Blaue Aussichten

Auf der Kanaren-Insel Fuerteventura erfindet sich der Robinson Club gerade neu. Party und Sport bestimmen den Ferienalltag einer immer anspruchsvolleren Kundschaft.

Sowohl Pionier als auch Pilot: Der Robinson Club Jandia Playa auf Fuerteventura. Foto: PD

Sowohl Pionier als auch Pilot: Der Robinson Club Jandia Playa auf Fuerteventura. Foto: PD

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Svenja sagt es beinahe andächtig: «Hier liegt die Quelle von Robinson.» Die Mitarbeiterin des Robinson Clubs Jandia Playa weist auf einen Stein im Vorgarten der Wellnessanlage, aus dessen Mitte Wasser quillt. Eine Tafel hält fest, dass hier am 1. Januar 1971 der erste Robinson Club des Universums eröffnet wurde. Ob der Sandboden unter dem Brunnen tatsächlich eine Quelle birgt oder eine Leitung den Mutterschoss speist, bleibt unerheblich.

Show gehört zum Geschäft, auch nach dem Abendessen, wenn 3000 LED-Lämpchen im Swimmingpool erglühen, ein Feuerwerk in den Himmel über den Kanaren steigt, das Personal Kir Royal kredenzt und der DJ mit dröhnenden Bässen die Party lanciert.

Club Med als Vorbild

Über eine Million Feriengäste amüsierte sich seit der Eröffnung vor 48 Jahren im Robinson Club im Süden Fuerteventuras. Die ­Ferienanlage am Traumstrand von Morro Jable gehört zu den Evergreens im gehobenen Massentourismusgeschäft. Der damals noch überschaubare Reiseveranstalter TUI und die Steigenberger Hotelgruppe hatten eine neue Ferienformel geschaffen, die ein Vierteljahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs den bienenfleissigen Deutschen unkonventionelle Entspannung mit Sport und Show verhiess, fernab von steifen Speisesälen öder Strandhotels.

Vorbild war der frankofone Club Med, Gründervater von Robinson der Querdenker Johann Friedrich Engel, der Ende 80er- Jahre eine unfreundliche Übernahme Robinsons durch Steigenberger vereitelte, später aber selbst gehen musste. Engel gründete für den Hamburger Hotelkönig Horst Rahe Ferienclubs auf hoher See – die Aida-Kreuzfahrtschiffe. Engels Vermächtnis verbleicht. Man bezahlt an der Robinson-Bar heute nicht mehr mit bunten Plastikperlen. Aufgedrehte Animateure kippen renitente Gäste auch nicht mehr samt Liegen in den Pool. Aber Kundschaft und Crew duzen sich weiterhin, im Buffetrestaurant stehen immer noch kommunikationsfördernde Achtertische, und das Herz jeden Clubs schlägt am grossen Schachbrett und an der angrenzenden Hauptbar.

Die Führungsriege verlässt die Büros und schiebt Schicht an der Front. Odysseas Michailidis, Clubdirektor in Jandia Playa, brät beim Mittagsbuffet Fleischspiesse und Burger und hält mit munteren Sprüchen die Klientel bei Laune. Der gebürtige Grieche, seit 15 Jahren bei Robinson, erklärt die Doppelrolle des 714-Betten-Clubs auf der trockensten Kanaren-Insel: «Hier ist Robinson Pionier und Pilot.» Vorreiter, weil in ­Morro Jable die Geschichte des deutschsprachigen Cluburlaubs begann. Und Zukunftsprojekt, weil die TUI am 20 Kilometer ­langen Sandstrand einen neuen Ferien-Lifestyle implementiert.

Ein Hauch von Ibiza

Polonaisen durchs Schwimmbad, Shows, in denen gut gelaunte Gäste talentfrei auf der Bühne im Amphitheater Luftgitarre spielen oder «Schwanensee» tanzen, sind passé. «Heute wollen die Gäste ungezwungenes Beisammensein, achten aber stets auf die eigene Work-Life-Balance», sag Timothy Olszewski, Entertainment-Chef in Jandia Playa. Nicht mal mehr für den guten alten Clubtanz, der einst das Wirgefühl gefördert hatte, lässt sich die zahlende Kundschaft begeistern. «Den müssen wir allein tanzen», sagt Olszewski illusionslos.

Darauf sind die Macher von Jandia Playa 2.0 besonders stolz: Robinson holte eine Dosis Ibiza-Feeling auf die Dachterrasse des Torre. Der Wohnturm ist das architektonische Wahrzeichen, er wurde abgerissen und komplett neu gebaut. Seit der Wiedereröffnung des Clubs im Dezember 2018 dudelt in der Moroskai auf der zehnten Etage Loungemusik. Die Gäste fläzen sich mit exotischen Mixgetränken auf edlen Sofas um einen Instagram-tauglichen Infinity-Pool. Im Restaurant delektiert man sich an caramelisierten Jakobsmuscheln und Carpaccio vom Black-Angus-Rind. Die Ambiance hoch über den Niederungen des Ferienalltags gemahnt an coole Clubs auf Ibiza. Dass in Jandia Playa, erstmals in der Geschichte Robinsons, Kinder und Jugendliche draussen bleiben, unterstreicht die Neupositionierung. Angedacht ist ein wenig Ibiza auch in den Anlagen auf den Kapverden und im Südosten Kretas, die demnächst eröffnet werden.

Robins im adretten Matrosenlook statt Animateure in Affenkostümen, kurze Shows statt epischen Mitmachtheaters, Beratung durch Sommelier in der Vinothek statt Zwang zu minderwertigem Tischwein, luxuriöse Hotelzimmer statt allein dem Schlaf dienender Unterkünfte: Robinson Clubs nähern sich immer mehr hochsternigen Ferienhotels, und auch die Kundschaft ist vergleichbar: Gäste der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren bilden die Mehrheit.

Liegebetten am Traumstrand von Morro Jable. Foto: PD

Was sämtliche Zielgruppen eint, ist die Lust auf Sport. Während von den windgeschützten Tennisplätzen das Ploppen der Bälle und die aufmunternden Rufe von Tennistrainer Erkan Soysal hallen, herrscht auf den Beachvolleyballfeldern Hochbetrieb. Hier blockt und smasht die schwedische Juniorinnen-Nationalmannschaft, dort misst sich eine Auswahl der Gäste mit den Robins, den modernen Animatoren. Der Nachfrage entsprechend, wurden die Einrichtungen für Fitness und Wellness bei der jüngsten Rundumerneuerung von Jandia Playa aufgestockt. Der «Morgenflyer», der das Programm des Tages ankündigt, verheisst denn auch dichten Verkehr in den Sportstätten: Walking und Lang­hantel-Training, Yoga und Indoor-Cycling, Bodystyling und Schwitzen, gekrönt von einem Vortrag über gesunden Sport.

Vielleicht bleibt dazwischen noch Zeit für ein Gläschen. Der Morgenflyer muss auch alsPoesiealbum herhalten. Winniclam kalauert für Becky: «Wenn eine Frau Geburtstag hat, dann kann man was erleben und kann auf das Geburtstagskind ganz kräftig einen heben.»

Trotz aller Transformation des Robinson Clubs, sein Wappentier darf bleiben, auf Fuerteventura gar in Fleisch und Blut: Rio kommentiert unbeirrt am Rande der Tennisanlage das Geschehen auf den Courts. Der Weissbauch-Papagei, der Tennis-Oberlehrer Erkan gehört, wird von den Gästen gefüttert und geherzt und hinterlässt als Dank schon mal ein übel riechendes Geschenk auf den Trikots der Bewunderer.

Die Reise wurde unterstützt von TUI Suisse.

Erstellt: 20.06.2019, 18:46 Uhr

Ganzjährig nach Fuerteventura

Anreise: Flüge mit Edelweiss ab Zürich und TUIfly sowie Easyjet ab Basel nach Fuerteventura.

Jandia Playa: Einer von zwei Robinson Clubs auf Fuerteventura. 372 Zimmer, Haupt- und Strandrestaurant, spanische Taverne und Moroskai-Lounge, sechs Bars, grosse Wellness- und Spa-Anlage, Fitnesscenter, Tennis und Beachvolleyball. Adults only.

Arrangement: Eine Woche im DZ mit VP und Flug ab Basel, z. B. ab 24.8. ab 1449 Fr. p. P.

Buchen: TUI, Tel. 0848 121 221, www.robinson.com

Robinson Club: Die Tochtergesellschaft der TUI AG betreibt 24 Ferienanlagen in 14 Ländern. Deutschsprachig; im Visier ist auch der internationale Markt. www.robinson-club.ch

Beste Reisezeit: ganzjährig

Infos: www.visitfuerteventura.es

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