Wo die Steinblume blüht

Der Monte Generoso lockt mit der Fahrt in einer der ältesten Zahnradbahnen der Schweiz und einem Traumpanorama.

Wow-Effekt garantiert: Selfie auf dem Gipfel Vetta. Foto: Keystone

Wow-Effekt garantiert: Selfie auf dem Gipfel Vetta. Foto: Keystone

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Manchmal trennen Reisende, die im regnerischen Zürich den Zug bestiegen haben, weniger als 20 Minuten vom blauen Himmel. Sie müssen lediglich den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel durchqueren, und schon liegt das trübe Mittelland hinter und das sonnige Tessin vor einem. Über Bellinzona wölbt sich ein wolkenloser Himmel. Nicht weniger schön leuchtet später das Blau des Luganersees.

In Capolago, einige Stationen hinter Lugano, geht die Reise weiter mit der einzigen Zahnradbahn im Tessin. Die Monte-Generoso-Bahn trägt die Kantonsfarben Rot und Blau und ist mit robusten Holzbänken ausgestattet. Sie gehört zu den ältesten der Schweiz. Seit 125 Jahren fährt sie den Berg hoch und bewältigt in einer Dreiviertelstunde knapp neun Kilometer Distanz und tausend Höhenmeter. «Wahnsinn», entfährt es den Mitreisenden, einer Gruppe österreichischer Biker. Sie wollen auf halber Strecke von der Stazione Bellavista mit den Velos zurück ins Tal fahren. Und hier, bei herrlicher Sicht, überraschen bereits die ersten bezaubernden Ausblicke auf den Luganersee.

Blick auf die Seenlandschaft Norditaliens und darüber hinaus

Zuoberst, auf über 1700 Meter über Meer, breitet sich das spektakuläre Panorama in der ganzen Pracht aus. Die Weitsicht ist grandios. Der Blick reicht weit über die trutzigen Berge und die Seenlandschaft Norditaliens hinaus. Der Wow-Effekt ist garantiert und das Prädikat «Die schönste Aussicht des Tessins» verdient. Zahlreiche Kühe, die den Sommer auf der Alp verbringen, sorgen mit Glockengebimmel für Heimatgefühle.

Die neuste Attraktion auf dem felsigen Bergplateau ist die «Fiore di pietra», die Steinblume von Mario Botta, die der Stararchitekt aus Mendrisio vor zwei Jahren hingezaubert hat. Das ehemalige Albergo Vetta musste abgerissen werden, weil sich der Felsboden gesenkt hatte. Grossverteiler Migros mit seinem Kulturprozent übernahm die Kosten für den Neubau. Der massive Betonstahlbau sieht aus der Ferne tatsächlich aus wie ein sich öffnender Blütenkelch. Die Blätter werden von mehrstöckigen Türmen gebildet, die rund um den Mittelbau angeordnet sind. Auf der Ostseite öffnet sich die Blumenkrone zu einer grossen Terrasse mit einem Selbstbedienungsrestaurant. Eine Etage höher kann man die Aussicht von einem eleganten Gourmetrestaurant mit riesigen Panoramafenstern aus geniessen. Serviert werden natürlich Tessiner Spezialitäten.

Stopp an einer Zwischenstation. Foto: Laif

Der höchste Berg des Mendrisiotto bietet auf dem 51 Kilometer umfassenden Wandernetz eine grosse Auswahl an Exkursionen –für Besucher, die einen erholsamen Spaziergang mit der ganzen Familie in der Natur suchen, oder für mutigere und sportlich ambitionierte Bergwanderer. Beginnen sollte man so oder so mit dem kurzen Aufstieg von der Bergstation der Zahnradbahn zum Gipfel Vetta, um hier die Pracht des Monte Generoso noch intensiver auf sich wirken zu lassen.

Für Spaziergänger geht es danach auf den Planetenweg in Richtung Italien, um anhand von zehn Bildtafeln die Dimensionen und Distanzen des Kosmos zu erkunden. Der Pfad ist einfach zu begehen und nur 600 Meter lang. Er beginnt mit der Sonne und endet mit Pluto. Wer mehr über den Sternenhimmel erfahren möchte: Die Sternwarte mit einem Teleskop von 61 Zentimetern Durchmesser bietet jeden Samstagabend Themenabende an. Und wer an einem Sonntag auf dem Monte Generoso weilt, kann sich am Nachmittag den Sonnenbeobachtungen anschliessen.

Spass und Sport sind am Südtessiner Aussichtsberg ebenso zu finden wie viele nützliche Informationen. Zu entdecken gibt es einen Naturlehrpfad mit Gämsen und zahlreichen Pflanzen, einen Weiher zum Auffangen des Regenwassers und den Nevère-Pfad. Die restaurierten Nevère sind ehemalige Eiskeller mit kegelförmigen Steindächern. In der Alpwirtschaft wurden sie im Frühling einst mit Schnee gefüllt, um in der heissen Jahreszeit Milch, Butter und Käse frisch zu halten. Für kurze Zeit im Hochsommer öffnen auch die ­prähistorischen Bärenhöhlen auf der italienischen Seite des Monte ­Generoso.

Erstellt: 04.07.2019, 19:06 Uhr

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