Leuchtende Farben, betörende Gerüche und süsse Melonen

Der felsige Luberon in der Provence ist eine der malerischsten Gegenden Frankreichs, ein Zentrum der Landwirtschaft und ein Rückzugsgebiet für Künstler und Aussteiger.

Das Dorf Gordes ist ein Anziehungspunkt für Touristen und Zuzüger gleichermassen. Foto: Getty Images

Das Dorf Gordes ist ein Anziehungspunkt für Touristen und Zuzüger gleichermassen. Foto: Getty Images

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«Schuld war eine Panne», sagt Jean Jacques Prévôt in seinem gleichnamigen Restaurant lachend. Der Koch wollte im Norden Frankreichs sein Glück versuchen, doch sein Auto gab in Cavaillon den Geist auf. «Und ich habe hier die Liebe meines Lebens kennen gelernt.» Genau genommen sind es zwei: seine Frau und jene Melone, die den Namen dieses Städtchens trägt. Cavaillon wurde Ende des 19. Jahrhunderts dank der Eisenbahn zum Anbauzentrum dieser orangefarbenen Frucht. 1981 baute die Familie Prévôt ihr Melonen-Handelsbüro in ein Restaurant um. Der «Melonen-Chefkoch» erwarb rasch einen «Michelin»-Stern. Sein Kultgericht «Le melon cocotte au homard» zieht noch heute.

Cavaillon verdankt sein Melonen-Image einer Laune der Geschichte: 1271 fiel die Region östlich von Avignon durch Erbgang an den Papst, in dessen Besitz sie als Grafschaft (Comtat) Venaissin bis zur Französischen Revolution verblieb. Die Melone gelangte dadurch aus der päpstlichen Sommerresidenz Cantalupo nördlich von Rom nach Cavaillon. Zur Römerzeit befand sich hier ein Kreuzungspunkt der Strasse von Italien nach Spanien mit jener von Marseille nach Lyon. Für uns ist es das Eingangstor zum Luberon. Das ist zunächst eine Bergkette südöstlich von Avignon. Auch ein Regionaler Naturpark mit 16Gemeinden trägt diesen Namen. Abgeschieden in einer Talmulde liegt der renovierte Klosterkomplex Séanque, in dem noch sieben Mönche ein Leben in Armut und Bescheidenheit führen.

Nur fünf Kilometer weiter, dafür ganz in der Höhe auf einem Felsvorsprung, liegt Gordes – ein Dorf mit 2000 Einwohnern. Dominiert wird es von einem markanten Renaissanceschloss und der Kirche Saint-Firmin. Daneben das gleichnamige Palais aus dem 15.Jahrhundert, das durch seinen Untergrund beeindruckt: in den Kalkfelsen gegrabene Höhlen, in denen unter anderem Olivenölmühlen daran erinnern, dass hier einst handwerkliche Tätigkeiten unter Tag verrichtet wurden. Um diesen Dorfkern schmiegen sich, wie angeklebt an den Felsen, die Wohnhäuser, viele davon hübsch restauriert von Zuzügern, die Gordes in den letzten Jahrzehnten entdeckt haben.

Traditioneller Anbau von Färberpflanzen

Im 1850 Quadratkilometer grossen Regionalen Park stehen Eichen und Zedern. Die Römer brachten den Olivenbaum und die Rebe, mit der Landwirtschaft kamen Getreide, Lavendel, Obst und Gemüse. Weil die Landschaft zwischen 70 und 1125 Meter über Meer liegt, wirft sie eine grosse Vielfalt an Erzeugnissen ab. Hinzu kommen leuchtende Farben, betörende Gerüche und Geschmäcker und nachts eine himmlische Ruhe.

In der Provence hat auch der Anbau von Färberpflanzen Tradition. In einem Garten im 4000-Seelen-Dorf Lauris unweit der Durance sind 250 Pflanzenarten aus der ganzen Welt versammelt. Aus ihnen werden Farbstoffe gewonnen. Angeordnet sind sie nach dem Endprodukt in rote, gelbe, blaue und schwarze Gruppen. Gefärbt werden damit Textilien, Papier, Nahrungsmittel oder kosmetische Produkte. Dieser Jardin Conservatoire des Plantes Tinctorales will synthetischen Farbstoffen eine Alternative entgegensetzen, die Artenvielfalt fördern und historisches Wissen erhalten.

Um Aromen geht es am Rand des Nachbardorfs Lourmarin bei Paula Marty. Auf ihrer Ferme des Gerbaud bietet sie Führungen durch die Welt der provenzalischen Kräuter an. Dabei erfährt man, warum der echte Lavendel im Gegensatz zu Lavandin als Heilmittel taugt. Lourmarin zählt wie Gordes zu den schönsten Dörfern Frankreichs; hier liessen sich die Schriftsteller Albert Camus und Henri Bosco nieder. Das Dorf besteht aus einem alten Kern mit der Kirche und verwinkelten Gassen. Einen Steinwurf entfernt, thront das Schloss auf einer Anhöhe.

Der Ort Oppède-le-Vieux wurde vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem Geisterdorf, das danach von Künstlern und Aussteigern wieder besiedelt wurde. Hoch oben klebt noch die Burgruine am Felsen, darunter stehen eine sehenswerte romanische Kirche und entlang des Fusswegs restaurierte Häuser aus der frühen Neuzeit. Der Zauber des Luberon zieht immer wieder Menschen an.

Die Reise wurde unterstützt von Atout France, www.atout-france.fr (SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.05.2019, 17:28 Uhr

Das Herz der Provence

Infos: Mit dem TGV über Basel nach Avignon mit Umsteigen in Djon-­Ville. Dauer: 5½ Stunden. Von dort per Mietwagen in 30 Minuten nach Cavaillon, www.sbb.ch

Unterkunft in der Bastide de Voulonne in Cabrières-d’Avignon: www.bastide-voulonne.com

Ausstellungen: www.couleur-­garance.com,
www.chateau-­de-lourmarin.com. www.luberoncoeurdeprovence.com

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