Quietschen vor Vergnügen

Zeitlose Entspannung im Land der Uhrmacher: Das Reka-Dorf im jurassischen Montfaucon lässt die Eltern sich entspannen und den Nachwuchs sich austoben.

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«Wir machen in Montfaucon Ferien.» «In Mont... – wie?» Die Reaktion unserer Bekannten ist nicht weiter verwunderlich: Wer hat schon die 550-Seelen-Gemeinde im jurassischen Bezirk Franches-Montagnes auf dem Radar? Dass die Schweizer Reisekasse (Reka) ausgerechnet an diesem Ort ein Feriendorf betreibt, hat System: Die Anlagen der Genossenschaft befinden sich meist abseits der grossen Tourismuszentren, damit auch ländliche Gegenden von ferienhungrigen Gästen profitieren können.

Zum Glück, denken sich Erholungssuchende. Hat man erst einmal in Montfaucon eingecheckt, möchte man diesen herrlichen Flecken Erde nur zu gern in der Kategorie «Geheimtipp» belassen. Allzu grosse Sorgen, dass es hier einmal zu eng werden könnte, sind kaum angebracht: Die Anlage ist nicht auf Massentourismus ausgerichtet und fühlt sich trotz Komplettbelegung nicht voll an. Weit über eine Anhöhe verteilt liegen die 33 weissen Chalets des Feriendorfes auf den Wiesen – wie übergrosse Figuren eines Monopoly-Spiels. Immer leicht versetzt, damit der Blick auf die Hügel der Freiberge unverstellt bleibt.

Rund um die Uhr die Zeit vergessen

«Schau mal: Man sieht bis zum Chasseral.» Während wir Eltern noch die Aussicht im Wohnzimmer bewundern, rufts aus dem Kinderzimmer: «Ich nehme das obere Bett!» Für kuschlige Stimmung sorgen die Cheminées, die es in jedem Häuschen gibt – gerade, wenn der Nebel es bis nach Montfaucon schafft. Das sei im Frühling oder Herbst manchmal der Fall, sagt die Réceptionistin. «Im Winter haben wir hier auf 1000 Meter über Meer so gut wie immer strahlend blauen Himmel.»

Bei der Ankunft dominiert vor allem eine Farbe: Grün. Die Vegetation wuchert, und der süsse Duft von Fichtennadeln liegt in der Luft. Ab und zu jagen sich ein paar Eichhörnchen durchs Feriendorf, zu hören ist nichts als Vogelgezwitscher. Klingt kitschig, in der Tat, aber es ist völlig okay.

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Wir fühlen uns gleich zu Hause in unserem Chalet 16 und verfallen auf der Stelle dem Montfaucon-Motto: «Rund um die Uhr die Zeit vergessen». Mediterrane Entspannung macht sich breit. Eltern geniessen an der Sonne ein paar Minuten Ruhe, bis die Babys aus dem Mittagsschlaf erwachen. Ältere Feriengäste stricken auf der Loggia ihrer Häuschen. Zum fast schon meditativen Zeitvertreib wird es, vom Liegestuhl aus den Windrädern am Horizont zuzusehen. Dazu noch die Umdrehungen der Rotoren zählen – schon döst man weg.

Abenteuer warten – man kann sich sogar entführen lassen

Natürlich haben sich hier auch dynamische Familien eingenistet. Eltern und Kinder schnallen den Rucksack um, steigen auf den Velo- oder in den Pferdesattel. Es gibt ja auch viel zu entdecken: das Tal des Doubs zum Beispiel. An heissen Tagen bietet die Senke Kühlung. Manche Stellen erreicht die Sonne kaum, und das Moos kann die Landschaft ungestört in eine geisterhafte Kulisse verwandeln. Ein grandioses Naturspektakel ist die Tropfsteinhöhle im Préhisto-Parc von Réclère oder der malerische Etang de la Gruère. Richtig Action verheisst eine Sonderfahrt mit dem Dampfzug zwischen Glovelier und Saignelégier, wenn eine Reiter­truppe mit Ge­töse die Passagiere überfällt und einige sogar entführt – die Gekidnappten werden später wieder zurückgebracht.

Die Sache ist allerdings die: Man muss sich regelrecht aufraffen, das Reka-Dorf zu verlassen. Alles ist vor Ort, was eine Familie zur Erholung braucht. Darin unterscheidet sich Montfaucon nicht von anderen Anlagen der Genossenschaft. Über 1200 Ferienwohnungen in der Schweiz und 80 Ferienanlagen im umliegenden Ausland gehören inzwischen zum Angebot der Non-Profit-Organisation. Allein im vergangenen Jahr hat jede siebte Schweizer Familie in einem Reka-Domizil Ferien verbracht. Jenen mit geringem Einkommen bietet die Genossenschaft Familienferien zu speziell günstigen Konditionen – auch in Montfaucon.

Vor sechs Jahren hat Reka die Chalets der 1968 eröffneten Ferienanlage samt Möblierung modernisiert. Auch die dorf­eigene Wellnesszone hat vor drei Jahren ein Facelifting erhalten. Finnische Sauna, Sanarium, Dampfbad, Whirlpool oder Ruheraum stehen bis 22 Uhr zur Verfügung, sofern die Benutzer älter als 16 sind. Sonst wird das ja nichts mit der Tiefenentspannung.

Für Kinder gibt es täglich Rekalino-Betreuungsangebote oder Spezialaktivitäten wie Reiten, Pingpong-Turniere und Velo-Parcours. In Anspielung auf die Uhrmachertradition im Kanton Jura ist da noch der brandneue Spielplatz samt Uhrenturm und Feuerstelle auf einem der Plateaus und einer Gratis-Minigolf-Anlage in Zifferblattoptik.

«Wir gehen noch ein wenig golfen», lautet denn auch der Satz, den wir hier oft hören. Noch öfter kommt die Frage: «Gehen wir ins Hallenbad?» Das gibt es nämlich auch. Also steigen wir Erwachsenen abwechselnd aus dem Wellnessdampf auf und ins Schwimmbecken ein. Wird es im Bassin trotz angenehm warmer Wassertemperaturen doch einmal zu kühl, huscht man rüber ins Sprudelbad. Von dort lässt sich wunderbar beobachten, wie die Kinder sich mit den Schaumstoffnudeln auf die Köpfe hauen und dabei quietschen vor Spass. Auch das ein fast schon meditativer Zeitvertreib. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.06.2018, 20:56 Uhr

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Anreise und Arrangement

Anreise: Mit dem Auto über Saignelégier oder Glovelier nach Montfaucon. Per Zug via Biel nach Glovelier, weiter mit dem Postauto bis Post Montfaucon. Ab dort sind es noch fünf Minuten zu Fuss bis ins Reka-Dorf.
Arrangement: Eine Woche im Feriendorf Montfaucon kostet je nach
Grösse der Wohnung in der Vorsaison zwischen 715 und 1134 Franken, in der Hauptsaison zwischen 1000 und 1670 Franken. Chalets und Wohnungen verfügen über eine offene Küche samt Geschirrspüler, TV und Cheminée. Babyartikel wie Buggy oder Bettchen werden vor Ort gratis zur Verfügung gestellt.
Bike-Mietservice: Im Feriendorf können neuste Bikes für Erwachsene und Kinder gemietet werden – darunter auch E-Mountainbikes. Kartenmaterial für Velotouren in der Region gibts an der Réception.

Allgemeine Infos: www.reka.ch; www.juratourisme.ch

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