Rezepte gegen den Jetlag

Die einen spüren ihn überhaupt nicht, andere leiden tagelang darunter: Dem Jetlag nach Interkontinentalflügen kann man entgegenwirken – in sechs Punkten.

Gut gelandet, aber: «Ja nicht bei Ankunft schlafen gehen», warnt Clare Walker von Ozeania Reisen.

Gut gelandet, aber: «Ja nicht bei Ankunft schlafen gehen», warnt Clare Walker von Ozeania Reisen. Bild: Bruce Mars (Pexels)

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Der Flug nach New York dauerte nur acht Stunden; der Zeitunterschied betrug sechs. Als wir am frühen Abend ankamen, so um 18 Uhr Ortszeit, war es also Mitternacht für die innere Uhr der Töchter, damals sechs und acht Jahre alt. Obwohl wir versuchten, sie wachzuhalten, schliefen beide ein. Die Folge: Am ersten Morgen waren sie schon um 2 Uhr wach, am zweiten um 4. Erst dann pendelte sich der Rhythmus wieder ein.

Es gibt zwei kapitale Fehler, die zum Jetlag führen können. Erstens: Man haut vor dem Abflug nochmals richtig auf die Pauke, isst und trinkt zu viel. Die aktive Verdauung hindert einen dann am Schlafen, was im Flugzeug für viele eh nicht einfach ist. Zweitens (und das führte bei den Töchtern zum Jetlag): Man legt sich zur falschen Zeit, das heisst zu jener am Abflugs- statt jener am Ankunftsort, schlafen.

Dabei ginge es auch anders. Viele Vielflieger haben nie (wirklich nie) einen Jetlag, weil sie ein paar einfache Tricks anwenden:

1. Zeit umstellen
Schon beim Absitzen im Flugzeug stellt man das Handy und die Uhr – nicht nur die am Handgelenk, sondern wenn immer möglich, auch die innere – auf die Zeit am Ankunftsort ein. Marcel Goetz, Einkäufer beim Asienspezialisten Tourasia, ist rund hundert Mal nach Asien geflogen. Er versucht schon im Flugzeug, sich an die Zeit des Zielortes zu halten.

2. Zur richtigen Zeit essen
Sofort die Essens- und Schlafenszeiten des Zielortes übernehmen: Christine Weber vom Ozeanian-Touroperating bei Knecht Reisen achtet besonders aufs Essen unter Berücksichtigung der Ortszeit: «Ich verzichte gerne auf ein Abendessen nach dem Abflug, um ein paar Stunden später dafür das Frühstück umso mehr zu geniessen.»

3. Viel Wasser, wenig Alkohol trinken
Sandra Räber, Product Director Americas, Oceania & Caribbean bei Travelhouse, rät, im Flugzeug «viel Wasser zu trinken und Alkohol massvoll zu geniessen, sonst folgt die fatale Kombination aus Kater und Jetlag». Auch der Dehydrierung sollte man unbedingt vorbeugen, denn sie kann Auswirkungen des Jetlags verschlimmern.

4. Lieber zu wenig als zu viel schlafen
Sich zur falschen Zeit ein Nickerchen zu gönnen, das sich unter Umständen zu einem veritablen Schlaf ausweitet, macht die Rückkehr zum normalen Tag-Nacht-Rhythmus zunichte, und zwar auf Tage hinaus. «Ja nicht bei Ankunft schlafen gehen», warnt Clare Walker von Ozeania Reisen. Nach Westen gilt der Flug im Allgemeinen als schwieriger, doch wenn man sich in New York zusammenreisst und nicht schon um 18, sondern frühestens um 22 oder besser um 23 Uhr ins Bett geht, dafür todmüde, wird man kaum um 3 Uhr früh aufwachen.

Schon mehr als 30-mal nach Nordamerika geflogen ist Robin Engel von Knecht Reisen. Er meint, man sollte sich «im Westen halt wirklich ein wenig quälen und versuchen, so lange wie möglich am Abend aufzubleiben». Ist man nach Osten geflogen, so muss man umgekehrt am Morgen diszipliniert aufstehen, auch wenn es zu Hause mitten in der Nacht ist und man eventuell noch Müdigkeit verspürt.

5. Licht und Bewegung suchen
Gegen das Schlafbedürfnis helfen Bewegung, viel Wasser und Licht. Ein Spaziergang am Morgen, Joggen, Fitness oder Schwimmen und auch kalte Duschen wirken Wunder.

6. Aktiv bleiben
Michael Bötschi, Product Manager Nordamerika bei Knecht Reisen, schwört auf Aktivitäten: «Das beste Rezept ist es noch immer, den Ankunftstag so aktiv wie möglich zu gestalten. Es hilft dabei, aus dem Haus zu gehen, um der Versuchung eines kurzen Nickerchens zu entgehen.» Auch der direkte Weg vom Flughafen ins Büro ist immer eine gute Variante. Bei der Sitzung bittet man dann den Nachbarn, einen gegebenenfalls aufzuwecken.

(Artur K. Vogel/Travelcontent)

Erstellt: 06.03.2019, 12:28 Uhr

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