Tag und Nacht mit Picasso

Basel ist dem Künstler tief verbunden – eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruhte. Spürbar wird das in Picassos Lieblingshotel am Rhein.

Im historischen Grand Hotel Les Trois Rois fühlten sich Picasso und seine Familie wohl: Doppelzimmer mit Balkon zum Rhein. Foto: Les Trois Rois

Im historischen Grand Hotel Les Trois Rois fühlten sich Picasso und seine Familie wohl: Doppelzimmer mit Balkon zum Rhein. Foto: Les Trois Rois

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Solche Post bekommt der Hotelgast gern. Vermeintlich von Pablo Picasso (1881–1973). Der Künstler berichtet in einem handgeschriebenen Brief, wie er am 7. September 1932 auf dem Balkon des Grand Hotel Les Trois Rois direkt am Rheinufer eine Nacht verbringt. Er schwärmt von der Lage des ­Hotels, das damals Drei Könige hiess, von der tintenschwarzen Farbe des Flusses und der Stille der Nacht. Er bleibt auf dem Balkon, bis es wieder hell wird.

Man möchte es ihm gleichtun, die Fenster aufreissen, auf den Balkon treten und staunen, wie über der Mittleren Brücke rotglühend die Sonne aufgeht und die Stadt zum Leben erwacht.

Video: Fondation Beyeler zeigt Picasso-Ausstellung

Die Werke der blauen und rosa Periode aus dem Frühwerk von Pablo Picasso gehören nicht nur zu den teuersten der Kunstgeschichte, sondern auch zu den beliebtesten. Video: SDA

Picasso und seine Familie wohnten gern in dem historischen Grand Hotel Les Trois Rois aus dem Jahr 1844, das seinen stilvollen Charakter beibehalten hat. Es war aber sein Sohn Claude Picasso, der dem ­Hotel ein paar Gewohnheiten seines Vaters verriet und die kleinen Briefe gestaltete. «Bier, Absinth, schwarzen Kaffee und Zigarillos, das mochte der Künstler», sagt Caroline Jenny, Head of Marketing & Communications des Hotels. Und natürlich die Bouillabaisse von seinem langjährigen Freund Franco Donati. Das Restaurant des ehemaligen Besitzers Chez Donati gehört zum Les Trois Rois. Die Fischsuppe ist in der Tat vortrefflich.

Die Basler Bevölkerung zahlte Millionen für Bilder

Basel, die Fondation Beyeler und Picasso – das ist eine lange Geschichte von gegenseitiger Freundschaft und Achtung. Ernst und Hildy Beyeler, Museumsgründer der Fondation Beyeler, waren grosse Bewunderer von Picasso. Mit über 30 seiner Werke ist die Fondation im Besitz einer der grössten und erlesensten Picasso-Sammlungen weltweit. Immer war das Ehepaar Picasso und seiner Familie freundschaftlich verbunden, auch über den Tod Picassos 1973 hinaus. ­Picasso-Enkelin Diana Widmaier Picasso und Sohn Claude, sein Nachlassverwalter, sind bis heute in beratender Funktion tätig, wenn es um Ausstellungen geht.

Wie sehr die Basler Pablo Picasso verehren, wird im Herbst 1967 deutlich. Der Künstler war inzwischen 86 Jahre alt und wurde als weltbester Maler gehandelt. Der bekannte Basler Kunstsammler Peter G. Staechelin besass einige seiner Werke, bevor er in finanzielle Schieflage geriet. Doch den geplanten Verkauf für 8,4 Millionen Franken der beiden Picasso-Bilder «Les deux frères» und «Arlequin assis» wollten die Basler nicht hinnehmen. In einer Volksabstimmung sprachen sie 6 Millionen Franken für ihren Erwerb. Das spektakuläre Basler Bettlerfest steuerte die fehlenden 2,4 Millionen bei. Das beeindruckte Picasso derart, dass er der Stadt vier weitere Werke schenkte. «Die Picassos sind da», jubelten die Basler bei der Ankunft der Bilder. Als Dank heisst heute der Platz hinter dem Kunstmuseum Picassoplatz.

Bis Ende Mai gibt es nun wieder eine Gelegenheit, Picassos Kunst zu würdigen, denn erneut sind die Picassos da. Die Ausstellung in der Fondation Beyeler ist die erste in der Schweiz, die sich der Blauen sowie der Rosa Periode widmet. Zu sehen sind 75 Meisterwerke aus den Jahren des jungen Künstlers zwischen 1901 und 1906; das Bild vom Begräbnis Carlos Casagemas’, Picassos bestem Freund, der sich im Februar 1901 aus enttäuschter Liebe erschoss, gilt als Beginn der Blauen Periode. Melancholie und Tristesse dominieren. Picasso malte Figuren am Rande der Gesellschaft, zeigte die Abgründe des Lebens, Trinker und Verzweifelte mit grün schimmerndem Absinth im Glas. Die Bilder widerspiegeln wohl auch seine eigene einst prekäre Lebenslage. Berühmt und reich war er damals noch lange nicht.

Erst als er die junge Fernande Olivier 1904 kennen lernte, hellte sich die Gemütslage auf. Sie war seine Muse, die er oft porträtierte, in immer heller werdenden Farben, die zur Rosa Periode überleiteten. Changierende Rottöne, die bunte Welt der Gaukler, Artisten und Akrobaten dominierten plötzlich auf der Leinwand. 1908 begründet Picasso zusammen mit Braque den Kubismus. Er wurde reich, berühmt, aber auch umstritten. «Ich wollte Maler sein und bin Picasso geworden«, sagte er einst.

In Zusammenarbeit mit Basel Tourismus

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 09.03.2019, 17:23 Uhr

Absinth und Varieté wie zu Picassos Zeiten

Picasso-Package: Bis 26. Mai wird das Erlebnis «Auf den Spuren von Picasso» angeboten. Übernachtung im Grand Hotel Les Trois Rois inkl. Frühstück und Eintritt in die Fondation Beyeler, Nachmittagskaffee und Patisserie vom Kuchenwagen, 4-Gang-Candle-Light-Dinner im Restaurant Chez Donati, Basel Card für die freie Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie 50 Prozent Ermässigung auf weitere Kulturangebote. Ab 505 Fr. p. P.

Rahmenprogramm: Im Souterrain der Fondation Beyeler wurde eigens für die Ausstellung das schmucke Café Parisien eingerichtet. Hier kann man einen typisch französischen Snack geniessen oder einen Absinth probieren. Innerhalb des umfangreichen Programms gibt es rauschende Varieté-Nächte, Blaue Stunden, Flamenco- und Drag-Shows zu erleben. Man kann sogar sein eigenes zeichnerisches Können unter Beweis stellen. Öffentliche Führungen, interaktive Bücher sowie ein Film und Familientage runden das reichhaltige Angebot ab.

Buchen: Grand Hotel Les Trois Rois, Blumenrain 8, 4001 Basel, www.lestroisrois.com; Fondation Beyeler, Baselstrasse 101, 4125 Riehen/Basel, www.fondationbeyeler.ch; Tipp: Für zügigen Eintritt Ticket online kaufen.

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