«Die steigende Nachfrage motiviert»

Flugscham, Overtourism sowie die Pleite von Thomas Cook dominierten 2019 die Schlagzeilen. Trotzdem sind Schweizer Touristiker ziemlich optimistisch.

«Die grosse Stärke des touristischen Angebotes in der Schweiz ist die Vielfalt und die Nähe zur Natur», sagt Jugendherbergen-Chefin Janine Bunte. <nobr>Fotos: Keystone, zVg</nobr>

«Die grosse Stärke des touristischen Angebotes in der Schweiz ist die Vielfalt und die Nähe zur Natur», sagt Jugendherbergen-Chefin Janine Bunte. Fotos: Keystone, zVg

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Welchen Herausforderungen müssen sich Schweizer Touristiker im 2020 stellen und wie können diese gemeistert werden? Fünf führende Schweizer Touristikerinnen und Touristiker wagen einen Ausblick.



Martin Nydegger,
Direktor Schweiz Tourismus.

Nachhaltigkeit ist auch in der Schweizer Tourismusbranche das zentrale Thema. Und wir müssen diesen Trumpf ausspielen: Der Schweizer Tourismus ist schon heute nachhaltig, sowohl im ökologischen und ökonomischen als auch im sozialen Sinn. Die Ausgangslage ist so vielversprechend wie lange nicht mehr. Die europäischen Gäste finden den Weg zurück ins Ferienland Schweiz.

Doch von selbst geht nichts. Es ist wichtiger denn je, gezieltes und ausgewogenes Tourismusmarketing zu betreiben – gerade auch im Hinblick auf die Herkunftsländer. Ein intelligenter «Märkte-Mix» ist bei uns handlungsanleitend und dient der nachhaltigen Tourismusentwicklung. Zudem werden wir auch 2020 die Erschliessung neuer Bereiche vorantreiben, so zum Beispiel den Gesundheitstourismus. Dort können wir die hervorragende Kompetenz unserer Gesundheitsanbieter mit dem Tourismus zu neuen Angeboten zusammenfügen.



Janine Bunte,
CEO Schweizer Jugendherbergen, Vorsitzende der IG Parahotellerie Schweiz.

Die grosse Stärke des touristischen Angebotes in der Schweiz ist die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit und die Nähe zur Natur. Dies spiegelt sich bestens in der Schweizer Parahotellerie. Wir werden uns deshalb 2020 weiterhin mit der Produktentwicklung beschäftigen und uns vor allem auch für den Erhalt der Vielfalt des Angebotes einsetzen. Dies übergreifend in allen wesentlichen Themen wie politische Rahmenbedingungen, Klimaschutz, Digitalisierung und Fachkräftemangel. Die steigende Gästenachfrage motiviert uns, weiterhin unser Bestes zu geben, um die Gästeerwartungen in unseren Segmenten zu erfüllen.



Thomas Kleber,
COO Sorell Hotels.

Die ZFV-Unternehmungen erreichten einen wichtigen Meilenstein und feierten über das gesamte Jahr 2019 mit Partnern, Gästen und Mitarbeitenden ihr 125-jähriges Bestehen. Leider haben wir auch in diesem Jahr einem weiter zunehmenden Mangel an Fachkräften feststellen müssen. Das liess sich zwar im operativen Alltag der Hotels noch gut überbrücken. Doch wir geben mit verstärkten Massnahmen der Aus- und Weiterbildung Gegensteuer und verzeichnen erste Erfolge.

Im März 2020 werden wir unser um- und ausgebautes Hotel City Weissenstein in St. Gallen eröffnen. Im Juni folgt die Wiedereröffnung des hochwertigen Boutiquehotels St. Peter an bester Zürcher Altstadtlage. Grosses Thema ist die Digitalisierung: IPTV, kabelloses Streaming, mobiles Check-in und Check-out und Zugang zu den Zimmern per Smartphone statt Schlüssel ist für alle neuen Häuser vorgesehen. Das intelligente Gebäudemanagement wird mit der Hotelsoftware verbunden, so dass Heizung und Klimatisierung je nach Belegung gesteuert werden können, was den Energieverbrauch und den CO2-Verbrauch reduziert.



Walter Kunz,
Geschäftsführer Schweizer Reise-Verband.
(Foto: Rémy Steiner)

Die Themen die uns 2019 am meisten bewegten, waren sicherlich die Klimadebatte, der «Overtourism» und kurz vor dem letzten Quartal die Insolvenz von Thomas Cook. 2020 werden grosse Herausforderungen anstehen. So ist die Branche gut beraten, dem veränderten Reiseverhalten Rechnung zu tragen. Zudem birgt die fortschreitende Digitalisierung zusätzliche Risiken. Daraus können sich aber daraus auch Chancen ergeben. Die Grundausbildung für die Tourismusberufe wird per 2022 erneut reformiert. Die Weichen dafür werden aber schon jetzt gestellt, und wir werden in diesem Bereich 2020 stark gefordert sein. Zudem werden wir die Dienstleistungen, Rahmenverträge und Partnerschaften für unsere Mitglieder weiter ausbauen.



Thomas Stirnimann,
CEO Hotelplan Group.

Das Reisejahr 2019 wurde durch die anhaltende Klimadebatte stark geprägt, und der Begriff «Overtourism» dominierte für viele Trenddestinationen die Schlagzeilen. Für Hotelplan Suisse blieb der Heimmarkt stärkt umkämpft. Mit der erfolgreichen Akquisition des Reiseanbieters vtours können wir 2020 eine wesentliche Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit erreichen.

Der Klimadebatte trägt Hotelplan schon jetzt Rechnung. So haben wir einen Katalog «Bahn frei für schöne Ferien» mit vielen attraktiven Zugreisen publiziert. Weiter wird Hotelplan mit der Marke Travelhouse ab Frühling 2020 «E-Mobility-Reisen» mit Elektroautos zum Beispiel durch Italien, Südfrankreich oder nach Ungarn durchführen.

Unser Tochterunternehmen Hotelplan UK war 2019 stark von der Brexit-Thematik und der Insolvenz des wichtigen Vertriebs- und Flugpartners Thomas Cook betroffen. 2020 wollen wir das Geschäft in Grossbritannien wieder stabilisieren. Wir blicken optimistisch auf das kommende Jahr. Unsere beiden Geschäftsreisen-Anbieter bta first travel und Finass Reisen und auch die Holiday Home Division haben sich bereits im vergangenen Jahr erfreulich entwickelt.

Erstellt: 06.01.2020, 11:14 Uhr

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