Im Kult-Camper Richtung Freiheit

Der VW T6 California ist ein Alleskönner und ermöglicht Schweiz-Ferien der besonderen Art.

Rast am Klöntalersee, Glarnerland: Einer von 22 Seen, an dem die Grand Tour of Switzerland vorbeiführt. Foto: Daniel J. Schüz

Rast am Klöntalersee, Glarnerland: Einer von 22 Seen, an dem die Grand Tour of Switzerland vorbeiführt. Foto: Daniel J. Schüz

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Es ist ein Ritual: Tief durchatmen, den Schlaf aus den Augen reiben, die Glieder strecken. Und die Frage: «Wo sind wir?» Jeden Morgen dasselbe. Eine laue Brise trägt Vogelgezwitscher herein, begleitet vom Duft einer frisch gemähten Wiese. Nur die Moskitos sind draussen geblieben; gegen die Verkleidung des Aufstelldachs haben sie keinen Stich.

Leise murmelt ein Bach, der sich weiter vorn im See verliert. See? Genau! Gestern, am späten Nachmittag, haben wir, einer spontanen Eingebung folgend, die Autobahn verlassen und sind ins Glarnerland und Richtung Pragelpass gefahren, bis dieses smaragdgrüne Wasser am Strassenrand glitzerte und der Klöntalersee zum Bleiben verführte.

Das Bad im Bergsee weckt die Lebensgeister, das Velo wird vom Heckträger geschnallt. Es findet den Weg zum Bäcker im nächsten Dorf – und nach dem Frühstückskaffee, gebraut in der Kochnische auf einem Gasherd mit zwei Kochstellen, geht die Reise weiter. Ohne Plan und Ziel. Allgemeine Richtung: Freiheit.

«In Sachen landschaftlicher Vielfalt ist die Schweiz Kanada mindestens ebenbürtig.»Thomas Jenzer, Citypeaks

Reisen, das ist die Bestimmung unseres Fahrzeugs, dafür ist es bis ins letzte Detail konstruiert worden: Der Volkswagen T6 California ist kein Fortbewegungsgerät, das Distanzen überwinden muss, auch kein Ferienhaus auf Rädern, das während Wochen, dicht gedrängt zwischen seinesgleichen, auf einem Campingplatz herumsteht. «Der California», sagt Thomas Jenzer, «ist ein Reisender, der sich überall wohlfühlt, als Familienlimousine in engen Altstadtgassen und im Stadtverkehr ebenso wendig unterwegs wie als vierradgetrie­be­ner Offroader im Gelände.»

Folgerichtig nannte der 43-jährige Touristiker das Start-up-Unternehmen, mit dem er vor Jahresfrist eine Marktlücke füllen wollte: Citypeaks. Was sich frei mit «aus der Stadt zu den Gipfeln» über­setzen lässt. Mit Geschäftspartner Peter Creutzig bietet Jenzer in Gebertingen am Rickenpass SG 14 California-Camper als Mietobjekte an – von der Standardversion Beach bis zum Luxusmodell Ocean, dessen Dieseltriebwerk über 200 PS auf die Strasse bringt und das mit allerlei Hightech-Gadgets überrascht. Einem Knopf etwa, der das Aufstelldach wie von Zauberhand zur Doppelbettstatt in luftiger Höhe ausfahren lässt.

Privatstrassen, Wiesen und schönste Aussichten

Das Kürzel T6 verrät die sechste Generation des legendären VW-Busses, der in diesem Modell weiterlebt und dessen Urahn, liebevoll Bulli genannt, Massstäbe gesetzt hatte wie der VW-Käfer. 60 Jahre Erfahrung verbergen sich in seinen Eingeweiden: Fahrassistenten und computergesteuerte Systeme für Navigation und Kommunikation sind auf dem neusten Stand der Technik, originelle Ideen wie der als Schublade ausfahrbare Kofferraum oder die im 30-Liter-Wassertank eingelassene Propangasflasche überzeugen ebenso wie das pneumatisch gesteuerte Fahrwerk. Damit lässt sich das Chassis so weit absenken, dass der Wagen in jedes Parkhaus passt – und draussen, in der Natur, kann es jedes Rad so präzise ausnivellieren, dass man auch auf ruppigstem Gelände so waagrecht auf der Matratze liegt wie im eigenen Schlafzimmer.

Thomas Jenzer, der neben der Citypeak-Camper-Vermietung auch die Höhere Fachschule für Tourismus Zürich leitet, hat auf ausgedehnten Reisen die kanadische Wildnis lieben gelernt: «Wenn es um die Dimension der Natur geht, kann keine andere Region mit Kanada mithalten. Aber in Sachen landschaftlicher Vielfalt ist die Schweiz mindestens ebenbürtig.»

Am eindrücklichsten lässt sich das auf der Grand Tour of Switzerland erfahren. Auf 1600 Kilometern, entlang der Ufer von 22 Seen und über fünf Alpenpässe, verbindet diese Rundreise die schönsten Hotspots der Schweiz. «Gerade weil die Route Autobahnen meidet», schwärmt Jenzer, «ist sie wie geschaffen für den California-Camper.»

Wo ist Campieren erlaubt?

Er möchte nicht nur die verkehrsreichsten Strassen links liegen lassen, sondern auch überfüllte Campingplätze umfahren. Allerdings bleibt wildes Campieren in den meisten Teilen der Schweiz verboten. Dieser Sachverhalt ist erfüllt, sobald neben einem parkierten Fahrzeug ein Tisch mit Stühlen steht.

Thomas Jenzer erfüllt sich einen Traum: Er verhandelt mit Bergbauern, die ihr Land entlang der Grand Tour bewirtschaften. Gegen «eine bescheidene Gebühr» sollen sie Privatstrassen und gemähte Wiesen zur Verfügung stellen. «Dann haben unsere Kunden die schönsten Aussichten für sich ganz allein!» Und das nächtliche Glocken­geläut der Kühe ist inbegriffen.


www.citypeak-campers.com www.grandtour.myswitzerland.com

Erstellt: 21.07.2017, 09:49 Uhr

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