Mehr als Gipfelwurst und Bier

Nur zuoberst herrscht auf der Zugspitze industrielle Bespassung. Bikern, Wanderern und Familien bietet die Tiroler Region auch stille Naturnähe.

Das ist der Gipfel: Vor lauter Menschen sieht man die berühmte Zugspitze kaum. Foto: Sarahhoa (Flickr)

Das ist der Gipfel: Vor lauter Menschen sieht man die berühmte Zugspitze kaum. Foto: Sarahhoa (Flickr)

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Drei Meter über dem Waldboden kommen Franca die Tränen. «Es geht nicht», schluchzt sie und umklammert einen herabhängenden Baumstamm. «Ich will da runter.» Doch hinter Franca und ihrem Vater schliesst bereits eine fröhliche Gruppe Holländer auf. Im Kletterwald in Bichlbach herrscht an diesem Morgen Hochbetrieb.

Bichlbach – das war lange ein unscheinbares Durchgangsdorf in der an Bayern grenzenden Tiroler Region Ausserfern. Auf dem Weg der Deutschen und Holländer in den Süden. Sie stoppten höchstens für einen Abstecher auf die Zugspitze, den mit 2962 Metern höchsten Gipfel Deutschlands, der auch von der österreichischen Seite her zugänglich ist.

Heute gehört Bichlbach zusammen mit den Orten Ehrwald, Lermoos, Berwang, Biberwier, Lähn-Wengle, Namlos und Heiterwang am See zur Tiroler Zugspitz Arena. Und auch wenn an den Hausfassaden vereinzelt noch verwitterter Weihnachtsschmuck hängt und in den Morgenbulletins der Hotels der Wetterfrosch den Tag ankündigt, so darf man doch sagen: Die Ferienregion ist erwacht.

Jede zweite Übernachtung im Sommer

Biker können aus mehr als 100 markierten Touren ihre Favoriten wählen. Läufern liegen grüne Wiesen, Forstwege oder schroffe Felsen zu Füssen. Golfer haben auf dem 9-Loch-Platz des Tiroler Zugspitz Golf beste Aussicht aufs Wettersteinmassiv. Und Familien können im Bogensportparcours Robin Hood spielen, die Pflanzengeheimnisse der Kräuterhexe entdecken, mit den Senioren über den Heiterwanger See schippern – oder die längste Sommerrodelbahn Tirols runterflitzen.

«Biker, Wanderer, Familien – für alle haben wir unser Angebot ausgebaut», sagt Birgit Linder, Presseverantwortliche der Tiroler Zugspitz Arena. «Damit sind wir zur abwechslungsreichen Aktivregion geworden, die auch im Sommer immer mehr Gäste anzieht.» Bereits fällt die Hälfte aller Übernachtungen auf die warme Jahreszeit. Der Winter verliert, auch wegen der wachsenden Schneeunsicherheit auf einer Höhe von 1000 Metern, an Bedeutung.

Hoch in den Bäumen im Kletterwald hat Franca wieder Mut gefasst. Zusammen mit ihrem Vater erreicht sie die nächste Plattform. Flink hängt die Siebenjährige die Karabiner um und saust hinunter zu Schwester und Mutter. Geschafft! Franca strahlt: «Darf ich noch mal?»

Currywurst und Selfies

Nicht ganz so begeistert ist das Mädchen, als es tags darauf mit Hunderten anderen Touristen auf der Aussichtsterrasse der Zugspitze steht. Es riecht nach Currywurst. Neben dem alten Zollhäuschen, in dem einst vier Beamte Dienst taten, steht ein rauchender Grill. Willkommen im höchsten Biergarten Deutschlands!

Amerikaner sitzen lachend vor leeren Masskrügen auf wackligen Holzbänken. Ein indisches Pärchchen müht sich mit einem Selfie­stick ab, und am Horizont kraxeln Touristen in Turnschuhen gefährlich den schmalen Grat zum Gipfelkreuz hoch. «Das ist ja nicht zum Zuschauen», meint der Vater. Die Tochter rümpft die Nase.

So bleibt der Ausflug auf die berühmte Zugspitze ein kurzer. Auch wenn der Biergarten inzwischen wegen eines Umbaus für diesen Sommer geschlossen ist: So schnell wird die Familie nicht auf den Berg zurückkehren. Es drängt sie zur Seilbahn.

Ohne Auto wirds schwierig

Lieber erforscht die Familie hinter Ehrwald den Zugspitzi-Weg. Dieser schlängelt sich, auf 3,3 Kilometer Länge, naturnah gestaltet einen Wildbach entlang. Franca schöpft Wasser, entziffert Hirtenschriften und lernt Alpenblumen kennen. Obwohl sie nicht alle am Wegrand versteckten Rätselzahlen findet: Der Forscherpfad macht Spass.

«Die Erlebniswege kommen bei den Familien gut an», weiss Sprecherin Birgit Linder. Neben dem Zugspitzi-Wassererlebnisweg hat die Tourismusregion deshalb einen zweiten Abenteuertreck konzipiert: Auf «Moosle’s Forscherpfad» können Kinder bei Lermoos die Flora und Fauna des Grubigsteins entdecken.

Ohne Auto kommt man aber in der Ferienregion nur langsam voran. Die Dörfer in der Tiroler Zug­spitz Arena liegen kilometerweit auseinander und mit ihnen die ­Attraktionen. Während die Gäste in anderen Orten wie Serfaus-Fiss-Ladis ihr Auto vom Ankunftstag bis zum Ferienende in der Hotelgarage parkieren, ist man hier froh ums eigene Fahrzeug.

Dafür läuft in Ausserfern auch die industrielle Bespassung noch nicht auf Hochtouren.

Die Reise wurde unterstützt von Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH und Tiroler Zugspitz Arena.

Erstellt: 03.05.2017, 19:11 Uhr

Zugspitz Arena

Tipps und Infos

Anreise: Mit dem Auto in rund 3,5 Stunden von Zürich via Bludenz und den Fernpass erreichbar.
Unterkunft: Zahlreiche familienfreundliche Hotels und Ferien­wohnungen, z. B. Leading Family Hotel & Resort Alpenrose in Lermoos, ab 130 Euro p. P. im DZ mit ultra-all-inclusive, www.hotelalpenrose.at; Zugspitze Resort in Ehrwald, ab 82 Euro p. P. im DZ mit Frühstück, www.zugspitze-resort.at; Family Alm in Biberwier, ab 46 Euro p. P. im DZ mit Frühstück, www.familyalm.at

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