Mit dem Hundeschlitten durch den Schnee

Auch in der Schweiz gibt es Husky-Touren – ein Selbstversuch in Flumserberg.

Mit Huskys durch die Flumserberge: Die Schlittenfahrt ist ein wahrer Genuss. Foto: Thomas Kessler

Mit Huskys durch die Flumserberge: Die Schlittenfahrt ist ein wahrer Genuss. Foto: Thomas Kessler

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«Alle versuchen jetzt, einen Hund einzufangen», sagt Michael Kobler. 36 Huskys springen aus dem Transporter und sausen auf uns zu. Doch die meisten Hände greifen ins Leere, die Hunde sind schneller und wollen nur eines – zu den Schlitten.

22 Frauen und Männer haben den dreistündigen Schnupperkurs auf der Tannenbodenalp 1400 Meter über Meer gebucht. Laien, die einmal einen Hundeschlitten lenken wollen, wie man ihn sonst nur von Bildern aus Lappland kennt – Familien mit Kindern, junge ­Paare, Väter mit hundevernarrten Töchtern. Michael Kobler bietet mit seinem Team in der zwölften Saison Husky-Touren in der Schweiz an. Er hält über 40 Hunde im toggenburgischen Alt St. Johann, wo sein Unternehmen, Huskystuff, ansässig ist. Während eines Finnlandaufenthalts hatte es ihn erwischt: «Damals habe ich mich total mit dem Husky-Virus angesteckt», sagt Kobler.

Seine Hunde heissen Cipolla, Pippa, Rufus und Thor – jeder und jede hat einen anderen Charakter, erklärt Kobler. Laufen wollen sie alle, seit Jahrhunderten sind ­Huskys dazu gezüchtet. Wobei ­Husky nur eine Funktionsbezeichnung ist wie Jagdhund. Es gibt unterschiedliche Rassen, etwa den Siberian Husky, den Alaskan Malamute, den Samojede sowie den Grönlandhund – und Mischlinge.

Beten, dass die Strecke bald eben wird

Der junge Athos macht gerade Rabatz, bellt, was das Zeug hält. Das steckt die anderen an, im Rudel bellt sichs einfach schöner. Es herrscht volle Lautstärke, als wir die Hunde mit Karabinern an kurzen Leinen im Schnee anbinden. Mein Husky springt senkrecht in die Luft vor Freude, ihm das Zuggeschirr anzuziehen, ist nicht einfach: Wo müssen die Beine durch, wo der Kopf? Nach einer Stunde haben wir endlich angeschirrt und die Hunde in Vierer- und Fünfergruppen vor die Schlitten gespannt.

Mein Gespann bilden Cleo und Sam sowie Tigi und Mortus. Hoffentlich geht das gut, einen Lenker wie im Auto gibts hier nicht, und die Leinen müssen stets gespannt sein, sonst bleiben die Hunde auf freier Strecke stehen. Ausserdem balanciert man links und rechts nur auf einer schmalen Kufe.

Fünf Gespanne fahren jeweils hintereinander den 15-minütigen Rundparcours über die Hoch­ebene auf dem Flumserberg. Ein Guide, Musher genannt, fährt zuvorderst. Gott sei Dank, denn dort, wo er mit seinen Huskys läuft, wollen auch die anderen Hunde hin. Ein Ruck, und ab die Post! Schnell auf die Bremsmatte stehen, die zwischen den Kufen hängt. Wirds rasend schnell, stellt man sich auf die Kralle, ein Metallstück, das im Schnee wie ein Stopper wirkt. In den abschüssigen Kurven habe ich Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Hinten bricht der Schlitten aus – ein Stossgebet zum Himmel, dass die Strecke bald wieder eben wird.

Ein echter Musher würde jetzt Kommandos rufen, aber Musherlatein ist eine Sache für sich. ­Kobler benutzt die finnischen Befehle, er ruft «oikea» für rechts und «vasen» für links.

Mit der Zeit beruhigt sich mein Gefährt – es ist ein Triumph und ein Genuss, so durch die ver­schneite Winterlandschaft zu fahren. Das Gespann weiter vorn legt einen Stopp ein, ein Husky muss mal. Sozial warten die ­Gefährten neben ihm, bis er sein Häufchen gesetzt hat. Zurück am Startplatz sind alle Teilnehmer stolz, es geschafft zu haben.

Im Sommer dürfen die Hunde entspannen

Für die Hunde waren die 2,5 Kilometer ein Klacks. Dank starken Herz-Kreislauf-Systems und eines speziellen Stoffwechsels können Huskys lange Distanzen laufen – zum Beispiel das Iditarod, das längste und härteste Rennen der Welt, das über 1800 Kilometer durch Alaska führt.

Kobler spannt seine Tiere stets in wechselnden Formationen zusammen; dabei gibt es Rüden, die sehr gut miteinander laufen und solche, bei denen es gar nicht klappt. Rüde neben Hündin ist ­unproblematisch. Den Nachwuchs züchtet der Musher gleich selber; wird der Genpool zu klein, kauft er einen neuen Zuchtrüden, am liebsten von einer finnischen Farm. In die Fressnäpfe kommen Frischfleisch vom Rind – in Form von Schlacht­abfällen – sowie aufgeweichtes Trockenfutter.

Huskys lieben kühle Temperaturen. Ab 20 Grad Celsius wollen sie eigentlich nur noch faulenzen. Deshalb wechselt Kobler im Sommer auf ein leichteres Programm: Er spannt die Hunde vor ein Wägeli oder lässt sie am Trottinett laufen. Daneben bietet er Sommercamps für Jugendliche und Seminare zur Teambildung an. Huskys sind eben nicht nur exzellente Läufer – auch sozial sind sie ­kompetent.

Der Trip wurde unterstützt von Heidiland Tourismus.



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Erstellt: 06.01.2020, 07:30 Uhr

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