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Roter Teppich auf der Grünen Insel

Irlands neuste touristische Errungenschaft ist ein Luxuszug, der keine Eile hat, ans Ziel zu gelangen.

Nadja Pastega
Komfortabel durch das Reich der Mythen und Märchen: Der Belmond Grand Hibernian. Foto: Belmond Library
Komfortabel durch das Reich der Mythen und Märchen: Der Belmond Grand Hibernian. Foto: Belmond Library

Der Zug nimmt Fahrt auf und schnurrt über die Schienen. Vor den Fenstern ziehen grüne Wiesen vorbei, weidende Schafe, Koppeln mit Pferden. Ein blauer Himmel spannt sich darüber. Im Panoramawagen wird Champagner serviert. Die Reise im Belmond Grand Hibernian, Irlands erstem Luxuszug, hat begonnen.

40 Handwerker haben den Zug in 35 000 Arbeitsstunden zusammengebaut. Die Lok zieht fünf Schlafwagen für 40 Gäste, zwei Speisewagen, einen Wagen für die Crew und den Panoramawagen mit der Bar, in dem man sich abends durch ein reiches Sortiment irischen Whiskeys kosten kann. 2217 Kilometer legt der mitternachtsblaue Luxuszug zurück – von Dublin nach Belfast im Norden, dann südwärts bis nach Cork.

Der Zug mit dem sperrigen Namen Belmond Grand Hibernian wurde nach seiner Besitzerin, dem Unternehmen Belmond, und dem lateinischen Wort für Irland, Hibernia, benannt. Er verkehrt auf wechselnden Routen.

Der Belmond Grand Hibernian mit Kabinen im irischen Country-Look. Foto: Belmond Library
Der Belmond Grand Hibernian mit Kabinen im irischen Country-Look. Foto: Belmond Library

«Legends and Loughs», Sagen und Seen, heisst die fünftägige Reise nach Cork, Killarney, Galway und Westport im Süden und Westen. Jene nach Belfast im Norden heisst «Realm of Giants», Reich der Riesen. Die Namen erinnern daran, dass Irland das Land der Mythen und Märchen, der Sagen und Legenden ist.

Der Brite Ken, ein pensionierter Aviatikanwalt, ist unter den Gästen der Eisenbahnprofi an Bord. Er ratterte schon mit der Eisenbahn durch die Mongolei, durch Russland, Indien und Südafrika, mit dem Transasia Express durchfuhr er den Iran, und mit dem Royal Scotsman erkundete er Schottland. Während der Zug mit 80 Stundenkilometern durch die irische Landschaft gleitet, sitzt Ken mit einem Glas Whiskey im Panoramawagen und erklärt, dass er zwar für die Airlinebranche gearbeitet habe, aber auf Reisen keine Flugzeuge mag. «Dort sitzt man immer so eng.» Der Zug, sagt Ken, sei auch einem Kreuzfahrtschiff haushoch überlegen. «Diese Menschenmassen auf den Schiffen! Wenn man von Bord will, muss man mit 5000 anderen Leuten in der Schlange stehen. Züge sind viel komfortabler.»

Das gilt zumindest für einen Luxuszug wie den Grand Hibernian. Hier wurde an nichts gespart. Die 25-köpfige Crew sorgt nonstop für das Wohl der Gäste, Geschirr und Silberbesteck mit dem keltischen Knoten wurden eigens für diesen Zug entworfen. Die Kabinen im irischen Country-Look und mit eigenem Bad sind so luxuriös wie gehobene Hotelzimmer. An den Wänden hängen Bilder von irischen Künstlern, die Gäste schlafen in blütenweisser Bettwäsche aus ägyptischer Baumwolle. Kissen und Duvets sind gefüllt mit irischen Entendaunen.

Kennedy- und Reagan-Plakette abmontiert

Belmond hiess früher Orient Express und hat den Luxuszug im letzten August auf die Schiene gebracht. Dem amerikanischen Unternehmen gehören 47 Hotels, Züge und Flusskreuzfahrtschiffe in Europa, Asien und Südamerika, alle im sehr gehobenen Segment. Der Grand Hibernian ist der siebte Luxuszug in der Sammlung, zu der auch der legendäre Simplon-Ve­nice-Express gehört. Dessen Vorgänger hat Agatha Christie im Krimi «Mord im Orient-Express» verewigt.

Eine Rundreise im Luxuszug ist, Kens Einschätzung hin oder her, wie eine Kreuzfahrt auf Schienen. Jeder Passagier hat seine feste Kabine, aber man geht täglich für Ausflüge von Bord. Auf der Südroute macht der Grand Hibernian etwa in der Studentenstadt Galway für einen Rundgang halt, auf dem Programm steht auch eine Fahrt durch den 3000 Hektaren grossen Connemara-Nationalpark mit rauen Mooren und dunklen Bergseen. Die Region war einst berühmt als Sammelbecken für Künstler und Autoren wie Oscar Wilde, der nach Inspiration gesucht haben soll. Für die Menschen, die hier leben, sieht der Alltag weniger romantisch aus. «Die Felder sind so klein und felsig, dass der Gedanke an Ackerbau wohl nur einem Exzentriker kommt», schrieb der Dramatiker John Millington Synge.

Ein weiteres Ausflugsziel ist das legendäre Ashford Castle, das eines der exklusivsten Fünfsternhotels in Irland beherbergt. Hier nächtigten schon Ronald Reagan und US-Senator Ted Kennedy. Nach den beiden Staatsmännern sind zwei Suiten benannt. Als der chinesische Premierminister nach Ashford Castle kam, montierte man die goldenen Namensplaketten «Reagan» und «Kennedy» an den Türen ab und ersetzte sie mit «Präsident 1» und «Präsident 2», wie der Hotelmanager erzählt. «Ein chinesischer Premierminister schläft nie und nimmer in einem Zimmer, das nach einem amerikanischen Präsidenten benannt ist.» Als Chinas Premier abgereist war, montierte man wieder die Originale.

Nach jedem Ausflug wird auf dem Perron für die Passagiere des Grand Hibernian ein roter Teppich ausgerollt. Für die Rückkehrer gibt es vor dem Abendessen Cocktails oder Champagner. Der Brite Ken wechselt bald zum Whiskey. Er sei hier schliesslich in Irland. Seine Frau bleibt bei Tee. Wie jeden Abend zaubert der Koch, der früher in einem Sternelokal am Herd stand, ein erlesenes Dreigang­menü auf den Tisch, dazu gibt es einen edlen Tropfen.

Von den Eiern bis zur gebratenen Blutwurst

Damit die Passagiere abends ruhig schlafen können, aber auch weil das Land zu klein ist, steht der Zug nachts jeweils auf einem Provinzbahnhof auf dem Abstellgleis. Am Morgen fährt er wieder los, ruckelnd, zuckelnd, knarzend. Einen Wecker braucht man nicht. Ab sieben Uhr gibts Frühstück. Full Irish Breakfast mit Eiern, Speck und einer Scheibe gebratener Blut- und Leberwurst für die Hartgesottenen. Wer es weniger deftig mag, bestellt Porridge oder Brötchen, Toast und Konfitüre.

Die Stimmung an Bord ist locker. Auch das gehört zu den Vorzügen der Eisenbahn: Man lernt sich schnell kennen, trifft sich im Speisewagen oder sitzt zum Plaudern im Panoramawagen. Im Zug hat man viel Zeit für das Zusammensein. Wer mit der Eisenbahn reist, weiss die Langsamkeit des Fortkommens zu schätzen. Es geht nicht darum, auf dem schnellsten Weg an ein bestimmtes Ziel zu gelangen – der Genuss des Zugfahrens selber ist das Ziel.

Als der Belmond Grand Hibernian nach fünf Tagen morgens um 10 Uhr im Bahnhof von Dublin einfährt, kennt man von jedem ein Stück Lebensgeschichte. Ken sitzt im Panoramawagen, ohne Whiskey, neben sich den Koffer. «Die Tour hat mir gefallen», sagt er mit britischem Understatement, «vielleicht mache ich sie ein zweites Mal.» Zuerst aber, sagt Ken, reise er nach Peru. Alles sei schon aufgegleist. Er plane eine Reise zum Machu Picchu. Mit dem Zug. What else.

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Die Reise wurde unterstützt von Belmond.

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