Wie man sich im Flugzeug garantiert unbeliebt macht

Manche Passagiere setzen beim Fliegen alles daran, unangenehm aufzufallen. Ein Anti-Knigge mit zehn Rezepten.

Ein Klassiker: An laut schnarchenden Mitreisenden haben alle Freude. Foto: Getty Images

Ein Klassiker: An laut schnarchenden Mitreisenden haben alle Freude. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dem Fliegen sind Romantik und Stil längst abhandengekommen. Schon am Flughafen werden die Reisenden wie Herdenvieh behandelt: Anstehen am Check-in-Schalter oder Baggage drop, Anstehen an der Sicherheitskontrolle, Anstehen am Passschalter. Bis man endlich beim Gate anlangt, um dort noch ein paar Stunden auf den verspäteten Billigflug nach Punta Cana, Marrakech oder Hurghada zu warten, ist man erschöpft und gestresst.

Der Stress ist so gross, dass man dringend Ferien bräuchte, wenn man sie nicht eh schon hätte. Frustrations- oder Aggressionspotenzial oder beides stauen sich auf. Jetzt ist der Moment gekommen, diese wieder abzubauen, indem man sich möglichst rüpelhaft benimmt. Dafür gibt es viele Möglichkeiten vor, während und nach dem Flug. Hier sind die wichtigsten von ihnen.

Drängeln beim Boarding

Zwar wird jedem spätestens beim Check-In ein eigener Sitzplatz zugeteilt. Und wer sein Gepäck eingecheckt hat und schon am Gate steht, der kann sicher sein, mitgenommen zu werden, ausser er wäre volltrunken oder würde herumpöbeln. Aus Gründen der Sicherheit startet kein Flugzeug mit dem Gepäck eines Passagiers an Bord, aber ohne dass dieser persönlich anwesend wäre. Dies soll kein Grund sein, beim Boarding nicht zu drängeln, sich an die Anweisungen des Bodenpersonals zu halten und zu warten, bis man an der Reihe ist. Denn beim Boarding hat man bereits die erste Gelegenheit, unangenehm aufzufallen.

Den Gang blockieren

Die zweite Möglichkeit folgt sogleich: Einmal an Bord und bei seinem Platz angekommen, pressiert es plötzlich nicht mehr. Jetzt braucht man Minuten, um den Mantel auszuziehen, sorgfältig zu falten und mit dem Handgepäck und dem ganzen mitgebrachten Krempel in der Gepäckablage zu verstauen (nicht ohne vorher noch eingehend nach der Lektüre, dem Kopfhörer und den Bordpantoffeln gefahndet zu haben). Dass sich vor einem die anderen Passagiere stauen, die ebenfalls gern zu ihren Plätzen vordringen würden: who cares?

Jede halbe Stunde auf die Toilette

Kaum ist der Flieger in der Luft und das Leuchtzeichen für die Sitzgurte erloschen, geht man zum ersten Mal auf die Toilette – aber nicht zum letzten Mal: So ungefähr jede halbe Stunde muss man sich unbedingt erleichtern. Wenn man einen Sitz am Gang hat, stört das eigentlich niemanden. Deshalb ist ein Fensterplatz von Vorteil: Man kann dann jedes Mal die daneben Sitzenden aufscheuchen in der Gewissheit, dass diese spätestens nach der dritten Störung ziemlich genervt sind.

Dazu gibt es zwei verschärfte Versionen:

  • Wenn man den Lokus während dem Mahlzeitenservice benutzt, muss das Flugpersonal die schweren Servierwägelchen entweder weit nach vorn oder weit nach hinten schieben, um einen durchzulassen.
  • Wenn der Passagier neben einem bereits schläft, wird er die Störung besonders unfroh über sich ergehen lassen.

Die Vielpinkler sind übrigens oft identisch mit jenen Reisenden, welche das Flugpersonal damit nerven, alle paar Augenblicke nach einem Getränk zu verlangen.

Ständig im Gepäckabteil fummeln

Auch die Gepäckablage über den Sitzreihen bietet sich für mannigfache Störungen an: Alle paar Minuten aufstehen, die Klappe zum Gepäckabteil öffnen und frenetisch im Rucksack wühlen, erfreut die Sitznachbarn garantiert. Will man die Freude noch vergrössern, lässt man ein Buch oder gleich den ganzen Rucksack auf den Kopf eines Mitreisenden fallen. Die Wirkung ist garantiert.

Den Hintermann erdrücken

Die beliebteste Einrichtung, um andere in den eng bestuhlten Sitzreihen der Economy-Klasse zu piesacken, ist die Rückenlehne. Am besten lässt man diese mit einem Ruck nach hinten sinken. Die Chance, dass dem Hintermann bei diesem Manöver der Kaffee vom Klapptisch über die Hosen schwappt, ist relativ gross. Platz hat er dann ebenfalls keinen mehr, ausser er klappt seinerseits die Lehne nach hinten. Daraus entsteht im besten Fall ein Dominoeffekt, der das halbe Flugzeug fröhlich stimmt.

Die Armlehne besetzen

Vergleichsweise harmlos ist die Besetzung der Armlehne, die man eigentlich mit der Sitznachbarin teilen müsste. Sie wird sich zwar über den ungehobelten Kerl neben sich ärgern und sich von diesem eingeschränkt fühlen. Aber das hat man ja genau bezweckt.

Die Kabine beschallen

«Musik wird oft nicht schön gefunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden», wusste schon Wilhelm Busch. Deshalb empfiehlt es sich, wenn man Musik mit dem Kopfhörer geniesst, diese so laut aufzudrehen, dass auch die Umgebung mindestens die dumpfen Bässe mitbekommt. Sie werden dem monotonen Brummen der Triebwerke einen willkommenen Takt geben.

Reist man in einer Gruppe und hat allenfalls schon vor dem Einchecken ausführlich gebechert, kann man die Party im Flugzeug fortsetzen, sich lauthals über die Bänke hinweg unterhalten und so im Flieger für gute Stimmung sorgen, vor allem, wenn die anderen Reisenden gern schlafen würden.

Schnarchen

Eine Sonderform der Beschallung ist das Schnarchen, beliebt vor allem bei nächtlichen Langstreckenflügen, auf denen alle schlafen möchten und keiner schlafen kann, weil in der Kabine laut gesägt wird. Natürlich kann ein Schnarcher nichts dafür; beliebt macht er sich trotzdem nicht. Dasselbe gilt für stundenlang schreiende Babys: Zwar haben die Eltern alles unternommen, das Kind zu beruhigen. Doch wenn das nicht gelingt, ist ihnen der Hass der anderen Passagiere gewiss.

Stinken

Statt die Mitreisenden akustisch zu behelligen, kann man sie auch olfaktorisch beglücken: Wer sich vor dem Flug tagelang nicht gewaschen hat und nach eingetrocknetem Schweiss riecht, dann die Schuhe und auch noch die Socken auszieht (was bei ungepflegten Zehennägeln zudem ein optisches Erlebnis werden kann), darf sich seiner Wirkung auf die Mitreisenden gewiss sein. Als Zugabe empfehlenswert ist, diskret die Darmwinde ins Sitzkissen zu entlassen.

Drängeln beim Aussteigen

Der Flieger ist gelandet, die Anschnall-Zeichen sind erloschen, alle Passagiere sind froh, die Tortur endlich überstanden zu haben. Wer sich schon beim Einsteigen vorgedrängt hat, der bekommt jetzt nochmals eine Chance: Reisetasche oder Rucksack als Brustpanzer benutzen und sich zielstrebig, die anderen zur Seite schubsend, den Weg zum Ausgang bahnen. Die bösen Blicke am Gepäck-Förderband, wo man sich später notgedrungen wieder besammelt, sind einem sicher.

Epilog: Hinterlassenschaften

Und zum Schluss noch drei Tipps, wie man beim Kabinen- und Reinigungspersonal einen über den Flug hinaus nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann. Besonders geeignet sind die Toiletten: Man kann zu spülen «vergessen», das benutzte Toilettenpapier oder den Tampon, der seinen Dienst geleistet hat, auf den Boden schmeissen. Beliebt ist auch, neben die WC-Schüssel zu pinkeln und auch grössere Geschäfte so zu erledigen, dass das Resultat nicht nur in der Schüssel landet. Wer mit Kleinkindern reist, kann gut gefüllte Windeln im Handwaschbecken liegen lassen oder gleich unter dem Vordersitz in der Kabine deponieren.

Übertrieben? Keineswegs. Das kommt alles vor. Fragen sie eine Flugbegleiterin oder einen Vielflieger!

Erstellt: 04.02.2020, 17:42 Uhr

Artikel zum Thema

Reisebranche kämpft gegen das Internet

Kunden entdecken die Online-Buchung. Veranstalter halten dagegen – mit flexibilisierten Pauschalreisen. Mehr...

Fliegen – ohne warten und drängeln

Der Fast-Track-Service wird immer beliebter. Nur in Zürich und Basel nicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...