Per Schiff von Rutsche zu Rutsche

Projekte wie quer über den Walensee hinweg vernetzte Spielplätze oder eine Solarstrom-Bergbahn kandidieren für den Milestone-Preis. Er belohnt Vorhaben, die den Tourismus voranbringen.

Das Spielerlebnis Walensee verbindet die Spielplätze der Region mit einer Storyline und lädt zum Lösen eines Rätsels ein. Foto: Thomas Kessler Visuals

Das Spielerlebnis Walensee verbindet die Spielplätze der Region mit einer Storyline und lädt zum Lösen eines Rätsels ein. Foto: Thomas Kessler Visuals

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Nicht einmal acht Minuten benötigt die Gondel, um vom Rheintal hinauf zum Berggasthaus Staubern zu schweben. Wenn der Föhn bläst wie vergangene Woche, fühlen sich die maximal acht Passagiere schon mal wie in einer Nussschale, das Äussere der Kabine erinnert an eine Baumnuss. Glück im Unglück, dass am Mittwoch die leere Gondel abstürzte, während die Fahrgäste aus der bergwärts schwebenden Kabine unversehrt gerettet wurden.

Nüsse verfolgen Ausflügler bis in die Staubern-Gaststube auf dem östlichen Grat des Alpsteins an der Grenze zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden: Zu Nuss-Salametti trinkt man ein Glas Roten aus dem Nussbaumholz-Fass – und vergisst ob des Genusses leicht das unglaubliche Panorama, das sich vom Arlberg bis zur Bernina-Gruppe erstreckt. Nüsse wachsen auf 1751 Meter über Meer zwar nicht, aber die Talstation liegt in Frümsen SG; der Ort vermarktet sich selbstbewusst als Nuss-Hochburg des Landes.

Dass es die Staubernbahn unter die letzten acht Projekte der diesjährigen Milestone-Verleihung geschafft hat, mag nach dem Unglück ein Trost sein für die Initianten. Die vor kurzem erneuerte, derzeit aber stillgelegte Verbindung ist eine Weltpremiere: die erste Bergbahn, die nicht nur den Strom aus einer Solaranlage bezieht, sondern auch energieunabhängig und umweltneutral ist. Besitzer Daniel Lüchinger betreibt die Bahn und das seit 1930 bestehende Berggasthaus CO2-neutral.

Überdurchschnittlich viele Projekte aus der Ostschweiz

Die Staubernbahn ist eines von 68 Projekten, die um den Sieg in der Milestone-Hauptkategorie «Innovation» wetteifern. Im September beugte sich die siebenköpfige Jury um die Vorsitzende Ruth Metzler-Arnold an einer zweitägigen Klausur in Zermatt über die Dossiers. Neben der Alt-Bundesrätin sitzen sechs Exponenten aus der Tourismusbranche und -forschung in der Jury. Der Unternehmerverband Hotelleriesuisse und die Fachzeitung «HTR Hotel Revue», unterstützt vom Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) sowie Branchenpartnern, bilden die Milestone-Trägerschaft. «Dieses Jahr wurden auffallend viele kleinere Projekte eingereicht», sagt Anja Peverelli, die Milestone-Geschäftsführerin. «Sie zeigen die Kleinteiligkeit der Schweizer Tourismusbranche.» Um die drei ersten, mit Beträgen von 5000 bis 10'000 Franken dotierten Preise der Hauptkategorie «Innovation» bewerben sich jedes Jahr Unternehmen, die für neuen Schwung in der Branche sorgen und eine gute Idee wirkungsvoll umgesetzt haben. «Damit wir den Erfolg bemessen können», sagt Anja Peverelli, «müssen erste Kennzahlen vorliegen.» Weitere Milestones erhalten ein taufrisches Projekt mit Entwicklungspotenzial, eine verdiente Persönlichkeit aus dem Tourismus oder verwandten Bereichen für ihr Lebenswerk sowie eine Nachwuchskraft.

«Mit dem Milestone wollen wir die Innovationskraft im Schweizer Tourismus stärken und Impulse geben», sagt Gery Nievergelt, Milestone-Strategievorsitzender und Chefredaktor der «HTR Hotel Revue». Impulse setzen in diesem Jahr Bewerber aus der Ostschweiz, sie sind auf der Liste der Nominierten überdurchschnittlich gut vertreten. Von der Solargondelbahn zwischen Rheintal und Alpstein, die es ins Doppelquartett der Nominierten geschafft hat, war bereits die Rede, mit dem Spielerlebnis Walensee fand ein weiteres Ostschweizer Projekt Aufnahme in den Kreis der Auserwählten. Die Plattform verbindet sechs Spielplätze im Kanton St. Gallen zwischen Weesen und Walenstadt, die umgebaut wurden und einer gemeinsamen Storyline folgen. Touristen können mit dem Schiff von einem Spielplatz zum andern fahren und nebenbei das Rätsel des tiefsten Sees der Schweiz lösen, etwa an der «Costa del Sol» in Quinten mit ihrer mediterranen Fauna und Flora.

Das Spielerlebnis, hinter dem ein Verein steht, bereichert das eher überschaubare touristische Angebot einer Region, die früher berüchtigt war für unsägliche Verkehrsstaus im ufernahen Nadelöhr.

Eine weitere Kandidatin für den Milestone-Siegerstein, diesmal mit nationaler Ausstrahlung, ist das Info- und Buchungsportal Claire & George. Es fasst barrierefreie Ferienangebote zusammen: von rollstuhlgängigen Unterkünften, die zum Teil auch Spitex-Leistungen vermitteln, über die Möglichkeiten, die einzelne Destinationen bieten, bis zu Packages für die Grand Tour of Switzerland. Wer sich in Claire & George vertieft, realisiert, dass Ferienangebote für ältere und in irgendeiner Weise beeinträchtigte Menschen ein wichtiger Zukunftsmarkt sind. «Wir hoffen», sagt Anja Peverelli, «dass die aktuellen Milestone-Projekte den Ideenreichtum im Schweizer Tourismus befeuern.» Bei der 19. Preisverleihung am 13. November im Berner Kursaal sorgen die Organisatoren schon mal für frischen Schwung: Neben Gastgeber Gery Nievergelt wird nicht wie bisher SRF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber auf der Bühne stehen, sondern neu die TV-Frau Kiki Maeder.

www.htr-milestone.ch www.staubern.ch www.spielerlebnis-walensee.ch www.claireundgeorge.ch (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.11.2018, 17:28 Uhr

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