Premium Economy landet in der Schweiz

Etwas mehr Komfort für etwas mehr Geld: So treffen Airlines offenbar ein Bedürfnis der Reisenden.

Aufpreis von rund 350 Franken: Premium Economy Class im Airbus A350-1000 von Cathay Pacific. Foto: PD

Aufpreis von rund 350 Franken: Premium Economy Class im Airbus A350-1000 von Cathay Pacific. Foto: PD

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Buchungsklassen in Flugzeugen können ganz unterschiedliche Namen tragen und bezüglich ihres Sitzkomforts, dem Bündel an inkludierten Services, in erster Linie aber beim Preis erheblich variieren. Diese Vielfalt am Himmel hat nicht die Verwirrung der Fluggäste zum Ziel, auch wenn eine solche sehr häufig genau die Folge davon ist. Den Fluggesellschaften geht es vielmehr darum, für ihre hochflexible Preisgestaltung, die selbstredend stets den maximalen Tarif pro Sitzplatz zum Ziel hat, auch Argumente im Köcher zu haben.

Wer sich in der Szene etwas auskennt, weiss allerdings, dass der preisliche Unterschied zwischen einer Buchungsklasse «H» und «K» häufig rein gar nichts mit dem Angebot im Flugzeug zu tun hat, sondern lediglich mit dem Zeitpunkt der Buchung.

Ein spezifisches Bedürfnis von Schweizer Flugreisenden ist in den letzten Jahren aber gewachsen. Man will sich tendenziell ein bisschen mehr Komfort gönnen, als in der Holzklasse (Economy) oft geboten wird. Das gilt speziell für längere Flüge, auf denen zu wenig Beinfreiheit und Dichtestress mit den Sitznachbarn nach Stunden auch mal auf die Gelenke und das Gemüt schlagen können. Gleichwohl ist eine grosse Mehrheit der Passagiere budgetbewusst und kaum bereit, gleich in die viel komfortablere und teurere Businessklasse umzusteigen.

Fliegen also in der Grauzone? Sitzgelegenheiten, die zu viel für den «Bettler» und zu wenig für den «König» bieten? Etliche Airlines sind in sich gegangen und haben getüftelt, wie viel mehr Komfort für wie viel mehr «Cash» an die Kundschaft zu bringen ist. Die Lösung heisst: Premium-Economy-Klasse.

«Down Under» mit Upgrade

Der Reihe nach ist sie von diversen Airlines eingeführt worden. 2015 zunächst von der Cathay Pacific auf der Strecke Zürich – Hongkong. Die asiatische Airline verlangt dafür pro Wegstrecke im Airbus A350-1000 einen Aufpreis von rund 350 Franken. Dafür erhalten die Passagiere deutlich mehr Beinfreiheit, eine durchgehende Fussstütze sowie einen grösseren Neigungswinkel des Sitzes, der dadurch auch ein paar Stunden erholsamen Schlaf ermöglicht. «Ausserdem zeichnet unsere Premium-Economy-Klasse ein umfangreiches Speisenangebot aus, das sich von der Economy-Klasse nochmals abhebt», sagt Tony Seifarth, Head of Sales von Cathay Pacific Schweiz.

Die Schweiz gehört wie andere, vor allem europäische Zielmärkte der Cathay zu den stärksten Wachstumstreibern der neuen Buchungsklasse. «Ausser nach Hongkong gönnen sich aber auch immer mehr unserer Schweizer Passagiere ein Premium-Eco-Upgrade für sehr weite Flüge nach Australien oder Neuseeland», so Seifarth. Für die beiden Länder in Ozeanien kostet der Aufpreis in der Premium-Economy-Klasse ab Zürich ab 650 Franken pro Weg.

Nachgezogen ist inzwischen auch Singapore Airlines. «Unseren Premium-Economy-Reisenden steht eine separate Kabine vorne im Hauptdeck zur Verfügung, dazu komfortablere Sitze, mehr Raum, Privatsphäre sowie Zusatzdienste wie Priority Check-in oder die Möglichkeit, Mahlzeiten im Voraus zu bestellen», sagt die Marketing-Managerin Jessica Fabrizi. Der Aufpreis gegenüber der Economy-Klasse beträgt bei Singapore rund 500 Franken pro Strecke.

Swiss zieht nach

Als Folge von guten Erfahrungen, die ihre Schwestergesellschaften Lufthansa und Austrian Airlines mit der Premium-Economy-Klasse gesammelt haben, will ab Frühling 2021 auch Swiss die neue Klasse einführen. «Zu den Destinationen, die wir vorerst mit unseren Maschinen des Typs Boeing 777-300ER auch in einer Premium-Economy-Bestuhlung bedienen wollen, zählen Bangkok, Chicago, Hongkong, Los Angeles, Miami, San Francisco, São Paulo, Singapur und Tel Aviv», verrät Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott. Mittelfristig soll das Angebot die gesamte Langstreckenflotte ausgedehnt werden.

Betrachtet man eine aktuelle Statistik von Airplus, einem Dienstleister für Bezahllösungen von Geschäftseisen, müsste sich Swiss diesen Schritt eigentlich nochmals überlegen. Denn die viel gepriesene Zwischenklasse wird von Dienstreisenden mehrheitlich links liegen gelassen. «Nur gerade für 0,2 Prozent der innereuropäischen Flüge sowie für 0,6 Prozent der Interkontinentalflüge, die 2018 über unsere Systeme abgerechnet wurden, sind Sitzplätze in der Premium Economy gebucht worden», sagt Andy Stehrenberger, Geschäftsführer von Airplus Schweiz.

Die Erklärung dafür ist nachvollziehbar. Unternehmen verfügen über Reiserichtlinien. Sie schreiben vor, wer für welche Strecken welche Flugklasse buchen darf. In der Regel müssen Mitarbeitende bei Flügen unter sechs Flugstunden bis zu einer gewissen Kaderstufe die «lowest available fare», also den günstigsten verfügbaren Sitzplatz buchen. Das ist die Economy. Ab sechs Flugstunden respektive ab einer vordefinierten Kaderstufe ist dann die Business-Klasse erlaubt. «Die Premium Eco taucht somit in den Reiserichtlinien der Unternehmen häufig gar nicht erst auf», folgert Stehrenberger.

Geschäftsreisende kommen langsam

Bei Swiss macht man sich deshalb aber keine Sorgen. «Solche Zahlen schrecken uns nicht ab, weil wir uns mit der Premium Economy primär an Fluggäste der Economy-Klasse richten, die sich für einen Aufpreis von 250 bis 350 Franken pro Strecke etwas mehr Komfort leisten möchten», sagt Meike Fuhlrott.

Dass die neue «Mittelklasse» in der Geschäftsfliegerei eher eine Nische bleiben werde, glauben auch Reiseveranstalter. «Unsere Firmenkunden wollen entweder sehr preisbewusst fliegen oder die Vorteile einer Business-Klasse auskosten», sagt Andreas Schneider von Kuoni Business Travel. Die Premium-Eco-Klasse falle da oft zwischen Stuhl und Bank – vor allem bei Nachtflügen. «Wer ausgeruht am Zielort ankommen will, bevorzugt die Business-Klasse, die im Gegensatz zur Premium-Eco-Klasse einen erholsamen Schlaf ermöglicht.»

Singapore Airlines und Cathay Pacific scheinen solche Aussagen nicht zu beirren. Bei beiden heisst es: Der Anteil der Geschäftsreisenden in der Premium-Economy-Klasse nehme langsam, aber stetig zu.

(Robert Wildi/Travelcontent)

Erstellt: 25.06.2019, 00:08 Uhr

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