9 unterschätzte Städte, mit dem Zug erreichbar

Genug vom Fliegen und den Massen in Europas Metropolen? Diese Städte locken mit unentdeckten Reizen – und bequemer Anreise.

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Städtereisen sind beliebt, aber wegen zunehmender Touristenströme und Umweltbelastung durch das Fliegen umstritten. Doch zu London, Paris, Berlin, Venedig oder Barcelona, dessen Bewohner sich heftig über den Massentourismus beklagen, gibt es Alternativen. Wir nennen Ideen für attraktive Städte in unseren Nachbarländern, die aus der Schweiz per Bahn ohne Umsteigen erreichbar sind.

Dijon, Frankreich

Dijon mit seinen 155'000 Einwohnern ist die Hauptstadt des Burgunds, eine der bedeutendsten Weinregionen Frankreichs. Touren durch die Weingüter, hochstehende Restaurants und die Markthalle («Les Halles») aus Glas und Stahl, entworfen vom berühmten Gustave Eiffel, zeugen von der kulinarischen und önologischen Tradition dieser eleganten Stadt. Unbedingt einen Besuch wert ist das Musée des Beaux-Arts im Palast der Herzöge von Burgund.

Es besitzt eine umfangreiche Kollektion von Gemälden, Skulpturen und Antiquitäten. In der Altstadt sind viele mittelalterliche Riegelhäuser und Stadtpalais («Hôtels particuliers») erhalten geblieben. Sehenswert sind auch die Kirche Saint-Michel aus dem 16. Jh. mit prachtvoller Renaissance-Fassade, die gotische Kathedrale Saint-Bénigne und die ebenfalls gotische Kirche Notre-Dame aus dem 13. Jh.

Mit dem TGV Richtung Paris Gare de Lyon ab Basel in knapp 1,5 Stunden erreichbar.

Freiburg im Breisgau, Deutschland

Die Universitätsstadt Freiburg im Breisgau mit 230'000 Einwohnern brüstet sich mit einem milden Klima. Das mittelalterliche Stadtzentrum mit seinen «Bächle», die durch viele Gassen fliessen, wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt, später jedoch wieder aufgebaut. Erhalten geblieben ist ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Dominiert wird die Altstadt vom roten, gotischen Münster mit seinem 116 Meter hohen Turm, den viele für den weltweit schönsten Kirchturm halten.

In einem ehemaligen Kloster unweit des Münsterplatzes befindet sich das Augustinermuseum mit mittelalterlicher Kunst. Auch das Museum für Neue Kunst, unter anderem mit Werken deutscher Expressionisten, ist in der Nähe. Von Freiburg lassen sich Ausflüge in den Schwarzwald, zu den Weingütern, in das Naherholungsgebiet Schlossberg sowie das Wandergebiet Schauinsland unternehmen.

Mit dem ICE Richtung Kiel ab Zürich in 1 Stunde und 46 Minuten erreichbar.

Lyon, Frankreich

In knapp zwei Bahnstunden ab Genf trifft man in der Genusshauptstadt Frankreichs ein. Lyon mit seiner guten halben Million Einwohner liegt am Zusammenfluss der Rhône und der Saône. Die Jahrtausende sind hier plastisch erlebbar: Vom römischen Amphitheater über Mittelalter und Renaissance in der Altstadt («Vieux Lyon»). Vom ehemaligen Handwerkerviertel La Croix-Rousse auf einem Hügel bis zum modernen Viertel La Confluence mit dem gleichnamigen, futuristischen Museum, entworfen von der Wiener Architektengruppe Coop Himmelb(l)au.

Dominiert wird die Stadt von der Basilika Notre-Dame auf dem Fourvière-Hügel, von wo man eine Panoramasicht geniesst, unter anderem auf die gotische Kathedrale Saint-Jean-Baptiste und das Opernhaus von 1826, das der Architekt Jean Nouvel 1989 mit einer spektakulären Kuppel versah. Das Musée des Beaux-Arts in einer Abtei aus dem 17. Jh. zeigt französische Malerei; das Institut Lumière untermauert Lyons Anspruch, Geburtsstätte des Kinos zu sein. Auf der Halbinsel zwischen Rhône und Saône («Presqu'île») befinden sich Avenues mit Geschäften, Cafés und eleganten Hotels. Überall präsent in der Stadt ist der 2018 verstorbene Starkoch Paul Bocuse. Besonders berühmt ist Lyon jedoch für seine traditionellen Esslokale, die «Bouchons». In den besten muss man den Tisch Wochen im Voraus reservieren.

Täglich mehrere Direktverbindungen ab Genf (TGV oder Regionalzug). Die Fahrt ab Genf nach Lyon-Part-Dieu dauert knapp zwei Stunden.

Como, Italien

Rund 85'000 Einwohner hat Como am südlichen Ende des Comer Sees. Como besitzt eine Reihe sehenswerter Kirchen, allen voran den gotischen Dom aus dem 14. und 15. Jh. In derselben Strasse wie der Dom steht die Kirche San Fedele aus dem späten 12. Jh. Noch hundert Jahre älter ist die Kirche Sant’Abbondio mit Fresken aus dem 14. Jh. Auch Comos historische Altstadt und die Stadtmauer sind sehenswert.

Ebenso der Tempio Voltiano, ein Museum zum Gedenken an den Elektrizitäts-Pionier Alessandro Volta, geboren 1745 in Como. Neidisch werden kann man bei einem Spaziergang am Seeufer zwischen der palastartigen, klassizistischen Villa Olmo und dem Tempio Voltiano: Viele imposante Villen sind zu sehen – allerdings nur von aussen. Reich geworden ist Como unter anderem dank der Seidenindustrie, der das Museo Didattico della Seta gewidmet ist.

Mit dem Eurocity Richtung Milano Centrale in 2 Stunden und 45 Minuten ab Zürich.

Stresa, Italien

Stresa am Lago Maggiore mit rund 5000 Einwohnern ist mehr ein mondäner Ferienort als eine Städtedestination. Prachtbauten wie die Villa Pallavicino mit ihren Parks und eigenem Zoo und Hotels aus der Belle Epoque zeugen von der – inzwischen etwas verblassten – Eleganz und Opulenz des Ortes. Das Seeufer lädt zum Flanieren und zum Dolcefarniente. Oder man setzt in einem Boot zu einer der Borromäischen Inseln mit ihren Palazzi, Villen und Hotels über. Auch ein Spaziergang durch die Botanischen Gärten am Monte Mottarone hoch über Stresa bietet Erholung.

Mit dem Eurocity Richtung Milano Centrale erreichbar. Ab Bern dauert die Fahrt rund zwei Stunden.

Avignon, Frankreich

Sogar in die südfranzösische Provence, zum Beispiel nach Avignon, gelangt man aus der Schweiz dank dem Hochgeschwindigkeitszug TGV in vernünftiger Zeit. Avignon mit rund 100'000 Einwohnern war von 1309 bis 1377 Sitz der Päpste. Der Papstpalast («Palais des Papes») mit seiner einschüchternden Mauer dominiert das Stadtzentrum.

Unmittelbar daneben steht die Kathedrale Notre-Dame-des-Doms aus dem 12. Jh. Ebenfalls im Zentrum befinden sich die Überreste der Rhône-Brücke Saint-Bénezet, als «Pont d’Avignon» dank eines Volksliedes weltweit bekannt. Museen zeugen von Avignons Geschichte, etwa das Musée du Petit Palais im einstigen erzbischöflichen Palast mit Werken aus dem Mittelalter und der Renaissance. Abends kann der Tourist in gemütlichen Lokalen der provenzalischen Küche und den Weinen der Côtes du Rhône huldigen.

Mit dem TGV in knapp drei Stunden von Genf aus erreichbar.

Innsbruck, Österreich

Gut 130'000 Einwohner hat Innsbruck, die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol. Innsbruck ist nicht nur ein beliebtes Wintersportzentrum (Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1964 und 1976), sondern besitzt auch eine intakte Altstadt. Deren Prunkstück ist das Goldene Dachl, ein spätgotischer Erker, bedeckt mit 2657 vergoldeten Schindeln. Das Gebäude selbst, der Neuhof, wurde 1420 als Residenz der Tiroler Landesfürsten erbaut und 1500 durch den Erker ergänzt.

1996 wurde im Neuhof ein Museum installiert. In der Hofkirche aus dem 16. Jahrhundert befindet sich das Grabmal von Kaiser Maximilian I. Das Tiroler Landesmuseum zeigt Werke österreichischer Künstler wie Gustav Klimt und Oskar Kokoschka. Mit der Hungerburgbahn, von Zaha Hadid entworfen, besitzt Innsbruck seit 2007 auch ein modernes architektonisches Highlight.

Mit dem ÖBB-Railjet ab Zürich Richtung Wien. Fahrtdauer: 3 h 31 min.

Kufstein, Österreich

Wer ab Innsbruck noch 40 Minuten im ÖBB-Railjet sitzenbleibt, kommt in Kufstein an, das wie Avignon durch ein Lied bekannt geworden ist, das volkstümliche «Kufsteinlied». Die Stadt mit 20'000 Einwohnern war jahrhundertelang Streitobjekt zwischen Tiroler und bayrischen Herrschern und wechselte mehrmals die Hand, was sich architektonisch niedergeschlagen hat: Die gewaltige Festung hoch oben auf einem Felsen wurde über Jahrhunderte um- und ausgebaut. Von hier oben blickt man auf die Altstadt, das Untere Inntal und die Alpen.

In der Altstadt schmiegt sich einer der ältesten Gasthöfe Österreichs an den Felsen, das «Auracher Löchl». Zum «Löchl» gehört auch der «Stollen 1930», eine Bar tief im Felsen, die sich mit einem Gin-Angebot von mehr als 600 Sorten brüstet. Auch ein Besuch der Glashütte Riedel, seit 1756 in Familienbesitz, empfiehlt sich. Hier kann man die Kunst des Glasblasens hautnah erleben.

Mit dem ÖBB-Railjet ab Zürich Richtung Wien HBF. Fahrtdauer: 4 h 11 min.

Düsseldorf, Deutschland

Etwas mehr Geduld erfordert eine Fahrt nach Düsseldorf mit seinen gut 600'000 Einwohnern. Düsseldorf rivalisiert mit dem 45 km südlich gelegenen, viel grösseren Köln, ist aber als Stadt der Mode, der Kunst, der Lehre und der Kommunikation unbedingt eine Reise wert. Am Ostufer des Rheins befindet sich die Altstadt mit der Kirche Sankt Lambertus und dem Schlossturm, beide aus dem 13. Jh. Am Westufer liegen moderne Geschäftsviertel. Zahlreiche exklusive Boutiquen befinden sich an der Königsallee und der Schadowstrasse. Ein Teil des Binnenhafens ist seit 1990 als «Medienhafen» mit modernen, teilweise architektonisch ambitionierten Bürogebäuden überbaut worden, zum Beispiel vom Architekturstar Frank Gehry. Düsseldorf verkauft sich zudem als «längste Theke der Welt»: In der Altstadt und auf der Rheinuferpromenade findet sich eine Kneipe neben der andern.

Mit dem ICE Richtung Hamburg Altona. Fahrtdauer ab Basel: 5 h 10 min. (Artur K. Vogel/Travelcontent)

Erstellt: 09.05.2019, 20:50 Uhr

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