Eine Insel auf der Insel

Das neu eröffnete Ikos Resort Dassia auf Korfu garantiert All-inclusive-Ferien auf höchstem Niveau. Das Griechenland-Feeling bleibt aber etwas aussen vor.

«Willkommen im Ikos-­Resort Dassia»: Korfu scheint woanders zu liegen. Bild: Heinz Troll

«Willkommen im Ikos-­Resort Dassia»: Korfu scheint woanders zu liegen. Bild: Heinz Troll

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Gleich bei der Ankunft merken wir, wo wir angekommen sind. In der Lobby stehen unzählige Angestellte in sandfarbenen, Tunika-artigen Designeranzügen, die Erfrischungstuch und Willkommensdrink bereithalten. Doch nach einer Karte von Korfus Inselhauptstadt, die wir am Nachmittag besuchen möchten, fragen wir an der Rezeption des Luxusresorts Ikos Dassia auf Korfu, der siebtgrössten griechischen Insel, vergeblich.

Stattdessen erhalten wir einen Plan der Hotelanlage. Wir sehen, wo wir ins Golfmobil steigen können, um uns zum asiatischen Restaurant fahren zu lassen, und wo das Kinderparadies mit Gelateria liegt. Doch wo liegt die Haltestelle für den Bus in die Altstadt? Die Botschaft ist klar: Die Hotelanlage ist eine Insel für sich, eine Insel auf der Insel. «Willkommen im Ikos-Resort Dassia», heisst es hier – und nicht «Willkommen auf Korfu.»

Wer etwas sucht, das extra bezahlt werden muss, scheitert

Nun ist es keineswegs so, dass man das Resort gleich nach der Ankunft wieder verlassen möchte. In der grosszügigen Anlage mit 400 Zimmern und 500 Angestellten kann man es sich gut gehen lassen, und das, ohne je das Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen. Sehr gut sogar. Es werde «all-inclusive auf noch nicht da gewesenem Level» geboten, heisst es.

Wir machen sogleich die Probe aufs Exempel: Einen Ouzo erhält, wer es schafft, in der Anlage etwas zu bezahlen. Wir scheitern kläglich – Strandliege, Nachtclub und Minibar, Sportzentrum, Freilufttheater und Drinks, beliebig viele Mahlzeiten samt Wein, alles ist inklusive. Selbst die Betreuung von Kindern ab zwei Jahren tagsüber wird nicht separat verrechnet.

Das Konzept scheint aufzugehen. Zwei Hotelanlagen betreibt Ikos bereits auf der Halbinsel Chalkidiki, weitere Resorts plant das Unternehmen auf Kos (2019) und in Andalusien (2020). Bei griechischem Eiskaffee an der Poolbar erklärt Marketingfrau Daisy Modiano, worauf es ankommt. Die Firma baue nur dort, wo die deutschen, englischen und russischen Zielgruppen schon stark vertreten seien und wo es Flughäfen mit Direktflügen in die Hauptmärkte gebe. «Eltern mit ihren Kindern wollen nicht auf die Fähre umsteigen.»

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Die gehobenen Preise – in der Hochsaison kosten die Standard-Doppelzimmer 580 Franken aufwärts, für einen Meersicht-Bungalow mit eigenem Pool gibt man leicht 5800 Franken aus – scheinen die Gäste nicht zu stören. Auch vielen Familien begegnet man in den exklusiveren Bereichen der ­Ferienanlage.

Begeistert ist auch Taxifahrer Dimitrios. «Wegen der Krise kamen zuletzt vor allem Italiener mit dem eigenen Auto – und sie gaben wenig aus», klagt er. «Das neue Resort bringt jetzt zahlungskräftige Gäste aus dem Norden.» Die Freude des Chauffeurs ist nicht ganz uneigennützig: Für Fahrten ins Zentrum kassiert Dimitrios 35 Franken, viel mehr, als Kollegen bei anderen Reisenden verlangen können. Skeptischer betrachtet ein ortskundiger Mitreisender unserer Gruppe die Entwicklung: «Das hier hat nichts mit Griechenland zu tun, die Anlage könnte genauso gut in Thailand stehen.» Er schwärmt von der Inselgruppe der Kykladen, wo nur Hotels im ortstypischen Weiss und mit höchstens 40 Zimmern erlaubt seien. Tatsächlich scheint im Ikos-Resort einiges austauschbar. So tischt man in den beiden sehr guten griechischen Restaurants wohl heimische Gerichte auf, ebenso aber auch international ausgerichtete Speisen wie Caesar’s Salad, vegetarische Bagels und Cheesecake.

Selbst in Altstadt-Restaurants gibt es Gratisessen

Karte hin oder her, nachdem wir lange genug im Pool geplanscht und uns auf den Liegen geräkelt haben, beginnen wir die Insel zu erkunden, die etwa so gross ist wie derBodensee. Wir sind nicht die Einzigen auf den engen Strassen, Italiener, die mit der Fähre gekommen sind, verstopfen sie. Zum griechischen Festland und zur albanischen Küste ist es nicht weit – wer in den windgeschützten Buchten im Osten badet, hat den Eindruck, in einem grossen See zu schwimmen.

Wie wir auf der Rundreise erfahren, ist luxuriöser Ferientourismus auf Korfu nichts Neues: Schon Kaiserin Sissi liess sich hier einst einen Sommerpalast ans Meer setzen, der heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt. Das von der schwermütigen Herrscherin nach dem mythischen Achill benannte Achilleion lohnt einen Besuch, auch wenn – oder gerade weil – sich die Kaiserin bei der Einrichtung nicht sehr stilsicher zeigte.

Nach der Fahrt um das sichelförmige Eiland kommen wir zu folgendem Schluss: Korfu ist keine typisch griechische Insel. Dafür ist sie erstens zu grün und zweitens nicht weiss genug. Für das Grün sind die Olivenbäume verantwortlich, die fast überall wachsen. Weiss gekalkte Häuser – ein Markenzeichen Griechenlands – wiederum sucht man weitgehend vergeblich. In der sehenswerten historischen Altstadt von Kerkyra (Korfu-Stadt) dominiert der venezianische Stil mit seinen hübschen Arkadengängen, der von der langen Besatzungszeit von 1400 bis 1800 herrührt. Heute wird die Stadt, so zeigt sich, schon in der Frühsaison von Kreuzfahrttouristen erobert, die in die Cafés und Souvenirläden strömen. Ziemlich vergebens sucht man übrigens auf der Insel auch nach antiken Stätten, die Reste sind spärlich.

Nun waren wir zum Luxus­resort Ikos Dassia und seinen Gästen wohl doch etwas unfair und wollen klarstellen: Die Besucher verlassen die Anlage durchaus, und es gehört auch zum Konzept. Einige Male am Tag fährt der hoteleigene und teils gut besetzte Shuttle­bus ins Zentrum. Auch sind Automiete für einen Tag und der lokale Museumspass gratis. Und einzelne Restaurants in der Altstadt servieren den Hotelgästen zum Nulltarif ihre Gerichte, darunter rustikale korfiotische Spezialitäten wie Rindfleisch oder Huhn mit Nudeln (Pastitsado) und Kalb- oder Rindschmorfleisch mit Knoblauch (Sofrito).

Dass Korfu für griechische Verhältnisse so grün ist, hängt übrigens mit den Niederschlägen zusammen. Auch wir beziehen auf unserer Reise einen trüben Regentag. Die sieben Restaurants, die Spa-Bereiche und der beheizte Innenpool sind an einem solchen Tag eine tolle Alternative.

Die Reise wurde von Ikos Resorts unterstützt. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.07.2018, 00:17 Uhr

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Schlaraffenlandferien auf Korfu

Anreise: Swiss fliegt in der Saison zweimal und Germania einmal pro Woche direkt von Zürich nach Korfu. Tägliche Flüge via Athen.

Unterkunft: Ikos Dassia, Korfu: Im Sommer ab 580 Fr. pro Doppelzimmer und Nacht (all inclusive), in der Nebensaison ab 210 Fr., www.ikosresorts.com

Veranstalter: Hotelplan bietet Pauschalangebote inklusive Flüge an.

Mindestbuchungsdauer: 5 Nächte. www.hotelplan.ch/h-638

Reisezeit: Ideale Reisezeit ist von April bis Oktober. Im Sommer beträgt die mittlere Tageshöchsttemperatur bis 33 Grad Celsius.

Allgemeine Infos:
www.corfu-kerkyra.eu/de
www.visitgreece.gr

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