sieht man ihr an, und das betont sie auch. Sie ist Französin, in Paris und Nizza aufgewachsen, «ich war immer von schönen und teuren Dingen umgeben». Aus ihrem Alter macht sie kein Geheimnis, «ich bin 70», seit 50 Jahren lebe sie in Samnaun, der Liebe wegen. Kaum 20, lernte sie in den Ferien den aufstrebenden Hotelier Hubert Zegg kennen. 1969 wurde geheiratet, doch: «Auf die Liebe folgte der Schock.» Ihrer «Leidenschaft für Luxus» konnte sie sich in diesem abgelegenen Ort am Rand des Kantons Graubünden nicht hingeben.

«Ich musste die Eleganz in die Berge holen, sonst hätte ich hier nicht überlebt.» Und so wurde aus der Gastgeberin im Hotel Montana und Mutter von drei Kindern die Geschäftsfrau Eliane Zegg. Ganz ohne Arroganz müsse sie sagen, «ich war erfolgreich». Understatement ist nicht ihr Stil, sie trägt eine markante Uhr ums schmale Handgelenk, die Rolex ihres Ehemannes, sie liebe grosse Uhren. «Rolex, Breitling, Hublot – kann man alles bei uns kaufen», erwähnt sie nebenbei. Den Französisch-Akzent hat sie auch nach 50 Jahren nicht abgelegt, er passt hervorragend in die Welt des Luxus.

Zollfrei – sonst nichts

Samnaun verströmt allerdings weder Eleganz noch Stil und Geschmack. Hier dreht sich alles um zollfreies Einkaufen, um duty free. Die Geschäfte entlang des Strassendorfs locken mit Rabattschildern, Aktionen und Schnäppchen. Kaum ein Tourist kehrt ohne Stange Zigaretten und Flasche Whisky zurück ins Unterland.

Eliane Zegg führt in die Haute Parfumerie Arcada, nebenan befindet sich der «Walk-in-Humidor» mit «feinsten Zegg Cigars». Die Haute Parfumerie ist ihr grosser Stolz, «nur das Beste vom Besten». Sie riecht an einem Flacon, stets sei sie auf der Suche nach neuen Aromen. Ihr Parfum wähle sie je nach Laune oder Aktivität – so, wie die Kleidung. Ein Hauch nur, «comme un sillage», eine zarte Wolke, man soll nur für sich selber und den Partner duften – und nicht das ganze Tram, respektive Postauto, «betören». Zu viel Parfum sei der grösste Fauxpas. Und Parfum über verschwitzte Kleider – «horreur!»

Die Haute Parfumerie ist das Reich von «Herrn Mathias». Die Chefin lobt ihren Boutique-Manager in den höchsten Tönen: «Mathias ist ein Star.» Gemeinsam besuchen sie die Parfum-Messen in Mailand und Florenz. Mathias Leipold hatte ursprünglich als Kellner im Chasa Montana angeheuert, sein Flair für Beauty fiel Gastgeber Daniel Eisner, der die Führung des Wellnesshotels vor vielen Jahren von Hubert Zegg übernommen hat, sofort auf. Auch Herr Mathias passt nicht wirklich nach Samnaun, der extrovertierte Deutsche ist ganz in Schwarz gekleidet, Fliege, Brillengestell und Gucci-Gurt inklusive. Tatsächlich fahre er nach getaner Arbeit sofort «runter vom Berg», nach Innsbruck, wo er mit dem Partner lebt.

Damen- und Herrendüfte? Fehlanzeige

Jeder Zegg-Hotelgast erhält einen Gutschein für «10 Minuten typgerechte Farbberatung» bei Visagist Mathias. Die Frau solle erleben, wie wenig es brauche, um in kurzer Zeit attraktiv auszusehen. Herr Mathias spricht in einem Höllentempo: «Frauen ohne Lippenstift? Geht gar nicht! Wangen betonen, Amalfi-Puder muss jede Frau haben. Und die Augenbrauen, ganz wichtig, so markant wie möglich. Bunte Nägel aber sind so was von out.» Selbstverständlich gelte auch für den Mann: «Immer Gas geben, sich nie gehen lassen.» Zum gepflegten Auftritt gehöre der passende Wohlgeruch. Wobei man in der Haute Parfumerie nicht zwischen Damen- und Herrendüften unterscheide. «For women, for men – ein totaler Käse», findet Herr Mathias.

Auch die Zegg-Läden leiden unter dem Onlinehandel. Mit Ausnahme der Haute Parfumerie: «Die Welt der Düfte müssen Sie erleben», sagt Eliane Zegg. Der Preis sei hier kein Thema, was zähle, sei die persönliche Beratung, betonen die Chefin und ihr gewiefter Verkäufer. Der teuerste Flacon aus dem House of Sillage koste über 1000 Franken. Aber: «Bei uns zahlen Sie mindestens 25 Prozent weniger als an der Zürcher Bahnhofstrasse», so Herr Mathias und fügt an: «Aber bitte, sagen Sie nicht duty free, so ein hässliches Wort, das tönt nach nullachtfünfzehn, nach Ramsch – tax free, sagen wir.»

Er träufelt ein paar Tröpfchen Xerjoff Erba Pura in ein Röhrchen. Ein «Verführerchen», damit der Feriengast aus dem Bergdorf nicht nur Zigaretten und Alkohol, sondern eben auch einen Hauch von Luxus nach Hause bringt.

www.hotelchasamontana.ch

Erstellt: 11.11.2019, 10:01 Uhr

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