Faszination der Fliehkraft

Der Europa-Park in Rust ist ein Millionenspektakel für alle Generationen. Ein Fünftel der Besucher kommt aus der Schweiz.

Technik trifft Mythenwelt: Auf der Pegasus-Achterbahn rauscht man mit einer Virtual-Reality-Brille durch digitale Welten. Foto: Haasinparis.com

Technik trifft Mythenwelt: Auf der Pegasus-Achterbahn rauscht man mit einer Virtual-Reality-Brille durch digitale Welten. Foto: Haasinparis.com

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Schon die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 8,5 Stunden zeigt: Wer die Pforten des Europa-Parks im deutschen Rust passiert hat, gibt nicht so schnell wieder auf. Das Angebot ist gigantisch: 13 Achterbahnen, 14 Ländersektoren, 23 Showstunden pro Tag, ­Chilbi-Attraktionen, Kinos und jede Menge Restaurants und Verpflegungsstände.

Der Park registrierte letztes Jahr 5,5 Millionen Besucher, ein Fünftel reiste aus der Schweiz an. Bemerkenswert: 80 Prozent sind Wiederholungs­täter — sie kommen als Kinder, Jugendliche und Erwachsene ins grosse Wunderland in der Rheinebene. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat getestet, wie die verschiedenen Altersgruppen ihren Tag im Park optimieren können und welche Sensationen zum Pflichtprogramm gehören.

Kleinkinder
Wasserkanonen und Arthurs Königreich

Die laufenden Meter haben gute Aussichten, dürfen hoch hinaus mit der Pegasus-Achterbahn. Das Zentimetermass am Eingang besagt: Ab einem Meter Körperlänge können sich die Kleinen auf mehr als ein Dutzend Chilbibahnen wagen. Fliessen beim Abenteuer doch Tränen, so sind die nur schwer zu trocknen. Deswegen empfiehlt sich ein sofortiges Vollbad auf einem der Wasserspielplätze wie Little Island. Hier planschen auch Eltern gern mit. Anschliessend spielt es auch keine Rolle mehr, wenn sich die Kleinen beim benachbarten Whale Adventure mit Wasserkanonen duellieren. Klassiker für Kleinkinder ist die Gegend um den Märchenwald — dank harmloser Attraktionen. Und bei Schlechtwetter das überdachte Königreich von Arthur.

Zwei Hotspots sollten die Minis auf keinen Fall verpassen: den Roten Baron (Niederlande), eines der ältesten Karussells, bei dem man selbst die Flughöhe bestimmt. Und in minimaler Flugweite steht eine grandiose Pommesbude: «Hete Donder met Friet» — das sind Hackfleischrollen mit Fritten. Spätestens hier sind alle Tränen getrocknet.

Schulkinder
Adrenalinschübe auf Raten

Einige Achterbahnen sind für Kids ab sechs Jahren zugelassen. Aber nicht jeder Dreikäsehoch besitzt schon die Nerven, im Reich von Wodan im Affenzahn über die Schienen einer gigantischen Holzkonstruktion zu rattern. Um sich an die Hardcore-Bahnen ranzutasten, empfiehlt sich ein Steigerungslauf. Der Stress kann sachte erhöht werden in den Wassergefährten Tiroler Wildwasserbahn, Atlantica und Poseidon. Alle vollziehen mindestens einen rasanten Rutscher und gewöhnen die Magengrube an höhere Aufgaben. Nebeneffekt: Sie kühlen so manches überdrehte Kind per Wasserschwall runter.

Als Adrenalinauszeit eignet sich das Traumkino (Russland). Man lässt sich einfach auf den Boden fallen und betrachtet die Entspannungsfilmchen, zum Beispiel über die Polarnacht, die in der Kuppel ablaufen. Spätestens im 3-D-Kino nehmen die Kinder wieder Fahrt auf. Dort dreht sich das Zeitkarussell mit einer Truppe Zeichentricktiere, die 1307 am Vierwaldstättersee landen und Wilhelm Tell in die Quere kommen. Er trifft den Apfel, aber auf Umwegen. Die Vorstellung ist abenteuerlich, weil die Kinositze wackeln, Regen durch den Saal peitscht und Seile über Besucherfüsse wirbeln, wenn der Bösewicht auftritt. Beim ersten Angriff auf die Schuhe ist der Adrenalinausstoss höher als bei mancher Achterbahnfahrt.

Jugendliche
In 2,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer

Vier Achterbahnen der Marke Mutprobe locken hitzköpfige junge Menschen. Per Selbsttest sollte man eine persönliche Reihenfolge definieren. Die Euro-Mir birgt keine nicht überstehbaren Gefahren, ist aber nicht zu unterschätzen. Denn während der Fahrt dreht sie sich auch noch im Kreis. Kurvenlage und enorme Fliehkraft machen die Holzachterbahn Wodan zum Sieger in der Kategorie körperliche Dauerbelastung. Als Nonplusultra für Wagemutige gelten Blue Fire oder Silver Star. Erstere beschleunigt beim Start in unglaublichen 2,5 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Alle folgenden Loopings und Kopfstände werden zum Kinderkram. Der erste Downhill-Ritt im Silver Star fährt ein wie der freie Fall aus dem Flugzeug. Man hofft, dass der Fallschirm aufgeht und der Spuk bald vorbei ist, aber dann geht der Trip noch mal richtig los.

Die Achterbahnattacke lässt sich kulinarisch fortsetzen. Im Food-Loop-Restaurant kommt das Essen auf Schienen. Spaghetti und Würstchen legen einen Looping ein auf dem Weg von der Küche zum Tisch. Wer zwischen all dem Wirbel eine Shoppingtour starten will, sieht sich am besten in Island um: Fallegur ist eine gute Adresse für geschmackvolle, junge Kleider ohne Schnickschnack. Eine Wohltat zwischen all den kitschigen Mitbringsel-Shops.

Erwachsene
Walliser Wein und Schwarzer Ritter

Spanien ist auch im Europa-Park eine gute Adresse für Erholungsuchende. Die Tapas in der Bodega bezaubern, und der wirklich gute Sangria stimmt auf den Wettkampf in der Arena ein, wo der Schwarze Ritter um die Krone kämpft. Stunts, Schwertkämpfe und Reiterspiele machen die Show zur besten im Park.

Durchaus lohnenswert, sich im fernen Rust ein Stück Heimat zu gönnen. Zwar kann man im Schweizer Viertel getrost auf Rüeblitorte und Raclette verzichten, dafür gibt es aber hochwertige Walliser Weine und Bahnen wie Bobbahn und Matterhorn-Blitz. Beide geniessen längst Kultstatus. Das Schweizer Viertel zählt zu den ältesten Europa-Park-Revieren, überrascht aber mit modernen, detailreichen Ideen. Etwa mit den gelben Schweizer Wanderwegschildern. Der Pfad zum Schwarzhorn dürfte ein wenig weit sein. Besser, man begibt sich auf die Spur von Wissen und Kultur in die Museen des Europa-Parks, in denen man viel über Fischfang oder Erdgas lernen kann. Letzterer Themen­bereich ist zwar von einem grossen russischen Konzern gesponsert, aber trickreich und unterhaltsam gestaltet.

Grosseltern
Kühle Kapelle und Gruss von Frau Holle

Man beobachtet im Park viele Kinder, die ihre Grosseltern von Spanien nach Griechenland und Italien schleppen und in jede mobile Attraktion zwängen. Wenn schon: Ab in die Eurosat-Kugel, die erste echte Achterbahn im Park aus dem Jahr 1989. Man hat sie vielleicht noch aus jüngeren Jahren auf dem Radar. Den Älteren ist zu wünschen, dass sie irgendwann die getarnten Sonnen­liegen am See finden und den Nachwuchs in den benachbarten Märchenwald schicken. Ein Schelm, wer dabei an Hänsel und Gretel denkt. Die Plätze unter den Trauerweiden sind extrem erholsam, die einzige Störung kommt von Frau Holle, die Watteflöckchen Richtung Ufer bläst.

Eine alternative Auszeit bietet sich in der Marienkapelle (Niederlande) an. Während die zentral gelegene norwegische Stabkirche stets überlaufen ist, muss man in Holland nur die Tür zuziehen, um Ruhe und Kühle zu geniessen. Als Belohnung für den anstrengenden Tag im Park kann man zum Finale den Black-Forest-Shop beim Ausgang besuchen. Falls der Geldbeutel noch genügend hergibt: Wie wäre es mit einem Designer-Tuch oder einer edlen Tasche? Gourmets können das Europa-Park-Abenteuer im 2-Stern-Restaurant Ammolite abschliessen, das ebenfalls zum Areal gehört.

Erstellt: 22.06.2016, 19:20 Uhr

Europapark

Tipps und Infos

Anreise:

Ab Basel auf der A?5 Richtung Frankfurt. Ausfahrt 57b Rust. Parkgebühr: 5 Euro.
Per Zug via Freiburg im Breisgau
zum Bahnhof Ringsheim, Bustransfer
zum Park. www.sbb.ch
Busreisen: u.?a. Eurobus,
Hermann Carreisen, Ryffel AG, Ernst Marti AG, Gafner Reisen und Gerber Reisen.

Eintrittspreise:

Kinder bis 3 Jahre frei. 4–11 Jahre
und ab 60 Jahre: 38.50 Euro.
Erwachsene: 44.50 Euro.
Täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Übernachten:

Zum Park gehören fünf Hotels unterschiedlichen Komforts. Ab 101.50 Euro pro Erwachsenem/Nacht im DZ. Ausserdem gibt es einen Camping- und einen Zeltplatz.
Schweizer Resort-Partner mit 2-Tages- und mehrtägigen Arrangements sind Hotelplan und Railaway/Railtour.

Neuheit:

Kürzlich wurde mit Irland der 14. Europäische Themenbereich eröffnet. Das Angebot mit Schiffschaukel, Kinder­achterbahn und ­Traktorfahrt richtet sich vor allem an Familien.

www.europapark.de

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