Zwischen Inselzauber und Massentourismus

Ein Badeferienhotel in Kretas Westen wird zum perfekten Ausgangspunkt für Erkundungen antiker Stätten und abgelegener Buchten.

Einer der schönsten Badeplätze Griechenlands: Balos Bay auf Kreta. Foto: Franck Guiziou (Laif)

Einer der schönsten Badeplätze Griechenlands: Balos Bay auf Kreta. Foto: Franck Guiziou (Laif)

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Für Kreta, die grösste griechische Insel, braucht man Zeit. Nur steht die nicht immer zur Verfügung. Der Rahmen des Aufenthalts: vier Tage ganz im Westen, im Fünfsternhotel Avra Imperial Beach Resort. Ein Tag gehört dem Ausflug nach Balos Bay, zum äussersten Zipfel der Insel und nur schwer erreichbar. Bleiben drei weitere Tage, die Gegend zu erkunden. Da gilt es, keine Zeit zu verlieren. Doch ist genau das der Haken. Denn in Kreta ticken die Uhren langsamer. Hektik oder Stress sind nicht vorgesehen. Dazu kommt die Vielfältigkeit der Insel, die zu erfassen auch während vieler Wochen nicht gelingen würde.

Was also tun? Zeit, dieser Frage eingehend nachzugehen, bleibt kaum, zumindest nicht auf der Hauptstrasse nach Kolim­bari, die es nach der Ankunft am Flughafen in Chania zu nehmen gilt. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den inseltypischen Fahrstil. Kurven werden scharf geschnitten. Die Strasse mit zwei Spuren mutiert zur vierspurigen Fahrbahn, dank der Pannenstreifen. Einige Lenker fahren 50, andere 120 Kilometer pro Stunde. Geht schon irgendwie, sagt man sich. Es ist die perfekte Einstimmung auf die lang gestreckte Insel in der südlichen Ägäis. Improvisieren erwünscht, nein, erforderlich.

Dessertbuffet für Kinder lockt auch Erwachsene

Es sei denn, man bleibt im Hotel, dem Avra Imperial Beach Resort. Die riesige Anlage, die man nach 40-minütiger Fahrt erreicht, belegt im Badeort Kolimbari ein weites Gebiet zwischen Hauptstrasse und Meer. Zu Fuss dauert der Weg von der Lobby zum Strand mehr als fünf Minuten. Man passiert dabei einen gewaltigen, verwinkelten Pool, angelegt als Zentrum einer Arena. Daran schliessen sich zahlreiche Bars und Restaurants an. Darum herum drapiert, hübsche Appartements mit Balkonen, von wo aus man die Szenerie am Pool beobachten kann.

Das Resort ist ein Familien­hotel der Luxusklasse. Dies zeigt sich deutlich am Dessertbuffet, auf dem in Kinderhöhe hübsch angerichtet Dutzende Mini-Cupcakes warten. Das Buffet verdient eine Extranote. Erwachsene wählen zum Frühstück neben Dutzenden warmer und kalter Speisen eine Auswahl von 24 (!) verschiedenen Kuchensorten. Ein Koch bereitet Cupcakes oder Tortilla zu. Nach dem Essen nehmen die Gäste einen Drink an einer der vielen Bars rund um den Pool. Oder sie spazieren auf den Wegen, die sich durch säuberlich geschnittene Rasenflächen schlängeln.

Natürlich hat diese wunderbar wattierte Welt auch ihre Ränder. Blickt man über die Absperrung der Anlage, trüben unfer­tige Bauten oder vor einiger Zeit wild entsorgte Stromkabel das Idyll. Direkt neben dem Haupteingang empfing einst ein Fischereimuseum Touristen, davon zeugen rostende Schiffe im Park. Bald wendet man den Blick aber dem einladenden Kieselstrand zu, auf dem zahlreiche schwere Holzliegestühle und Sonnenschirme aus Palmblättern bereitstehen.

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Schönheit und Zerfall liegen auf Kreta oft nah beieinander – etwa im Bergdorf Polyrrinia. Wer dort die hübschen Pflastersteinstrassen verlässt, verliert sich bald zwischen Kakteen und Elektroschrott. Das strahlend weisse Bergbauerndorf selbst ist von malerischer Anmutigkeit. Antike Aquädukte flankieren die steile Route, die auf den Hügel führt. Auf der Anhöhe schlummert eine Kirche. Man blickt von hier aus auf eine weite, von Olivenbäumen gesäumte Bucht. Etwas weiter oben liegen Überreste einer römischen Akropolis. Wie zur Entschädigung für die Wanderung in der Hitze schenkt einem der gut gelaunte Schreiner, dessen handgemachte Olivenholz-Schnitzereien in einem kleinen Laden zu kaufen sind, einen Raki ein.

Weit weniger spektakulär sind jene Überreste antiker Bauten im Küstenort Phalasarna. Die Ortschaft liegt in einer leicht abgeschiedenen, trockenen Bucht. Olivenbäume und Gurkenplantagen prägen das Bild. Ein paar Ziegen weiden rund um steinerne Blöcke aus der Römerzeit, doch Besucher fehlen im antiken Teil von Phalasarna. Auf dem Weg zurück bieten die Restaurants auf der Anhöhe nicht nur eine spektakuläre Aussicht, sondern auch vorzügliches Essen. Und manchmal hält die Be­schilderung «Original Cretan Tavern» tatsächlich, was sie verspricht.

Türkisblaue Bucht lädt ein zum Baden und Wandern

Kreta wird oft mit Massentourismus in Verbindung gebracht. In Erinnerung bleiben Bilder architektonisch zweifelhafter Badeferienhotels, Olivenölshops, von Touristen bevölkerte Discos oder Gelaterias entlang der Küstenstrasse. Dass Kreta auch anders sein kann, zeigt ein Ausflug nach Balos Bay am nordwestlichen Zipfel der Insel. Ein Juwel wie aus der Werbung. Zu erreichen ist die weitläufige Bucht mit dem türkisblauen Meer entweder per Auto oder auf einer Schiffstour. Wer den Landweg wählt, braucht für die knapp 30 Kilometer vom Resort aus 45 Minuten. Denn der Wagen holpert über eine wenig gesicherte Schotterstrasse durch eine wilde, gebirgige Landschaft. Der eindrücklichste Ausblick entfaltet sich auf dem halbstündigen Spaziergang vom Parkplatz zum Strand. Keine Siedlungen weit und breit. Nur Steine, Strand und hellblaues Wasser.

Rasante Taxifahrt zu den schönsten Orten

Natürlich wissen auch die Tourismusbüros von diesem zauberhaften Ort; in den Sommermonaten landen hier täglich Schiffe, beladen mit Hunderten Badegästen. Die Ausflügler bleiben allerdings nur etwa zwei Stunden. Wer diese Art von Anreise bevorzugt, kann einen achtstündigen Tagesausflug mit dem Schiff buchen, der in der kleinen Hafenstadt Kissamos startet.

Im Taxi nach Kissamos kann man sich nochmals dem kretischen Fahrstil hingeben: über­holen, gleich wieder einfädeln, immer nah am Heck des Vor­derwagens. Dann Wechsel auf den Pannenstreifen, der bekanntlich zur Fahrbahn zählt. Alles ganz selbstverständlich.

Die Reise wurde unterstütztvon Hotelplan Suisse.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.05.2019, 17:47 Uhr

Tipps und Preise

Flug: Bis Ende Oktober fliegt Edelweiss von Zürich nach Chania, www.flyedelweiss.com

Arrangements: Hotel: Avra Imperial Beach Resort & Spa*****, Kolymbari, DZ ab 80 Fr. p.?P. inkl. HP, eine Woche im DZ ab 750 Fr. p.?P. inkl. Flug und HP. Buchen: Hotelplan, Tel. 043 211 88 85, www.hotelplan.ch

Schifffahrt: Der Ausflug nach Balos Bay kann entweder beim lokalen Anbieter (https://balos-travel.com) gebucht werden und kostet 27 Euro oder aber über Hotelplan für 72 Frankenund beinhaltet Mittagessen und Begleitung durch deutschspra­chigen Reiseleiter.

Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober.

Allg Infos: www.crete.gr; www.visitgreece.gr

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