Bamberger Heimsuchung

In der malerischen Stadt in Oberfranken stärkt man sich im Advent mit Rauchbier für die weihnachtliche Krippentour. Sie zeigt Maria, Josef und das Christkind in vielen Facetten.

Wollsocken, Kerzen und viel Glühwein: Der Weihnachtsmarkt auf dem «Max» in Bamberg. Foto: Steffen Schützwohl

Wollsocken, Kerzen und viel Glühwein: Der Weihnachtsmarkt auf dem «Max» in Bamberg. Foto: Steffen Schützwohl

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Sanft klappt Karl-Heinz Exner den Deckel zurück und greift ins Innere der Laterne. Der Krippenbauer zieht den Stall von Bethlehem heraus: Maria und Josef, das Kind in der Krippe, Hirten mit Schafen, fein säuberlich auf einem Stück Dämmplatte fixiert, unter einer rudimentären Dachkonstruktion. Lärchennadeln bilden das Stroh im Stall, die Schafe stehen auf einem grünen Belag. «Getrocknetes Moos, gemahlen mit der Kaffeemühle meiner Frau», gesteht Exner. Der gebürtige Schlesier ­feiert demnächst sein 70-jähriges Jubiläum als Krippenbauer, besitzt gar ein Meisterdiplom in dieser Sparte. Der Eifer, die Ereignisse rund um Christi Geburt in Szene zu setzen, verlässt den gläubigen Katholiken nie.

«In jedes christliche Heim», doziert Exner, «gehört eine Krippe. Das muss das Ziel des Krippenbauers sein.» Weil heute viele Menschen in beengten Verhältnissen wohnten, hat Exner die handliche Krippenlaterne erfunden. Deren Innenleben kann dem christlichen Kalender angepasst werden – beginnend mit der Verkündigung, als der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu offenbart, und endend mit den theologisch komplizierten Pfingstereignissen. Exner ist in Oberfranken kein Exot, allein der Verein der Bamberger Krippenfreunde zählt 400 Mitglieder. Am Bamberger Krippenweg, der kreuz und quer durch die 76 000-Einwohner-Stadt führt, liegen 40 Krippenstationen. Das mehrheitlich ­katholische Bamberg mit seinem überschaubaren Weihnachtsmarkt (62 Buden) auf dem Grünen Markt und dem Maximilian-Platz ist eine gute vorweihnachtliche Alternative zum nahen, aber wuseligen Nürnberg.

Bamberg zählt zum Unesco-Weltkulturerbe

Die Verkaufsstände und -häuschen bilden neun Reihen auf dem «Max». Das Sortiment scheint bodenständig und der Jahreszeit angemessen: Wollsachen und Guetsli-Förmchen, Kerzen und Christbaumschmuck. Und natürlich ziemlich viel Glühwein, der bei Delikatess-Müller Punsch heisst und in den Varianten Rot, Weiss, Light oder Rosé ausgeschenkt wird. In der urchigen Vesper­hütte stärkt man sich mit Wildschweinbratwurst oder Käsespätzle und bestaunt später an der westlichen Peripherie des Platzes die Weihnachtskrippe der Marktkaufleute. Sie zeigt einen knollennasigen Wirt, der Maria und Josef den Zutritt zur Fachwerk-Herberge verweigert. Josef, den Dreispitz in der Hand, in fränkischer Tracht mit Kniebundhosen und weissen Strümpfen.

Krippe in Nähe der Pfarrei St. Otto. Foto: Gerhard Hagen

Selbst an einem trüben Adventstag lässt sich leicht nachvollziehen, weshalb Bamberg seit 1993 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Die Stadt, die im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieb, gilt als eine der schönsten Deutschlands, ein Dreiklang aus romantischer Lage, mittelalterlichem Charme und barocker Pracht. Zahlreiche Brücken führen über die beiden Arme der Regnitz, wobei der östliche zum Main-Donau-Kanal vertieft wurde. Das Wasser gurgelt mancherorts wie in einem Wildbach. Der westliche Flussarm umspült das prachtvolle mittelalterliche Rathaus, von alters her die Verbindung zwischen dem weltlichen Bamberg der Ebene und der geistlichen Bergstadt. Das fürstbischöfliche Bamberg wurde seit dem 11. Jahrhundert auf sieben Hügeln erbaut und macht Bamberg zum fränkischen Rom.

Trotz seiner bald 800 Jahre unglaublich elegant

Im viertürmigen Kaiserdom steht man fröstelnd vor einem weltberühmten Kunstwerk. Der Bamberger Reiter aus grünlichem Sandstein ist trotz seiner bald 800 Jahre eine unglaublich elegante Erscheinung – so ansprechend, dass er durch Hitler zu arischen Propagandazwecken missbraucht wurde. Waffenlos und zeitlos schön thront er auf seinem Schimmel. Der Künstler, der ihn schuf, blieb unbekannt, wen er darstellt, umstritten.

Die Krippe im Dom zeigt vor Styroporkulisse gerade die «Heimsuchung», die Visite Marias bei ihrer ebenfalls schwangeren Base Elisabeth.

Grosskrippe am Maxplatz. Foto: Anna Schühlein

Heimgesucht wird Bamberg von den Passagieren von Flusskreuzfahrtschiffen, darunter viele Angelsachsen. Vor allem Australier würden sich kaum für St. Stephan, St. Martin und andere Bamberger Kirchen interessieren. «ABC», murrten die Aussies, «Another Bloody Cathedral», bevor sie sich dem Bier zuwendeten, für das die Stadt ebenso berühmt ist wie für Kanäle und Krippen.

In der Schwemme bei der Toreinfahrt zum fürstbischöflichen Klosterbräu öffnet Viktor auf ein Klingelzeichen ein Schiebefenster und füllt mitgebrachte Masskrüge mit dem süsslichen Braunbier, 2.90 Euro der halbe Liter. Es wird ebenso nach altem Rezept gebraut wie das Rauchbier, das man im historischen Brauhaus Schlenkerla trinkt. Geräuchertes Malz verleiht dem Gebräu den rauchhaltigen Geschmack und die dunkelbraune Farbe. Bamberg zählt ein Dutzend Brauereien auf Stadtgebiet, das Bier wird gar in den Krippen thematisiert.

Krippenszenerie in der Maternkapelle mit Bamberger Dom. Foto: Mario Lorenz

So prostet sich spielendes Gesinde in der Krippe in der Karmeliterkirche St. Theodor zu. Neben dem zur Geburtshöhle umfunktionierten, noch leeren Wurzelstock bellt ein Hütehund einem versprengten Schaf hinterher. Der Hirte hält sich den schmerzenden Kopf. Nicht weil er zu viel Bamberger Braun- oder Rauchbier erwischt hat, sondern weil er beim Versuch der Bergung des Schafs von einer Leiter gestürzt ist.


Die Reise wurde unterstützt von der Deutschen Zentrale für Tourismus.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.12.2017, 17:05 Uhr

Kreuzfahrt zum Kruzifix



Anreise
Mit SBB/DB via Stuttgart und Nürnberg oder Würzburg nach Bamberg.

Unterkunft
Bamberger Hof Bellevue, Belle-Époque-Grandezza am Rande der Altstadt DZ ab 165 Euro.

Bamberg im Advent
Weihnachtsmarkt in der Fussgängerzone bis 23. Dezember. Krippenausstellung in der Maternkapelle; www.krippenfreunde-bamberg.de

Restaurant
Schlenkerla, Rauchbier aus dem Eichenfass in urchiger Ambiance.

Zu Wasser
In der Sommersaison Bootstouren entlang von Klein Venedig und Baden im Hainbad in der Regnitz. Flusskreuzfahrten auf dem Weg von Rhein/Main zur Donau und zurück machen halt in Bamberg, z. B. Mittelthurgau, Thurgau Travel oder Rivage Flussreisen.

Allgemeine Infos
www.bamberg.info; www.frankentourismus.de

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