Von der klösterlichen Einkehr zur Party auf Schienen

Bei den 22 Benediktinermönchen im Kloster Disentis findet man die Stille. Hier kann man auch haltmachen auf dem Weg in die kantonsübergreifende Skiarena.

Von jeher Unterkunft für Wanderer, Pilger und andere: Das Kloster thront über Disentis. Foto: Mattias Nutt Photography

Von jeher Unterkunft für Wanderer, Pilger und andere: Das Kloster thront über Disentis. Foto: Mattias Nutt Photography

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Ordensbruder Stefan empfängt den Gast am Portal des Klosters Disentis, bittet freundlichst, sich aller elektronischen Gerätschaften zu entledigen, stellt stattdessen einen Polaroid-Fotoapparat zur Verfügung und führt in die reservierte Unterkunft. In schöne geräumige, neu erstellte Zimmer aus hellem, fein duftendem Fichtenholz.

Erschöpft lässt sich der Gast in die Kissen fallen und fragt sich: Was mache ich hier eigentlich? ­Solche Impressionen liefert das folgende Video.

«Wanderer, Pilger und andere machten schon immer in Klöstern Rast, bekamen Unterkunft und Verpflegung, um sich in Abgeschiedenheit fit für den Weitermarsch zu machen», sagt Bruder Stefan Keusch, der unter anderem als Gästebetreuer im Benediktinerkloster tätig ist. «Diese Gastfreundschaft wollen wir pflegen und der heutigen Zeit anpassen.»

Schon in den langen Gängen kommt man zur Ruhe

Natürlich werde dem Gast weder Smartphone noch Computer abgenommen, schmunzelt der Mönch, aber man möchte auf die Idee der digitalen Auszeit aufmerksam machen. Fernsehen ist nicht zu erwarten, dafür gibts einen Salon und ein Lesezimmer. Internetanschluss auch, wenns denn sein muss. Und natürlich viel, viel Ruhe.

Die spürt man schon, wenn man die langen Flure des 300 Jahre alten Barockbaus entlangschreitet, die Stille und den grandiosen Ausblick auf die Berge auf sich wirken lässt. Niemand käme auf die Idee zu hasten, und ganz automatisch senkt man die Stimme. Am Ende des langen Gangs gelangt man zur Klosterkirche, die nach vierjähriger aufwendiger ­Renovation in frischem Glanz erstrahlt und im März die festliche Wiedereinweihung erfährt. Es lohnt sich, hier ein paar ruhige Minuten zu verbringen, ebenso ist das Klostermuseum mit seinen kulturhistorischen und naturgeschichtlichen Ausstellungen einen Besuch wert.

Raum zum Abschalten: Auf TV-Geräte wurde in den Zimmern bewusst verzichtet. Foto: Magnus Fröderberg

Wer tiefer in das religiöse Alltagsleben des Benediktinerklosters eintauchen möchte, kann sich dem Programm «Kloster auf Zeit» anschliessen, einer Auszeit für ein paar Tage oder länger. Sie soll in der Welt des Klosters zur inneren Einkehr und Ruhe führen – in einer Welt mit Ritualen der Gemeinschaft, Gebeten und gregorianischen Gesängen.

Ora et labora, Beten und Arbeiten bestimmen den Rhythmus des Tages, denn auch ein Kloster muss ganz weltlich ein Einkommen erwirtschaften. Mit lehr- und handwerklichen Tätigkeiten, Kulturgenuss sowie einem selbst gemachten Sortiment an Speis und Trank. Bruder Stefan zum Beispiel, der auch begeistert die Orgel spielt, weist Gäste gern in die Geheimnisse des gewaltigen Musikinstruments ein.

Die Piste Hinter Felli ist nun jeweils bis Mittag offen

Wem das zu viel der Ruhe ist, bleibt einfach nur über Nacht und gestaltet die Tage rund um das Kloster für sich. Beim Spaziergang in der Berglandschaft rund um ­Disentis oder Sedrun, dem nächsten Dorf auf dem Weg in die neue Skiarena Andermatt-Sedrun-Disentis. 180 Pistenkilometer auf bis zu 3000 Meter Höhe erschliessen sich hier dem Wintersportler durch 33 moderne Anlagen in den Kantonen Graubünden und Uri.

Dank der neuen Gondelbahn Schneehüenerstock-Express können Skifahrer und Snowboarder in diesem Winter von der einen Seite des Oberalppasses auf die andere wechseln. Auch die Piste Hinter Felli, die an den Weihnachtstagen durch einen überraschenden Lawinenabgang in die Schlagzeilen geriet, ist wieder frei. Aus Sicherheitsgründen wird sie aber bei starker Sonneneinstrahlung etwa ab Mittag geschlossen.

Für viel Spass sorgt der neue ­Après-Ski-Zug. Zwei Panorama­wagen des Glacier Express wurden dafür zweckentfremdet, neu umgebaut und poppig verziert. Jetzt bieten die Wagen Steh- und Sitzplätze und eine Bar mit Loungebereich. Neben dem klassischen Getränkeangebot werden auch kleine Snacks serviert. Jeden Tag bis Saisonschluss überwinden die Après-Ski-Wagen 6000 Höhenmeter, von Andermatt über den Oberalppass bis nach Disentis, zweimal hin und zweimal zurück. An sechs Stationen kann man ein- oder aussteigen, um auf die Pisten oder zurück in die Unterkunft zu gelangen.

Und an den Wochenenden legt ein DJ auf – der Zug wird zur ­Party-Location.


In Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Disentis Sedrun Tourismus.

Erstellt: 03.02.2020, 12:13 Uhr

Auch Frauen sind als Übernachtungsgäste willkommen


  • Anreise: Von Zürich nach Chur, weiter mit der Rhätischen Bahn nach Disentis, zehn Minuten Aufstieg zum Kloster.

  • Unterkunft: Im Kloster sind 40 Zimmer respektive 63 Betten vorhanden, 18 davon mit gehobenem Standard. 22 Mönche beten und arbeiten im Kloster. Das Programm «Kloster auf Zeit» ist Männern vorbehalten. Frauen können aber im Kloster übernachten. www.kloster-disentis.ch

  • Disentis: Die älteste bestehende Kirche von Disentis ist die Saalkirche Sontga Gada mit gut erhaltenen Fresken. Die barocke Pfarrkirche Sogn Gions von 1647 wird als katholische Dorfkirche genutzt.

  • Sedrun: Das Dorfmuseum La Truaisch zeigt Heimatliches der Gegend, www.tujetsch.ch; Sedrun hat auch ein Erlebnis- und Wellnessbad, www.bognsedrun.ch

  • Skigebiet: Alle Informationen zu Unterkünften, Schneesportschulen, Ausrüstungsanbietern, Anreisemöglichkeiten, Bergbahntickets und Restaurants in der Skiarena Andermatt-Sedrun-Disentis unter www.winter.plus

  • Allg. Infos: www.disentis-sedrun.ch

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